Schiebezungengecko
STierart – weltweit > Reptilien & Amphibien – weltweit (weitere)
Steckbrief
- Wissenschaftlicher Name: Euleptes europaea (Gené, 1839)
- Ordnung: Schuppenkriechtiere (Squamata)
- Familie: Phyllodactylidae (Blattfingergeckos)
- Gattung: Euleptes (monotypisch)
- Lebensraum: Felsige Küstengebiete, Trockenmauern, mediterrane Macchie auf kleinen Inseln und Küstenstreifen
- Größe: Gesamtlänge 7–8 cm, davon Kopf-Rumpf-Länge ca. 3,5–4 cm
- Gewicht: ca. 1–2 g
- Lebenserwartung: geschätzt 6–10 Jahre in freier Wildbahn
Aussehen & Merkmale
Der Schiebezungengecko ist eine der kleinsten Geckoarten Europas. Sein Körperbau ist gedrungen, der Kopf breit und leicht abgeflacht – eine Anpassung an das Leben in engen Felsspalten. Die Grundfärbung der feinen Schuppen variiert von graubraun über beige bis hin zu rötlichbraun. Der Rücken trägt eine unregelmäßige, dunklere Fleckung oder Bänderung, die eine hervorragende Tarnung auf Gestein bietet. Die Bauchseite ist heller, meist cremefarben bis weißlich.
Ein auffälliges Merkmal sind die Haftlamellen an den Zehen, die dem Gecko das Klettern auf glatten Oberflächen und überhängenden Felsen ermöglichen. Im Gegensatz zu vielen anderen Geckoarten besitzt Euleptes europaea keine beweglichen Augenlider; die Augen werden stattdessen von einer transparenten Brille, dem sogenannten Spectacle, geschützt. Die Pupillen sind vertikal geschlitzt – ein typisches Kennzeichen nachtaktiver Geckoarten. Der Schwanz ist relativ kurz und kräftig; er dient als Fettspeicher und kann bei Gefahr abgeworfen werden (Autotomie).
Das namensgebende Merkmal ist die besondere Ausbildung der Zunge: Diese kann nicht, wie bei den meisten Geckos, ausschließlich aus dem Maul herausgestreckt werden, sondern wird in einer Art Schiebebewegung nach vorn geschoben. Diese Eigenschaft unterscheidet die Gattung Euleptes morphologisch von verwandten Gattungen innerhalb der Familie der Phyllodactylidae.
Lebensraum & Verbreitung
Das Verbreitungsgebiet des Schiebezungengeckos beschränkt sich auf den westlichen Mittelmeerraum. Die Art kommt auf zahlreichen kleinen Inseln und Felseilanden vor Korsika, Sardinien und der ligurischen Küste Italiens vor. Vereinzelte Populationen existieren auf den Îles d'Hyères vor der südfranzösischen Küste sowie auf den toskanischen Inseln. Auf dem Festland ist die Art nur an wenigen Küstenabschnitten Liguriens und der Provence nachgewiesen.
Das bevorzugte Habitat sind xerotherme, felsige Biotope in Küstennähe, häufig mit spärlicher Vegetation aus niedrigen Sträuchern und Kräutern. Der Gecko besiedelt Spalten in Kalkstein- und Granitfelsen, Trockensteinmauern, Ruinen und gelegentlich auch aufgeschichtetes Totholz. Die Bindung an kleine Inseln ist ausgeprägt: Viele Populationen leben auf Eilanden von nur wenigen Hektar Fläche, was die Art gegenüber Habitatveränderungen besonders verwundbar macht.
Ernährung
Der Schiebezungengecko ernährt sich ausschließlich carnivor. Seine Nahrung besteht aus kleinen Wirbellosen, darunter Spinnen, Asseln, kleine Käfer, Fliegen und Ameisen. Die Jagd erfolgt vorwiegend in der Dämmerung und nachts, wenn der Gecko seine Verstecke verlässt und auf Felsoberflächen, Mauern oder niedriger Vegetation nach Beute sucht. Aufgrund seiner geringen Körpergröße ist das Beutespektrum auf Arthropoden beschränkt, die wenige Millimeter Körperlänge nicht überschreiten. Die Schiebezunge spielt beim Beutefang keine nachgewiesene Sonderrolle; die Nahrungsaufnahme erfolgt durch schnelles Zuschnappen.
Verhalten & Lebensweise
Der Schiebezungengecko ist streng nachtaktiv und verbringt den Tag verborgen in Felsspalten, unter Steinen oder in Mauerritzen. Erst nach Einbruch der Dunkelheit wird er aktiv und begibt sich auf Nahrungssuche. Die Art ist einzelgängerisch; Reviere werden nicht aktiv verteidigt, doch die Tiere halten in der Regel Abstand zueinander. Bei Begegnungen zwischen Männchen kann es zu ritualisierten Drohgebärden kommen, die selten in physische Auseinandersetzungen münden.
In den kühleren Wintermonaten – etwa von November bis Februar – verfällt der Schiebezungengecko in eine Winterruhe. Während dieser Phase zieht er sich in tiefere Felsspalten zurück und reduziert seinen Stoffwechsel deutlich. Die Aktivitätsperiode erstreckt sich hauptsächlich von April bis Oktober, wobei die höchste Aktivität in den warmen Sommermonaten liegt.
Bei Bedrohung setzt der Gecko auf Flucht in enge Spalten und Verstecke. Wird er ergriffen, kann er den Schwanz abwerfen, der noch einige Minuten zuckend die Aufmerksamkeit des Prädators auf sich zieht. Der Schwanz regeneriert sich anschließend, erreicht jedoch selten die ursprüngliche Länge und Färbung.
Fortpflanzung & Aufzucht
Die Paarungszeit beginnt im späten Frühjahr, typischerweise im Mai. Die Balz ist wenig erforscht; Beobachtungen deuten auf kurze Verfolgungsjagden und taktile Kontakte zwischen Männchen und Weibchen hin. Nach der Paarung legt das Weibchen ein bis zwei hartschalige Eier in feuchte Spalten oder unter flache Steine. Pro Saison sind ein bis zwei Gelege möglich.
Die Inkubationszeit beträgt je nach Temperatur etwa 8 bis 12 Wochen. Die Schlüpflinge messen rund 3 cm Gesamtlänge und sind sofort selbstständig. Eine elterliche Fürsorge findet nicht statt. Die Jungtiere ernähren sich von besonders kleinen Wirbellosen und erreichen die Geschlechts