Schwärmen
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Definition & Überblick
Als Schwärmen wird in der Imkerei und Vogelhaltung ein natürliches Gruppenverhalten bezeichnet, bei dem Tiere in größerer Anzahl gemeinsam ihren bisherigen Standort verlassen, um sich an einem neuen Ort niederzulassen. Der Begriff findet vorwiegend in zwei Kontexten Anwendung: In der Imkerei beschreibt er den Reproduktionsvorgang eines Bienenvolkes, bei dem die alte Königin mit einem Teil des Volkes den Bienenstock verlässt und eine neue Kolonie gründet. In der Vogelhaltung bezeichnet Schwärmen das arttypische Flugverhalten geselliger Vogelarten, die in koordinierten Gruppen fliegen, fressen und ruhen. Beide Formen des Schwärmens sind tief im Instinkt der Tiere verankert und haben zentrale Bedeutung für die artgerechte Haltung sowie den praktischen Tierschutz.
Für Tierhalter ist das Verständnis des Schwärmverhaltens unverzichtbar. In der Imkerei entscheidet die Schwarmkontrolle über Ertrag und Bestandserhalt. In der Vogelhaltung wiederum beeinflusst das Ausleben des Schwarmtriebs maßgeblich das Wohlbefinden und die Gesundheit der gehaltenen Tiere.
Grundlagen & Voraussetzungen
Schwärmen bei Honigbienen: Der Schwarmtrieb setzt typischerweise im Frühjahr ein, wenn das Bienenvolk stark gewachsen ist und die Platzverhältnisse im Stock eng werden. Die Arbeiterinnen beginnen, Weiselzellen (Königinnenzellen) zu bauen, in denen neue Königinnen heranwachsen. Sobald die erste Weiselzelle verdeckelt ist, verlässt die alte Königin mit etwa der Hälfte der Bienen den Stock. Dieser Schwarm sammelt sich zunächst in einer Traube an einem nahegelegenen Ast oder einer Wand, bevor Kundschafterinnen einen geeigneten neuen Nistplatz suchen. Auslöser für das Schwärmen sind unter anderem Platzmangel, ein starker Bienenumsatz, genetische Veranlagung sowie Umweltfaktoren wie Temperatur und Trachtangebot.
Schwärmen bei Vögeln: Viele Vogelarten – darunter Wellensittiche, Zebrafinken, Stare und Schwalben – zeigen ausgeprägtes Schwarmverhalten. Sie leben in Gruppen, synchronisieren Flugbewegungen und kommunizieren über Rufe und Körpersprache. In der Vogelhaltung bezeichnet Schwärmen sowohl das gemeinsame Fliegen in einer Voliere oder einem Gehege als auch das soziale Zusammensein im Schwarmverband. Voraussetzungen für artgerechtes Schwärmen in Menschenobhut sind ausreichend Platz, eine Gruppenhaltung mit genügend Artgenossen und ein geeigneter Auslauf, in dem die Tiere frei fliegen können.
Praktische Umsetzung
Schwarmmanagement in der Imkerei:
- Schwarmvorbeugung: Regelmäßige Durchsicht der Völker auf Weiselzellen, rechtzeitiges Erweitern des Brutraums durch Aufsetzen von Zargen und das Entnehmen von Brutwaben zur Ablegerbildung reduzieren den Schwarmtrieb deutlich.
- Schwarmfang: Ist ein Schwarm bereits abgegangen, kann er mit einer Schwarmfangkiste oder einem Eimer eingefangen werden. Die Bienentraube wird vorsichtig in das Behältnis geschüttelt oder gefegt, idealerweise mit der Königin. Anschließend wird der Schwarm in eine vorbereitete Beute einlogiert.
- Kippkontrolle und Zwischenableger: Als bewährte Methode der Schwarmkontrolle gilt die wöchentliche Kippkontrolle, bei der die Unterseiten der Rähmchen auf Weiselzellen geprüft werden. Werden Zellen gefunden, kann ein Zwischenableger gebildet werden, um den Schwarmtrieb umzulenken.
Schwarmhaltung bei Vögeln:
- Gruppenbildung: Schwarmvögel wie Wellensittiche sollten mindestens zu viert, besser in noch größeren Gruppen, gehalten werden. Einzelhaltung ist aus Tierschutzgründen abzulehnen und verstößt gegen das natürliche Schwarmverhalten.
- Voliere und Freiflug: Eine geräumige Voliere – im Idealfall eine Außenvoliere mit Schutzraum – ermöglicht den Vögeln gemeinsames Fliegen und soziale Interaktion. Regelmäßiger Freiflug im gesicherten Raum ergänzt die Beschäftigung und stärkt den Zusammenhalt der Gruppe.
- Beschäftigung und Enrichment: Schwarmvögel brauchen neben Artgenossen auch Abwechslung. Naturäste, Schaukeln, Klettermöglichkeiten und Futtersuchspiele fördern artgerechtes Verhalten und beugen Verhaltensstörungen vor.
Häufige Fehler
- Zu seltene Kontrollen bei Bienenvölkern: Wer im Frühjahr die wöchentliche Schwarmkontrolle versäumt, riskiert unkontrolliertes Schwärmen. Ein abgegangener Schwarm schwächt das Muttervolk erheblich und kann zu Ernteausfällen führen. Zudem gelten herrenlose Bienenschwärme in vielen Regionen als meldepflichtig.
- Einzelhaltung von Schwarmvögeln: Noch immer werden Wellensittiche oder Nymphensittiche einzeln gehalten, oft in viel zu kleinen Käfigen. Dies widerspricht dem Schwarminstinkt fundamental und führt zu Federrupfen, Schreien, Apathie und anderen Verhaltensstörungen.
- Falsches Vergesellschaften: Unterschiedliche Vogelarten wahllos zusammenzusetzen, nur um eine größere Gruppe zu erreichen, kann zu Stress, Aggression und Verletzungen führen. Schwarmhaltung funktioniert nur mit kompatiblen Arten oder – idealerweise – innerhalb einer Art.
- Platzmangel: Zu kleine Gehege verhindern echtes Schwarmverhalten. Bei Bienen führt Enge zum Schwarmtrieb, bei Vögeln verhindert sie das Ausleben des Schwarmtriebs. In beiden Fällen leidet das Tierwohl.
Tipps für Anfänger
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