Schwarzspecht
STierart – Vögel > Spechte & Co
Steckbrief
- Wissenschaftlicher Name: Dryocopus martius
- Ordnung: Spechtvögel (Piciformes)
- Familie: Spechte (Picidae)
- Gattung: Dryocopus
- Lebensraum: Ausgedehnte Laub-, Misch- und Nadelwälder mit altem Baumbestand
- Größe: 45–57 cm (Körperlänge), Spannweite ca. 64–68 cm
- Gewicht: 250–370 g
- Lebenserwartung: Bis zu 14 Jahre in freier Wildbahn
Aussehen & Merkmale
Der Schwarzspecht ist der größte europäische Specht und annähernd so groß wie eine Krähe. Sein Gefieder ist nahezu vollständig schwarz gefärbt, was ihm seinen deutschen Namen eingebracht hat. Das Männchen trägt eine auffällige, leuchtend rote Scheitelplatte, die sich vom Stirnansatz bis zum Hinterkopf erstreckt. Beim Weibchen beschränkt sich die rote Färbung auf einen kleineren Fleck am Hinterkopf – das sicherste Unterscheidungsmerkmal zwischen den Geschlechtern.
Der kräftige, meißelförmige Schnabel ist elfenbeinfarben bis gelblich-weiß und wirkt im Verhältnis zum Kopf ausgesprochen lang. Die Iris ist bei adulten Vögeln blass gelblich bis weißlich. Die Beine und Zehen sind graugrün gefärbt. Wie bei allen Spechten sind die Zehen in einer zygodaktylen Anordnung positioniert: Zwei Zehen weisen nach vorn, zwei nach hinten. Diese Zehenstellung ermöglicht zusammen mit den steifen Schwanzfedern, den sogenannten Stützfedern, ein sicheres Klettern an senkrechten Baumstämmen.
Im Flug wirkt der Schwarzspecht durch seinen langen Hals, den vorgestreckten Kopf und den relativ langen Schwanz etwas unbeholfen. Der Flug verläuft in weiten, flachen Wellenlinien und unterscheidet sich damit deutlich vom stärker undulierenden Flugstil kleinerer Spechtarten wie dem Buntspecht oder dem Grünspecht.
Lebensraum & Verbreitung
Das Verbreitungsgebiet des Schwarzspechts erstreckt sich über die gesamte Paläarktis – von der Iberischen Halbinsel und Skandinavien ostwärts durch den gesamten eurasischen Waldgürtel bis nach Japan und Kamtschatka. In Mitteleuropa ist die Art weit verbreitet und besiedelt geeignete Habitate vom Tiefland bis in Bergwälder auf etwa 2.000 Metern Höhe.
Als Biotop bevorzugt der Schwarzspecht ausgedehnte, zusammenhängende Waldgebiete mit einem hohen Anteil an Altholz. Besonders wichtig sind starke Buchen oder andere Laubbäume mit glattem Stamm, in denen er seine Bruthöhlen anlegt. Reine Nadelwälder werden ebenfalls besiedelt, sofern einzelne starke Laubbäume als Höhlenbäume verfügbar sind. Fragmentierte Wälder und junge Forste meidet die Art weitgehend. Der Schwarzspecht ist ein Standvogel und verbleibt ganzjährig in seinem Revier.
Ernährung
Die Nahrung des Schwarzspechts besteht überwiegend aus holzbewohnenden Insekten und deren Larven. Hauptbeute sind Rossameisen der Gattung Camponotus sowie verschiedene Arten von Holzwespenlarven und Borkenkäfern. Um an die tief im Holz sitzenden Larven zu gelangen, hackt der Specht mit seinem kräftigen Schnabel große, charakteristisch rechteckige bis ovale Löcher in morsche Stämme und Stümpfe. Diese Hackspuren sind oft das auffälligste Zeichen seiner Anwesenheit im Wald.
Ergänzend nimmt der Schwarzspecht auch erdnistende Ameisen auf, wobei er am Boden in Ameisenhaufen und morschen Baumstümpfen hackt. Pflanzliche Kost spielt eine untergeordnete Rolle; gelegentlich werden Kirschen, Beeren oder Baumsamen verzehrt. Im Winter steigt der Anteil an Ameisen in der Nahrung, da andere Insektenlarven dann schwerer erreichbar sind.
Verhalten & Lebensweise
Der Schwarzspecht ist tagaktiv und lebt einzelgängerisch. Außerhalb der Brutzeit verteidigen beide Geschlechter jeweils eigene Reviere, die sich teilweise überlappen können. Die Reviergröße variiert stark und umfasst je nach Waldtyp und Nahrungsangebot zwischen 200 und 2.000 Hektar – damit beansprucht der Schwarzspecht eines der größten Reviere unter den europäischen Spechtarten.
Zu den auffälligsten Lautäußerungen zählt der weittragende Ruf, eine Reihe hoher, klagender „kliööh"-Rufe, die über mehrere Hundert Meter hörbar sind. Daneben trommelt der Schwarzspecht laut und in langen, gleichmäßigen Serien auf toten Ästen und Stämmen. Diese Trommelwirbel dauern etwa zwei bis drei Sekunden und dienen der Reviermarkierung sowie der Kommunikation mit dem Partner während der Balz.
Als sogenannte Schlüsselart spielt der Schwarzspecht eine zentrale ökologische Rolle: Seine großen Brut- und Schlafhöhlen werden nach der Nutzung von zahlreichen Nachnutzern bezogen, darunter Hohltaube, Dohle, Raufußkauz, verschiedene Fledermausarten, Siebenschläfer und Hornissen.
Fortpflanzung & Aufzucht
Die Balzzeit beginnt bereits im späten Winter, etwa ab Februar. Das Männchen trommelt dann verstärkt und vollführt auffällige Balzflüge mit langsamen, schmetterlingsartigen Flügelschlägen. Die Paare finden sich in der Regel saisonal zusammen, teilweise halten Paarbindungen aber auch über mehrere Jahre.
Die Bruthöhle wird bevorzugt in starken, lebenden Buchen angelegt, seltener in Kiefern, Fichten oder anderen Baumarten. Der Eingang ist hochoval und misst etwa 9 × 13 Zentimeter. Die Höhle selbst kann bis zu 60 Zentimeter tief sein. Der Bau dauert zwei bis vier Wochen, wobei hauptsächlich das Männchen zimmert.
Das Gelege umfasst in der Regel drei bis fünf weiße, glän