Schweinepest
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Definition & Überblick
Unter dem Begriff Schweinepest werden zwei eigenständige, hochansteckende Viruserkrankungen des Schweins zusammengefasst: die Klassische Schweinepest (KSP), verursacht durch ein Pestivirus, und die Afrikanische Schweinepest (ASP), ausgelöst durch ein Asfivirus. Beide Erkrankungen gehören zu den wirtschaftlich bedeutsamsten Tierseuchen weltweit und sind in Deutschland sowie der gesamten Europäischen Union anzeigepflichtig. Das bedeutet, dass bereits der Verdacht einer Infektion unverzüglich der zuständigen Veterinärbehörde gemeldet werden muss.
Die Klassische Schweinepest galt in Deutschland seit 2009 als getilgt, tritt jedoch in Teilen Asiens und Südamerikas weiterhin auf. Die Afrikanische Schweinepest hingegen breitet sich seit 2007 ausgehend von Georgien über Osteuropa aus und wurde 2020 erstmals bei Wildschweinen in Brandenburg nachgewiesen. Seitdem beschäftigt die ASP die deutsche Tierseuchenbekämpfung intensiv.
Für den Menschen sind beide Formen der Schweinepest nicht gefährlich – es handelt sich nicht um Zoonosen. Die Bedrohung liegt ausschließlich im Bereich der Tiergesundheit und der landwirtschaftlichen Ökonomie.
Ursachen & Risikofaktoren
Die Klassische Schweinepest wird durch das Classical Swine Fever Virus (CSFV) verursacht, ein behülltes RNA-Virus aus der Familie der Flaviviridae, Gattung Pestivirus. Es ist eng verwandt mit dem Erreger der Bovinen Virusdiarrhoe (BVD) beim Rind.
Die Afrikanische Schweinepest geht auf das African Swine Fever Virus (ASFV) zurück, ein großes, komplexes DNA-Virus aus der Familie der Asfarviridae. ASFV zeichnet sich durch eine außerordentliche Tenazität (Widerstandsfähigkeit in der Umwelt) aus: In gekühltem Fleisch überlebt es monatelang, in getrocknetem Schinken oder Wurst über ein Jahr.
Wesentliche Risikofaktoren und Übertragungswege umfassen:
- Direkter Kontakt zwischen infizierten und empfänglichen Schweinen (Haus- und Wildschweine)
- Kontaminierte Lebensmittel – insbesondere unsachgemäß entsorgte Speisereste, die rohes oder unzureichend erhitztes Schweinefleisch enthalten
- Vektoren – bei der ASP spielen Lederzecken der Gattung Ornithodoros in Afrika eine wichtige Rolle als biologische Überträger
- Kontaminierte Gegenstände (Fahrzeuge, Kleidung, Gerätschaften) – sogenannte indirekte Übertragung über Fomites
- Illegale Verbringung von Tieren oder Tierprodukten aus Seuchengebieten
Besonders tückisch: Wildschweinpopulationen bilden ein schwer kontrollierbares Reservoir, das die Ausbreitung begünstigt und die Tilgung erheblich erschwert.
Symptome & Erkennung
Das klinische Bild variiert je nach Erreger, Virusstamm und Virulenz erheblich. Man unterscheidet akute, subakute und chronische Verlaufsformen.
Klassische Schweinepest – typische Symptome:
- Hohes Fieber (über 41 °C), Appetitlosigkeit und Apathie
- Hämorrhagien (punktförmige Blutungen) an Haut, Ohren, Gliedmaßen und inneren Organen
- Bindehautentzündung (Konjunktivitis) mit eitrigem Augenausfluss
- Erbrechen, Durchfall – teils blutig – und zunehmende Abmagerung
- Zentralnervöse Störungen wie Bewegungsinkoordination (Ataxie) und Krämpfe
- Bei tragenden Sauen: Aborte und Totgeburten
Afrikanische Schweinepest – typische Symptome:
- Die akute Form ähnelt klinisch stark der KSP, verläuft jedoch häufig noch drastischer
- Hochgradiges Fieber (bis 42 °C), massive Hämorrhagien und Zyanose (Blaufärbung) an Ohren, Rüssel und Extremitäten
- Starke Milzschwellung (Splenomegalie) – ein charakteristischer Sektionsbefund
- Die Mortalitätsrate bei hochvirulenten ASFV-Stämmen liegt bei nahezu 100 Prozent; der Tod tritt häufig innerhalb von sieben bis zehn Tagen ein
Chronische Verläufe der KSP können mit unspezifischen Symptomen wie Kümmern, wiederkehrendem Fieber und Hautveränderungen einhergehen, was die klinische Erkennung erschwert.
Diagnose
Eine sichere Diagnose allein anhand klinischer Symptome ist nicht möglich, da zahlreiche andere Erkrankungen ein ähnliches Bild erzeugen können – darunter das Porzine Reproduktive und Respiratorische Syndrom (PRRS), Rotlauf oder Salmonellose. Die Labordiagnostik ist daher zwingend erforderlich.
- PCR (Polymerase-Kettenreaktion) – Nachweis des viralen Erbguts aus Blut, Organproben oder Tupferproben; gilt als Goldstandard für den direkten Erregernachweis
- Virusisolierung in Zellkulturen – zeitaufwendiger, aber hochspezifisch
- Antikörpernachweis mittels ELISA (Enzyme-Linked Immunosorbent Assay) oder Immunfluoreszenztest (IFT) – geeignet für die serologische Bestandsüberwachung
- Pathologisch-anatomische Untersuchung – Sektion verendeter Tiere mit Beurteilung typischer Organveränderungen wie petechialer Blutungen in Nieren (sogenannte „Truthahneier-Niere" bei KSP) und massiver