T Tierlexikon.net
← Lexikon

Schwimmkäfer

S

Tierart – Insekten > Käfer

Steckbrief

  • Wissenschaftlicher Name: Dytiscidae
  • Ordnung: Käfer (Coleoptera)
  • Familie: Schwimmkäfer (Dytiscidae)
  • Lebensraum: Stehende und langsam fließende Süßgewässer – Teiche, Tümpel, Weiher, Gräben, Moorgewässer
  • Größe: 1,5 mm (kleinste Arten) bis ca. 45 mm (Gelbrandkäfer, Dytiscus marginalis)
  • Gewicht: Je nach Art wenige Milligramm bis etwa 1 g
  • Lebenserwartung: Als Imago (erwachsener Käfer) bis zu 2–3 Jahre, selten länger

Aussehen & Merkmale

Schwimmkäfer besitzen einen stromlinienförmigen, dorsoventral leicht abgeflachten Körper, der den Wasserwiderstand beim Schwimmen minimiert. Die Oberseite ist glatt und meist dunkelbraun bis schwarz gefärbt, bei einigen Arten mit gelblichen oder olivfarbenen Rändern – besonders auffällig beim Gelbrandkäfer, dessen gelbe Flügeldecken-Einfassung ihm seinen Namen verleiht. Die Unterseite ist häufig heller, gelblich bis rotbraun.

Kennzeichnend sind die zu kräftigen Schwimmbeinen umgebildeten Hinterbeine. Sie sind abgeflacht, stark behaart und fungieren als Ruder, die synchron bewegt werden. Die Vorderbeine der Männchen tragen bei vielen Gattungen Haftscheiben (Saugnäpfe), mit denen sie sich während der Paarung am glatten Rücken des Weibchens festhalten. Die fadenförmigen Antennen bestehen aus elf Gliedern und dienen als Sinnesorgane unter Wasser.

Unter den harten Flügeldecken (Elytren) befinden sich funktionsfähige Hautflügel. Schwimmkäfer sind daher flugfähig und können nachts neue Gewässer besiedeln. Hinter den Flügeldecken befindet sich ein Luftreservoir, das die Atmung unter Wasser ermöglicht.

Lebensraum & Verbreitung

Die Familie der Schwimmkäfer ist weltweit verbreitet und umfasst rund 4.000 beschriebene Arten in etwa 160 Gattungen. In Mitteleuropa kommen über 150 Arten vor. Sie besiedeln nahezu jedes stehende oder schwach fließende Süßgewässer – von temporären Pfützen und Regentonnen über pflanzenreiche Teiche und Weiher bis hin zu Moorgewässern und Auenlandschaften. Einige Arten tolerieren leicht brackiges Wasser.

Die bevorzugten Habitate sind vegetationsreiche Stillgewässer mit ausreichend Versteckmöglichkeiten. Besonders artenreich sind naturnahe Kleingewässer, Torfstiche und extensiv bewirtschaftete Fischteiche. In schnell fließenden Bächen fehlen Schwimmkäfer weitgehend; dort werden sie ökologisch durch die verwandten Hakenkäfer (Elmidae) oder andere wasserlebende Käferfamilien ersetzt.

Ernährung

Schwimmkäfer sind sowohl als Larven als auch als erwachsene Käfer räuberisch. Die Imagines erbeuten kleine Wasserinsekten, Mückenlarven, Würmer, Kaulquappen und gelegentlich auch kleine Fische. Der Gelbrandkäfer gilt als einer der effektivsten Prädatoren in Kleingewässern und kann Beutetiere überwältigen, die deutlich größer sind als er selbst. Die Beute wird mit den kräftigen Mandibeln gepackt und verzehrt.

Die Larven sind besonders aggressive Jäger. Ihr Mundwerkzeug besteht aus sichelförmigen, hohlen Oberkiefern, durch die sie Verdauungsenzyme in die Beute injizieren – eine sogenannte extraintestinale Verdauung. Die vorverdaute Körperflüssigkeit der Beute wird anschließend aufgesaugt. Aufgrund dieses Jagdverhaltens werden die Larven im Volksmund als „Wassertiger" bezeichnet.

Verhalten & Lebensweise

Schwimmkäfer sind überwiegend dämmerungs- und nachtaktiv. Tagsüber halten sie sich häufig in der Ufervegetation oder zwischen Wasserpflanzen verborgen. Zur Atmung müssen sie regelmäßig an die Wasseroberfläche kommen: Sie durchstoßen den Oberflächenfilm mit der Hinterleibsspitze und nehmen unter den Flügeldecken eine Luftblase auf. Dieses subelytrale Luftreservoir funktioniert teilweise als physikalische Kieme – durch Diffusion kann zusätzlich Sauerstoff aus dem umgebenden Wasser in die Blase übertreten.

Die Flugfähigkeit der Schwimmkäfer ist ökologisch bedeutsam. Vor allem in warmen Nächten verlassen sie ihre Gewässer und orientieren sich bei der Suche nach neuen Habitaten an reflektierenden Oberflächen. Dabei landen sie gelegentlich irrtümlich auf Autodächern, Glasflächen oder Gewächshäusern, die sie für Wasserflächen halten.

Schwimmkäfer leben einzelgängerisch und verteidigen kein festes Revier. In günstigen Gewässern können allerdings hohe Populationsdichten auftreten, sodass zahlreiche Individuen auf engem Raum koexistieren.

Fortpflanzung & Aufzucht

Die Paarung findet im Wasser statt, meist im Frühjahr. Das Männchen klammert sich mit seinen Haftscheiben an den Flügeldecken des Weibchens fest. Die Kopulation kann mehrere Stunden dauern. Weibchen einiger Arten, etwa der Gattung Dytiscus, besitzen gefurchte Flügeldecken, die den Männchen das Festhalten erschweren – ein mögliches Ergebnis sexueller Selektion, das den Weibchen eine gewisse Kontrolle über die Partnerwahl ermöglicht.

Die Weibchen legen ihre Eier einzeln oder in kleinen Gruppen in Pflanzengewebe ein. Dazu ritzen sie mit einem Legeapparat (Ovipositor) Stängel oder Blätter von Wasserpflanzen an und schieben die Eier hinein. Nach etwa zwei bis drei Wochen schlüpfen die Larven.

Die Larvenentwicklung umfasst drei Stadien (Larvenstadien L1–L3). Die Larven sind langgestreckt, besitzen kräftige Sichelmandibeln und einen segmentierten Hinterleib mit Atemanhän