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Biologie & Ökologie > Lebensräume – Typen

Definition und Überblick

Ein See ist ein stehendes Binnengewässer, das in einer natürlichen oder künstlich geschaffenen Hohlform der Erdoberfläche dauerhaft Wasser führt. Im Unterschied zu Teichen und Tümpeln zeichnet sich ein See durch eine größere Tiefe und Fläche aus, wobei in der Limnologie – der Wissenschaft von den Binnengewässern – in der Regel eine Mindesttiefe vorausgesetzt wird, die eine thermische Schichtung ermöglicht. Seen zählen zu den produktivsten und artenreichsten Lebensräumen der Erde. Sie beherbergen eine Vielzahl von Tier- und Pflanzenarten, die in komplexen ökologischen Wechselbeziehungen zueinander stehen. Als Süßwasserökosysteme nehmen Seen nur etwa 0,01 Prozent des gesamten Wasservorrats der Erde ein, bieten aber Lebensraum für einen überproportional großen Anteil der globalen Biodiversität.

Entstehung und Seetypen

Seen entstehen durch unterschiedliche geologische und geomorphologische Prozesse. Die häufigsten Typen sind:

  • Gletscherseen: Sie bildeten sich während und nach den Eiszeiten durch die Schürfwirkung von Gletschern. Viele der großen mitteleuropäischen Seen wie der Bodensee, der Zürichsee oder der Chiemsee gehören zu diesem Typ.
  • Vulkanseen (Maare): Sie füllen erloschene Vulkankrater oder Explosionskrater. Die Eifelmaare in Deutschland sind bekannte Beispiele.
  • Tektonische Seen: Sie entstehen durch Verschiebungen der Erdkruste in Grabenbrüchen. Der Tanganjikasee und der Baikalsee sind tektonischen Ursprungs und gehören zu den tiefsten Seen der Welt.
  • Altarmseen (Altwasser): Abgeschnittene Flussschlingen, die als isolierte Wasserkörper zurückbleiben.
  • Stauseen und Baggerseen: Künstlich angelegte Standgewässer, die sich im Laufe der Zeit zu naturnahen Lebensräumen entwickeln können.

Der jeweilige Entstehungstyp beeinflusst die Beckenform, die Wassertiefe und damit die ökologischen Bedingungen für die Besiedlung durch Organismen erheblich.

Zonierung eines Sees

Jeder See lässt sich in charakteristische Zonen unterteilen, die jeweils eigene Lebensgemeinschaften (Biozönosen) beherbergen:

  • Uferzone (Litoral): Der flache, lichtdurchflutete Randbereich, in dem Röhrichtpflanzen wie Schilf, Rohrkolben und Binsen wachsen. Hier leben zahlreiche Insektenlarven, Schnecken, Amphibien und junge Fische. Die Uferzone ist als Laichgebiet und Kinderstube für viele Tierarten von zentraler Bedeutung.
  • Freiwasserzone (Pelagial): Der offene Wasserkörper, der von Plankton – also Phytoplankton und Zooplankton – besiedelt wird. Hier jagen Raubfische wie Hecht, Zander und Barsch. Auch planktonfressende Fischarten wie die Maräne halten sich bevorzugt im Pelagial auf.
  • Tiefenzone (Profundal): Der lichtlose Bereich am Seegrund unterhalb der Kompensationsebene, in dem keine Photosynthese mehr stattfindet. Hier dominieren abbauende Organismen wie Bakterien, Würmer und Zuckmückenlarven, die organisches Material zersetzen.

Die Grenze zwischen der durchlichteten (euphotischen) und der dunklen Zone hängt von der Wasserklarheit ab und variiert je nach Trophiegrad des Sees erheblich.

Thermische Schichtung und Zirkulation

In tieferen Seen bildet sich während der warmen Jahreszeit eine thermische Schichtung aus. Die obere, erwärmte Wasserschicht (Epilimnion) ist durch eine Sprungschicht (Metalimnion bzw. Thermokline) von der kalten Tiefenschicht (Hypolimnion) getrennt. Diese Schichtung verhindert den vertikalen Austausch von Nährstoffen und Sauerstoff zwischen den Wasserschichten.

Im Frühjahr und Herbst, wenn sich die Temperaturunterschiede ausgleichen, kommt es zur sogenannten Vollzirkulation. Wind durchmischt den gesamten Wasserkörper, wodurch Nährstoffe aus der Tiefe an die Oberfläche gelangen und Sauerstoff in die Tiefe transportiert wird. Dieser Zyklus ist für das gesamte Nahrungsnetz des Sees entscheidend. Seen, die zweimal jährlich zirkulieren, werden als dimiktisch bezeichnet – der häufigste Typ in den gemäßigten Breiten Mitteleuropas.

Trophiestufen und Nährstoffgehalt

Seen werden nach ihrem Nährstoffgehalt in verschiedene Trophiestufen eingeteilt:

  • Oligotrophe Seen: Nährstoffarm, sauerstoffreich bis in die Tiefe, hohe Sichttiefe, geringe Planktonproduktion. Typische Bewohner sind Saiblinge und Felchen.
  • Mesotrophe Seen: Mittlerer Nährstoffgehalt, mäßige Produktivität.
  • Eutrophe Seen: Nährstoffreich, hohe Algenproduktion, im Sommer häufig Sauerstoffmangel in der Tiefe. Hier gedeihen Karpfen, Schleien und Rotaugen besonders gut.
  • Hypertrophe Seen: Stark überdüngt, oft mit Blaualgenblüten (Cyanobakterien) und Fischsterben verbunden.

Die Eutrophierung – die Anreicherung mit Nährstoffen, vor allem Phosphor und Stickstoff – zählt zu den gravierendsten ökologischen Problemen von Seen weltweit. Einträge aus der Landwirtschaft, Kläranlagen und Oberflächenabflüssen beschleunigen diesen Prozess.

Tierwelt und ökologische Bedeutung

Seen sind Lebensraum für eine außerordentlich vielfältige Fauna. Fische bilden die auffälligste Tiergruppe; in mitteleuropäischen Seen kommen typischerweise Arten wie Hecht, Flussbarsch, Aal, Brachse und verschiedene Weißfischarten vor. Die Artenzusammensetzung der Fischfauna hängt eng mit dem Trophiezustand