Seezunge
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Steckbrief
- Wissenschaftlicher Name: Solea solea (Linnaeus, 1758)
- Ordnung: Plattfische (Pleuronectiformes)
- Familie: Seezungen (Soleidae)
- Gattung: Solea
- Lebensraum: Sandige und schlammige Meeresböden des Nordostatlantiks, des Mittelmeers und angrenzender Gewässer
- Größe: 30–50 cm, maximal bis 70 cm
- Gewicht: 0,5–1,5 kg, selten bis 3 kg
- Lebenserwartung: Bis zu 26 Jahre
Aussehen & Merkmale
Die Seezunge gehört zu den Plattfischen und zeigt den für diese Ordnung typischen asymmetrischen Körperbau. Ihr Körper ist langgestreckt oval, stark abgeflacht und erinnert in seiner Form an eine Schuhsohle – was sich im lateinischen Gattungsnamen Solea (Sandale) widerspiegelt. Beide Augen befinden sich auf der rechten Körperseite, der sogenannten Augenseite. Diese Augenwanderung vollzieht sich während der Larvenentwicklung: Schlüpflinge schwimmen zunächst symmetrisch, doch innerhalb weniger Wochen verlagert sich das linke Auge auf die rechte Seite.
Die Augenseite ist graubraun bis olivbraun gefärbt und mit unregelmäßigen dunklen Flecken überzogen. Sie dient der Tarnung auf dem Meeresboden. Die Blindseite – also die dem Boden zugewandte linke Körperseite – ist cremeweiß bis gelblich. Die Schuppen sind klein, rau und ctenoid auf der Augenseite, was der Oberfläche eine sandpapierartige Textur verleiht. Auf der Blindseite sind sie glatter. Die Brustflosse der Augenseite trägt an ihrer Spitze einen charakteristischen dunklen Fleck, der ein wichtiges Bestimmungsmerkmal gegenüber verwandten Arten wie der Dicklippigen Seezunge (Microchirus variegatus) oder der Kleinen Seezunge (Buglossidium luteum) darstellt.
Rücken- und Afterflosse erstrecken sich nahezu über die gesamte Körperlänge. Der Kopf ist rundlich, das Maul klein und auf der Unterseite liegend, typisch für einen bodenfressenden Fisch. Am Unterkiefer und an der Schnauze befinden sich feine Sinnesorgane (Barbeln und sensorische Papillen), die bei der Nahrungssuche eine zentrale Rolle spielen.
Lebensraum & Verbreitung
Das Verbreitungsgebiet der Seezunge erstreckt sich vom östlichen Nordatlantik – von Südnorwegen und den Britischen Inseln – südwärts bis zur Küste Senegals. Auch im gesamten Mittelmeer und im westlichen Schwarzen Meer kommt sie vor. Die Nordsee, der Ärmelkanal und der Golf von Biskaya zählen zu den Kerngebieten ihres Vorkommens. In der Ostsee fehlt sie aufgrund des geringen Salzgehalts weitgehend.
Ihr bevorzugtes Habitat sind sandige, schlammige oder feinkiesige Meeresböden in Tiefen von 10 bis 60 Metern, gelegentlich auch bis 150 Meter. Jungtiere besiedeln flache Küstenzonen, Flussmündungen und Wattgebiete, die als Kinderstube (Nursery-Habitat) dienen. Adulte Tiere halten sich in tieferen Gewässern auf und ziehen im Frühjahr in flachere Bereiche, um dort zu laichen. Diese saisonalen Wanderungen können Strecken von mehreren hundert Kilometern umfassen.
Ernährung
Die Seezunge ernährt sich vorwiegend von kleinen bodenlebenden Wirbellosen. Zu ihrem Nahrungsspektrum zählen Vielborster (Polychaeten), kleine Muscheln, Schnecken, Krebstiere wie Amphipoden und Garnelen sowie gelegentlich kleine Fischlarven. Die Nahrungsaufnahme erfolgt fast ausschließlich nachts. Die Tiere orten ihre Beute mit Hilfe der empfindlichen Chemorezeptoren an Schnauze und Unterkiefer, weniger über den Sehsinn. Tagsüber bleiben sie meist regungslos im Sediment eingegraben.
Verhalten & Lebensweise
Die Seezunge ist ein ausgesprochen nachtaktiver Bodenfisch. Tagsüber liegt sie flach auf dem Meeresgrund, häufig fast vollständig im Sand oder Schlick eingegraben. Nur die Augen ragen hervor. Die Tarnung wird durch eine aktive Anpassung der Hautfärbung an den Untergrund unterstützt – Chromatophoren in der Haut der Augenseite ermöglichen eine erstaunlich genaue Imitation der Umgebung.
Nach Einbruch der Dunkelheit wird die Seezunge aktiv und sucht den Meeresboden systematisch nach Nahrung ab. Sie bewegt sich dabei mit wellenförmigen Bewegungen der Rücken- und Afterflosse knapp über dem Boden fort. Die Art ist einzelgängerisch und bildet keine Schwärme, kann aber lokal in hohen Dichten vorkommen. In den Wintermonaten ziehen die Tiere in tiefere, wärmere Gewässer ab. Bei Wassertemperaturen unter etwa 5 °C stellt die Seezunge die Nahrungsaufnahme weitgehend ein.
Fortpflanzung & Aufzucht
Die Laichzeit der Seezunge fällt in den europäischen Gewässern auf die Monate April bis Juni, im Mittelmeer kann sie bereits im März beginnen. Die Tiere wandern dazu in flachere Küstengewässer. Die Geschlechtsreife tritt bei Männchen mit etwa drei bis vier Jahren ein, bei Weibchen mit vier bis fünf Jahren.
Ein Weibchen kann je nach Körpergröße zwischen 100.000 und über eine Million Eier abgeben. Die Eier sind pelagisch, also frei im Wasser schwebend, kugelrund und etwa 1,0 bis 1,5 mm groß. Bei einer Wassertemperatur von 10–12 °C schlüpfen die Larven nach etwa einer Woche. Die zunächst bilateral symmetrischen Larven leben planktonisch und durchlaufen innerhalb von vier bis sechs Wochen die Metamorphose zum asymmetrischen Plattfisch. Danach setzen sie sich am Boden ab und nehmen die benthische Lebensweise der Adulten an. Die Jungfische wachsen in den nährstoffreichen Flachwasserzonen heran.