Segelechse
STierart – Reptilien > Echsen – Agamen & Leguane
Steckbrief
- Wissenschaftlicher Name: Hydrosaurus (Gattung mit drei anerkannten Arten: H. amboinensis, H. pustulatus, H. weberi)
- Ordnung: Schuppenkriechtiere (Squamata)
- Unterordnung: Echsen (Lacertilia)
- Familie: Agamen (Agamidae)
- Gattung: Hydrosaurus
- Lebensraum: Tropische Regenwälder in Gewässernähe, Flussufer, Mangrovenwälder in Südostasien
- Größe: Gesamtlänge bis zu 100–110 cm, davon etwa zwei Drittel Schwanz
- Gewicht: Bis zu 1,2 kg (ausgewachsene Männchen)
- Lebenserwartung: 15–20 Jahre in Gefangenschaft, in freier Wildbahn vermutlich kürzer
Aussehen & Merkmale
Segelechsen gehören zu den größten Vertretern der Familie der Agamen. Ihren deutschen Namen verdanken sie dem auffälligen, segelartigen Hautkamm auf dem Schwanz, der durch verlängerte Dornfortsätze der Schwanzwirbel gestützt wird. Dieser Kamm ist bei adulten Männchen besonders ausgeprägt und kann eine Höhe von mehreren Zentimetern erreichen. Weibchen und Jungtiere zeigen dieses Merkmal deutlich schwächer.
Der Körper ist seitlich leicht abgeflacht und mit kleinen, gekielten Schuppen bedeckt. Auf dem Rücken verläuft vom Nacken bis zum Schwanzansatz ein niedriger Schuppenkamm. Der Kopf ist kräftig gebaut, die Schnauze relativ kurz und stumpf. Die kräftigen Hinterbeine sind deutlich länger als die Vorderbeine, was den Tieren eine aufrechte, bipede Fortbewegung über kurze Strecken ermöglicht. Die Zehen sind lang und mit kräftigen Krallen versehen, die ein sicheres Klettern auf Baumstämmen und Ästen gewährleisten.
Die Grundfärbung variiert je nach Art und Alter. Hydrosaurus amboinensis, die Amboina-Segelechse, zeigt meist ein dunkles Graugrün bis Olivbraun. Hydrosaurus pustulatus, die Philippinische Segelechse, kann besonders bei Männchen leuchtend violette und blaue Farbtöne auf dem Rücken und an den Flanken aufweisen. Jungtiere beider Arten sind häufig heller gefärbt mit undeutlichen Querbändern.
Lebensraum & Verbreitung
Das Verbreitungsgebiet der Gattung Hydrosaurus erstreckt sich über Südostasien. H. amboinensis besiedelt die Molukken, Sulawesi sowie Teile Neuguineas. H. pustulatus ist auf den Philippinen endemisch, während H. weberi auf einige Inseln der nördlichen Molukken beschränkt ist.
Das bevorzugte Habitat sind tropische Tieflandregenwälder in unmittelbarer Nähe von Gewässern. Segelechsen bewohnen Flussufer, Seeufer und Bachläufe, aber auch Mangrovensümpfe und feuchte Küstenwälder. Sie halten sich bevorzugt auf Bäumen und Sträuchern auf, die über das Wasser ragen. Die Nähe zum Wasser ist für diese Echsen essenziell, da sie bei Gefahr von Ästen ins Wasser springen und dort abtauchen oder über die Wasseroberfläche davonlaufen können.
Ernährung
Segelechsen sind omnivor, wobei sich das Nahrungsspektrum mit dem Alter verschiebt. Jungtiere ernähren sich überwiegend von Insekten, Spinnen und anderen Wirbellosen. Mit zunehmendem Alter steigt der Anteil pflanzlicher Nahrung. Adulte Tiere fressen neben Arthropoden auch Früchte, Blüten, Blätter und gelegentlich kleine Wirbeltiere wie Frösche oder Fische. Diese ontogenetische Nahrungsumstellung ist bei vielen größeren Agamen zu beobachten und steht vermutlich im Zusammenhang mit dem steigenden Energiebedarf und der abnehmenden Agilität ausgewachsener Individuen.
Die Nahrungssuche erfolgt sowohl am Boden als auch in der Vegetation. Am Wasser erbeuten Segelechsen gelegentlich auch Krebstiere und Wasserschnecken.
Verhalten & Lebensweise
Segelechsen sind tagaktiv und verbringen einen Großteil des Tages beim Sonnen auf exponierten Ästen über dem Wasser. Als wechselwarme Tiere regulieren sie ihre Körpertemperatur durch gezieltes Aufsuchen von Sonnenplätzen und schattigen Ruhezonen – ein Verhalten, das als Thermoregulation bezeichnet wird.
Männchen sind territorial und verteidigen ihr Revier gegen Artgenossen. Die Reviergrenzen werden durch Drohgebärden markiert: Kopfnicken, Aufstellen des Nackenkamms und seitliches Abflachen des Körpers dienen als Imponierverhalten. Körperliche Auseinandersetzungen kommen vor, sind aber selten. Weibchen und subadulte Tiere werden im Revier eines dominanten Männchens geduldet.
Eine der auffälligsten Verhaltensweisen ist die Fähigkeit, auf den Hinterbeinen kurze Strecken über die Wasseroberfläche zu laufen. Durch schnelle Beinbewegungen und die vergrößerte Trittfläche der gespreizten Zehen mit Hautsäumen können sie für einige Meter auf dem Wasser bleiben, bevor sie eintauchen und schwimmend oder tauchend weiterfliehen. Dieses Verhalten ähnelt dem der neuweltlichen Basilisken (Basiliscus), mit denen Segelechsen jedoch nicht näher verwandt sind – ein klassisches Beispiel für konvergente Evolution.
Fortpflanzung & Aufzucht
Zur Paarungszeit intensivieren Männchen ihr Imponierverhalten. Die Balz umfasst Kopfnicken, Körperaufrichten und das Verfolgen des Weibchens. Nach der Kopulation legt das Weibchen etwa vier bis acht Wochen später ein Gelege von 2 bis 8 Eiern in feuchtes Erdreich oder unter verrottende Vegetation. Die Inkubationstemperatur beeinflusst die Schlupfdauer, die zwischen 60 und 80 Tagen liegt.