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Sepia

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Tierart – Wirbellose > Weichtiere – Kopffüßer

Steckbrief

  • Wissenschaftlicher Name: Sepia officinalis (Gemeiner Tintenfisch)
  • Ordnung: Sepida (Sepien)
  • Familie: Sepiidae (Echte Sepien)
  • Gattung: Sepia (mit über 100 beschriebenen Arten weltweit)
  • Lebensraum: Küstennahe Meeresgebiete, sandige und schlammige Böden, Seegraswiesen, Korallenriffe; überwiegend in Tiefen bis 200 Meter
  • Größe: Je nach Art 15–50 cm Mantellänge; Sepia officinalis erreicht bis zu 45 cm
  • Gewicht: Bis etwa 4 kg bei ausgewachsenen Exemplaren von S. officinalis
  • Lebenserwartung: 1–2 Jahre; die meisten Arten sind semelpar, sterben also nach der ersten Fortpflanzung

Aussehen & Merkmale

Sepien besitzen einen abgeflachten, oval bis schildförmigen Körperbau, der sie deutlich von den eher zylindrischen Kalmaren unterscheidet. Der Mantel umschließt die inneren Organe und enthält als stützendes Element den sogenannten Schulp – eine poröse, kalkhaltige Innenstruktur, die als hydrostatisches Organ dient. Durch gezielte Regulation des Gas-Flüssigkeits-Verhältnisses in den Kammern des Schulps können Sepien ihren Auftrieb fein justieren.

Am Kopf sitzen acht kürzere Arme und zwei längere Fangtentakel, die mit Saugnäpfen besetzt sind. Die Fangtentakel können blitzschnell vorgeschleudert werden, um Beute zu ergreifen, und werden in Ruhe in speziellen Taschen unterhalb der Augen verstaut. Die Augen der Sepien gehören zu den leistungsfähigsten im Tierreich: Sie besitzen eine W-förmige Pupille und können trotz Farbenblindheit durch Analyse der Polarisation des Lichts Kontraste und Muster differenzieren.

Eine der auffälligsten Eigenschaften ist die Haut. Sie enthält mehrere Schichten spezialisierter Zellen: Chromatophoren (pigmenthaltige Zellen, die sich aktiv ausdehnen und zusammenziehen), Iridophoren (reflektierende Zellen) und Leucophoren (breitbandig streuende Zellen). Dieses System ermöglicht extrem schnelle Farbwechsel und die Erzeugung komplexer Muster – von Streifen über Flecken bis hin zu laufenden Wellenbändern. Die Haut kann zudem ihre Textur verändern und kleine Papillen aufstellen, um dreidimensionale Strukturen wie Algen oder Korallen nachzuahmen.

Entlang beider Seiten des Mantels verläuft ein durchgehender Flossensaum, der wellenförmige Bewegungen ausführt und der Sepia ein präzises, langsames Manövrieren erlaubt. Für schnelle Fluchtbewegungen nutzt sie den Rückstoßantrieb durch den Trichter (Siphon).

Lebensraum & Verbreitung

Die Gattung Sepia kommt in den gemäßigten und tropischen Gewässern des Ostatlantiks, des Mittelmeers, des Indischen Ozeans und des westlichen Pazifiks vor. Im westlichen Atlantik und an den amerikanischen Küsten fehlen Sepien dagegen vollständig – ein biogeographisch auffälliges Verbreitungsmuster, das bislang nicht abschließend erklärt ist.

Sepia officinalis, die Gemeine Sepie oder auch Gemeiner Tintenfisch genannt, bewohnt die Küstengewässer von Norwegen bis Südafrika einschließlich des gesamten Mittelmeerraums. Ihr bevorzugtes Habitat sind sandige und schlammige Böden des Sublitorals in Tiefen von 5 bis 150 Metern, wobei sie Seegraswiesen und Felsriffe als Deckung nutzt. Saisonale Wanderungen zwischen tieferen Winterquartieren und flachen Küstenbereichen zur Fortpflanzung sind gut dokumentiert.

Weitere bekannte Arten sind Sepia pharaonis (Pharao-Sepie) im Indopazifik, Sepia latimanus (Breitarm-Sepie) in tropischen Riffen und Sepia apama (Australische Riesensepie), die mit bis zu 50 cm Mantellänge und über 10 kg Gewicht die größte bekannte Art der Gattung darstellt.

Ernährung

Sepien sind aktive Raubtiere. Ihre Nahrung besteht vorwiegend aus Garnelen, Krabben, kleinen Fischen und anderen Weichtieren. Die Jagdstrategie variiert je nach Beute: Häufig nähert sich die Sepia langsam, tarnt sich dabei durch Anpassung von Farbe und Muster an den Untergrund und schleudert dann die beiden Fangtentakel in Bruchteilen einer Sekunde hervor. Die Beute wird mit dem kräftigen Hornschnabel zerkleinert und mit der Radula, einer zungenartigen Raspel, weiterverarbeitet. Der Speichel enthält Giftstoffe, die kleine Beutetiere rasch immobilisieren.

Sepien zeigen bei der Jagd beachtliche kognitive Leistungen: In Experimenten konnten sie zwischen verschiedenen Beutetypen abwägen und ihre Jagdentscheidungen an die erwartete Verfügbarkeit zukünftiger Nahrung anpassen – ein Verhalten, das auf episodisch-ähnliches Gedächtnis hindeutet.

Verhalten & Lebensweise

Sepien sind überwiegend dämmerungs- und nachtaktiv, wobei die Aktivitätsmuster je nach Art und Region variieren. Tagsüber vergraben sie sich häufig im Sediment oder ruhen reglos auf dem Boden, wobei sie sich durch Tarnung nahezu unsichtbar machen. Sie leben in der Regel solitär, kommen jedoch saisonal in größeren Ansammlungen zusammen, insbesondere während der Fortpflanzungszeit.

Zur Verteidigung setzen Sepien mehrere Mechanismen ein: Neben dem Farbwechsel und der Texturanpassung können sie aus dem Tintenbeutel eine dunkle Wolke ausstoßen, die den Angreifer verwirrt. Einige Arten formen aus der Tinte sogar eine Attrappe (sogenannter „Pseudomorph"), die grob die Körperform der Sepia nachahmt, während das eigentliche Tier sich in der Gegenrichtung