Skarabäus
STierart – Insekten > Käfer
Steckbrief
- Wissenschaftlicher Name: Scarabaeus sacer (Linnaeus, 1758)
- Ordnung: Käfer (Coleoptera)
- Familie: Blatthornkäfer (Scarabaeidae)
- Unterfamilie: Scarabaeinae (Echte Mistkäfer)
- Gattung: Scarabaeus
- Lebensraum: Trockene Steppen, Halbwüsten, sandige Offenlandschaften
- Größe: 25–37 mm Körperlänge
- Gewicht: ca. 2–4 g
- Lebenserwartung: etwa 3–4 Jahre (als adultes Tier bis zu 2 Jahre)
Aussehen & Merkmale
Der Heilige Pillendreher, wie der Skarabäus im Deutschen auch genannt wird, ist ein breit gebauter, gedrungener Käfer mit einer Körperlänge von 25 bis 37 Millimetern. Die Deckflügel (Elytren) und das Halsschild sind tiefschwarz gefärbt, wobei die Oberfläche einen leicht matten Glanz zeigt. Bei manchen Exemplaren schimmert der Chitinpanzer je nach Lichteinfall bläulich oder grünlich. Die Körperoberfläche weist eine feine, punktförmige Skulptur auf.
Ein auffälliges Merkmal ist der breite, schaufelartig abgeflachte Kopfschild (Clypeus), der an seinem Vorderrand sechs zahnartige Zacken trägt. Diese Struktur dient als Grabwerkzeug und als Hilfsmittel beim Formen von Dungkugeln. Die vorderen Beinpaare sind kräftig entwickelt und ebenfalls mit zahnartigen Fortsätzen versehen, die als Schaufeln beim Graben und Modellieren des Dungs eingesetzt werden. Die hinteren Beine sind vergleichsweise lang und leicht gebogen – sie dienen dem Rollen der Kugeln über den Boden. Wie für Blatthornkäfer typisch, enden die Fühler in einem dreigliedrigen, fächerartigen Fühlerknopf (Lamellae), der zur Wahrnehmung von Gerüchen genutzt wird.
Lebensraum & Verbreitung
Das Verbreitungsgebiet von Scarabaeus sacer erstreckt sich über weite Teile des Mittelmeerraums, Nordafrikas, des Nahen Ostens und Zentralasiens. In Europa kommt die Art in Südspanien, Südfrankreich, Italien, Griechenland und auf einigen Mittelmeerinseln vor. In Nordafrika reicht das Areal von Marokko über Ägypten bis in die Sahelzone. Östlich findet sich die Art bis nach Afghanistan und Nordwestindien.
Als Habitat bevorzugt der Skarabäus offene, trockene bis halbtrockene Landschaften mit sandigen oder lehmigen Böden. Typische Biotope sind Steppen, Halbwüsten, Weideland und extensiv genutzte Agrarflächen. Entscheidend für das Vorkommen ist die Verfügbarkeit von Dung größerer Säugetiere, insbesondere von Rindern, Schafen, Eseln oder Kamelen. Dichte Wälder oder dauerhaft feuchte Gebiete werden gemieden.
Ernährung
Der Skarabäus gehört zur ökologischen Gruppe der koprophagen Käfer – er ernährt sich ausschließlich von Dung. Bevorzugt wird der Kot von Pflanzenfressern, da dieser reich an unverdauten Pflanzenfasern und Mikroorganismen ist. Die adulten Käfer nehmen dabei vor allem die flüssigen und halbflüssigen Bestandteile des Dungs auf, indem sie diese mit ihren Mundwerkzeugen herausfiltern. Die festen Fasern dienen hauptsächlich als Baumaterial für die Brutkugeln.
Die Larven ernähren sich ebenfalls von Dung, den die Elterntiere in Form der Brutbirne bereitstellen. Sie fressen sich über mehrere Wochen durch das Dungsubstrat und nehmen dabei die darin enthaltenen Nährstoffe und Mikroorganismen auf.
Verhalten & Lebensweise
Scarabaeus sacer ist überwiegend tagaktiv, wobei die höchste Aktivität in die warmen Vormittags- und frühen Nachmittagsstunden fällt. In besonders heißen Regionen kann auch eine dämmerungsaktive Lebensweise beobachtet werden. Die Käfer leben solitär und verteidigen kein festes Revier, zeigen aber ausgeprägte Konkurrenz an Dungquellen.
Das namensgebende Verhalten – das Formen und Rollen von Dungkugeln – folgt einem stereotypen Muster: Der Käfer trennt mit Kopfschild und Vorderbeinen eine Portion Dung ab, formt sie zu einer nahezu perfekten Kugel und rollt sie rückwärts gehend, auf den Vorderbeinen laufend, von der Dungquelle weg. Dabei orientiert er sich nachweislich am Stand der Sonne, am Lichtgradient des Himmels und – wie Studien der Universität Lund zeigten – nachts sogar an der Milchstraße. Diese Navigationsfähigkeit ist unter Insekten einzigartig dokumentiert.
Die Kugel wird über Distanzen von bis zu mehreren Dutzend Metern transportiert und anschließend in selbst gegrabenen Erdlöchern vergraben. Dort dient sie entweder als Nahrungsvorrat oder als Brutsubstrat.
Fortpflanzung & Aufzucht
Die Fortpflanzung beginnt mit einer Art Balzverhalten an der Dungquelle: Das Männchen formt eine Dungkugel und rollt sie davon. Weibchen werden durch den Geruch angezogen und folgen dem Männchen. Nach der Paarung, die häufig in der Nähe der vergrabenen Kugel stattfindet, formt das Weibchen aus dem Dung eine birnenförmige Brutkugel (Brutbirne). Diese ist deutlich größer als die Nahrungskugel und kann einen Durchmesser von vier bis fünf Zentimetern erreichen.
In den schmalen Hals der Brutbirne legt das Weibchen ein einzelnes Ei. Die Larve schlüpft nach etwa einer Woche und durchläuft drei Larvenstadien (Instars), während derer sie das Dungsubstrat von innen her auffrisst. Die Verpuppung erfolgt innerhalb der ausgehöhlten Brutbirne. Nach einer Puppenruhe von zwei bis vier Wochen schlüpft der fertige Käfer, verbleibt aber häufig noch einige Zeit in der Erdkammer, bis die Witterungsbed