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Soayschaf

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Rassen > Sonstiges Geflügel & Nutztierrassen

Steckbrief

  • Herkunft: Insel Soay, St.-Kilda-Archipel, Schottland
  • Rassetyp: Primitives Kurzschwanzschaf (Nordeuropäische Kurzschwanzrasse)
  • Rassestandard: Rare Breeds Survival Trust (RBST), in Deutschland durch die Gesellschaft zur Erhaltung alter und gefährdeter Haustierrassen (GEH) betreut
  • Widerristhöhe: Böcke ca. 55–60 cm, Mutterschafe ca. 48–55 cm
  • Gewicht: Böcke 35–45 kg, Mutterschafe 20–30 kg
  • Lebenserwartung: 10–14 Jahre
  • Fell/Farben: Kurzes bis mittellanges Vlies; dunkelbraun, hellbraun, blond, gelegentlich schwarz; häufig mit heller Bauchzeichnung und hellen Gesichtsabzeichen

Herkunft & Geschichte

Das Soayschaf gilt als eine der ältesten noch existierenden Hausschafrassen Europas. Seine Abstammung reicht vermutlich bis in die Bronzezeit zurück, als frühe Siedler Schafe auf die abgelegenen Inseln des St.-Kilda-Archipels westlich der Äußeren Hebriden brachten. Auf der unbewohnten Insel Soay – der Name leitet sich vom altnordischen „Seyðoy" ab, was so viel wie „Schafinsel" bedeutet – überlebte eine verwilderte Population über Jahrtausende hinweg nahezu ohne menschlichen Einfluss.

Als 1930 die letzten menschlichen Bewohner von der Hauptinsel Hirta evakuiert wurden, setzte man 107 Soayschafe von der Nachbarinsel Soay auf Hirta um, wo sie sich frei vermehrten. Diese Population wird seither von Biologen intensiv erforscht und zählt zu den am besten dokumentierten Wildtierpopulationen weltweit. Ab den 1960er-Jahren gelangten erste Tiere auf das schottische Festland und später nach Kontinentaleuropa. In Deutschland werden Soayschafe seit den 1980er-Jahren gehalten. Die GEH führt sie auf der Roten Liste der bedrohten Nutztierrassen, und verschiedene Zuchtverbände bemühen sich um den Erhalt eines genetisch breiten Bestands.

Aussehen & Rassemerkmale

Das Soayschaf ist ein auffallend zierliches, leichtfüßiges Schaf mit einem primitiven Erscheinungsbild, das an seinen wilden Vorfahren, den Europäischen Mufflon, erinnert. Der Körperbau ist schlank und muskulös, die Beine sind fein, aber kräftig. Der kurze, nach unten hängende Schwanz – ein typisches Merkmal der nordeuropäischen Kurzschwanzrassen – wird nicht kupiert.

Böcke tragen imposante, sichelförmig geschwungene Hörner, die stark nach hinten gebogen sind. Mutterschafe sind entweder hornlos oder tragen kurze, nach außen gerichtete Stummel. Die Fellfarbe variiert zwischen dunklem Schokoladenbraun und hellem Sandton. Charakteristisch ist die sogenannte Wildzeichnung: ein heller Bauch, eine helle Innenseite der Beine und helle Flecken um die Augen. Das Vlies besteht aus einer feinen Unterwolle und gröberem Deckhaar. Im Frühjahr werfen Soayschafe ihre Wolle in einem natürlichen Haarwechsel ab – eine Eigenschaft, die sie von den meisten modernen Schafrassen unterscheidet und die Schur überflüssig macht.

Charakter & Wesen

Soayschafe sind ausgesprochen lebhaft, wachsam und eigenständig. Ihr Verhalten ähnelt dem von Wildschafen deutlich mehr als dem domestizierter Hochleistungsrassen. Sie sind flink, sprunggewaltig und reagieren auf unbekannte Reize mit ausgeprägtem Fluchtverhalten. Die Tiere sind von Natur aus scheu, entwickeln bei regelmäßigem, ruhigem Kontakt jedoch ein gewisses Vertrauen zu ihren Haltern. Von einer Handzahmheit, wie man sie etwa von Kamerunschafen kennt, sollte man allerdings nicht ausgehen.

Innerhalb der Herde zeigen Soayschafe ein differenziertes Sozialverhalten. Die Rangordnung ist klar strukturiert, Böcke können während der Brunft sehr rauflustig werden. Die Mutterschafe sind aufmerksame und fürsorgliche Mütter. Der ausgeprägte Herdentrieb sorgt dafür, dass sich die Gruppe beim geringsten Anzeichen von Gefahr schnell zusammenfindet – ein Verhalten, das die Schafe in der Landschaftspflege besonders gut handhabbar macht, sofern geeignete Treibwege vorhanden sind.

Haltung & Pflege

Soayschafe sind außerordentlich robust und genügsam. Sie eignen sich hervorragend für die ganzjährige Freilandhaltung und werden zunehmend in der naturnahen Landschaftspflege eingesetzt, etwa auf Magerrasen, Heideflächen, Streuobstwiesen und in Naturschutzgebieten. Ihr geringes Gewicht schont empfindliche Böden, und ihr selektives Fressverhalten fördert die pflanzliche Artenvielfalt.

Der Auslauf sollte großzügig bemessen und gut eingezäunt sein – Soayschafe sind ausgezeichnete Springer, weshalb eine Zaunhöhe von mindestens 1,20 Metern, besser 1,40 Metern, empfehlenswert ist. Ein einfacher Unterstand als Witterungsschutz genügt; ein vollständiger Stallbau ist bei der Wetterhärte dieser Rasse nicht zwingend erforderlich, aber für Lammungen und tierärztliche Versorgung sinnvoll.

Die Fellpflege entfällt weitgehend, da die Wolle im Frühjahr eigenständig abgeworfen wird. Lose Wollreste können von Hand abgezupft werden, um Hautirritationen zu vermeiden. Die Klauenpflege ist wie bei allen Schafrassen regelmäßig durchzuführen – in der Regel zweimal jährlich, auf weichem Untergrund häufiger.

Ernährung

Als ursprüngliche Extensivrasse benötigen Soayschafe deutlich weniger Futter als moderne Wirtschaftsschafe. Im Sommer reicht eine gut bewirtschaftete Weide in der Regel vollkommen aus. Im Winter wird mit Heu zugefüttert; energiereiches Kraftfutter ist bei normaler Haltung überflüssig und kann sogar zu Verfettung und Stoffwechselproblemen führen. Eine Mineralstoffversorgung über einen frei zugänglichen Salzleckstein ist ganzjährig sicherzustellen. Frisches Wasser