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Spinnentiere

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Biologie & Ökologie > Systematik & Taxonomie

Definition und Überblick

Spinnentiere (Arachnida) bilden eine artenreiche Klasse innerhalb des Stammes der Gliederfüßer (Arthropoda) und gehören zum Unterstamm der Kieferklauenträger (Chelicerata). Weltweit sind über 100.000 Arten beschrieben, wobei Experten von einer deutlich höheren tatsächlichen Artenzahl ausgehen. Zu den Spinnentieren zählen nicht nur die allgemein bekannten Webspinnen, sondern auch Skorpione, Milben, Zecken, Weberknechte, Pseudoskorpione und Walzenspinnen. Die Klasse besiedelt nahezu alle terrestrischen Lebensräume – von tropischen Regenwäldern über Wüsten bis hin zu Hochgebirgsregionen und arktischen Zonen.

Körperbau und Anatomie

Ein grundlegendes Merkmal aller Spinnentiere ist die Gliederung des Körpers in zwei Hauptabschnitte: das Prosoma (Vorderkörper) und das Opisthosoma (Hinterkörper). Das Prosoma entsteht durch die Verschmelzung von Kopf- und Brustsegmenten und trägt sämtliche Extremitäten. Das Opisthosoma enthält die inneren Organe, darunter Verdauungsdrüsen, Fortpflanzungsorgane und bei vielen Arten die Spinndrüsen oder Giftdrüsen.

Spinnentiere besitzen vier Laufbeinpaare – ein zentrales Unterscheidungsmerkmal gegenüber den Insekten, die nur drei Beinpaare aufweisen. Zusätzlich tragen sie zwei weitere Extremitätenpaare am Prosoma:

  • Cheliceren (Kieferklauen): Das erste Extremitätenpaar dient je nach Ordnung dem Beutefang, der Nahrungszerkleinerung oder der Giftinjektion.
  • Pedipalpen (Kiefertaster): Das zweite Extremitätenpaar erfüllt vielfältige Funktionen – bei Skorpionen sind sie zu kräftigen Scheren umgebildet, bei männlichen Webspinnen dienen sie als Begattungsorgane.

Antennen oder Flügel fehlen den Spinnentieren vollständig. Die Atmung erfolgt je nach Ordnung über Buchlungen (Fächerlungen), Tracheen oder eine Kombination beider Systeme. Viele Arten verfügen über mehrere Einzelaugen (Ocellen), jedoch nicht über die für Insekten typischen Facettenaugen.

Systematik und Ordnungen

Die Klasse Arachnida gliedert sich in mehrere Ordnungen, von denen die artenreichsten hier aufgeführt sind:

  • Webspinnen (Araneae): Mit rund 50.000 beschriebenen Arten die bekannteste Ordnung. Sie produzieren Spinnenseide und nutzen diese zum Netzbau, als Fanginstrument oder zur Fortbewegung.
  • Milben und Zecken (Acari): Die artenreichste Ordnung mit über 50.000 bekannten Arten. Sie umfasst freilebende Formen ebenso wie Parasiten von Tieren und Pflanzen.
  • Skorpione (Scorpiones): Etwa 2.700 Arten, erkennbar am segmentierten Schwanz mit Giftstachel und den scherenförmigen Pedipalpen. Skorpione gelten als eine der ältesten Landtiergruppen.
  • Weberknechte (Opiliones): Rund 6.600 Arten mit charakteristisch langen, dünnen Beinen. Anders als Webspinnen besitzen sie keine Spinndrüsen und keine Giftdrüsen.
  • Pseudoskorpione (Pseudoscorpiones): Kleine, nur wenige Millimeter große Tiere mit scherenförmigen Pedipalpen, aber ohne Schwanzstachel.
  • Walzenspinnen (Solifugae): Etwa 1.100 Arten, vorwiegend in Trockengebieten verbreitet, mit auffallend großen Cheliceren.

Ernährung und Jagdverhalten

Die überwiegende Mehrheit der Spinnentiere ernährt sich räuberisch. Webspinnen nutzen unterschiedliche Jagdstrategien: Radnetzspinnen bauen geometrisch präzise Fangnetze, Lauerjäger wie die Krabbenspinnen warten regungslos auf Blüten, und Springspinnen verfolgen ihre Beute aktiv mit hervorragendem Sehvermögen. Viele Arten injizieren ihren Beutetieren Verdauungsenzyme und saugen die vorverdaute Nahrung anschließend auf – ein Vorgang, der als extraintestinale Verdauung bezeichnet wird.

Skorpione ergreifen ihre Beute mit den Pedipalpen und setzen den Giftstachel bei größerem Widerstand ein. Milben und Zecken weichen vom räuberischen Grundmuster ab: Viele Milbenarten ernähren sich von Pflanzengewebe, organischem Detritus oder als Ektoparasiten vom Blut ihrer Wirte. Zecken sind obligate Blutsauger und können dabei Krankheitserreger wie Borrelien oder FSME-Viren übertragen.

Fortpflanzung und Entwicklung

Die Fortpflanzung der Spinnentiere zeigt eine große Vielfalt an Strategien. Bei vielen Arten erfolgt die Spermienübertragung indirekt: Männliche Skorpione setzen Spermatophoren (Samenpakete) auf dem Boden ab und führen das Weibchen in einem ritualisierten Paarungstanz darüber. Männliche Webspinnen füllen ihre Pedipalpen mit Sperma und übertragen es direkt in die Geschlechtsöffnung des Weibchens. Bei zahlreichen Spinnenarten besteht für das kleinere Männchen dabei die Gefahr, vom Weibchen erbeutet zu werden – ein Phänomen, das als sexueller Kannibalismus bekannt ist.

Die Entwicklung verläuft bei den meisten Spinnentieren über mehrere Häutungsstadien (Nymphenstadien), da das starre Außenskelett aus Chitin kein kontinuierliches Wachstum erlaubt. Eine echte Metamorphose wie bei holometabolen Insekten findet nicht statt.

Ökologische Bedeutung

Spinnentiere nehmen in terrestrischen Ökosystemen eine zentrale Rolle ein. Als Prädatoren regulieren insbesondere Webspinnen die Populationen von Insekten und anderen Gliederfüßern erheblich. Schätzungen zufolge vertilgen