T Tierlexikon.net
← Lexikon

Staupe

S

Tiermedizin & Gesundheit > Krankheiten – Infektionskrankheiten

Definition & Überblick

Die Staupe (Canine Distemper) ist eine hochansteckende, systemische Viruserkrankung, die vor allem Hunde betrifft, aber auch andere Karnivoren wie Frettchen, Füchse, Wölfe, Waschbären und Marder befallen kann. Verursacht wird sie durch das Canine Distemper Virus (CDV), ein behülltes RNA-Virus aus der Familie der Paramyxoviridae, das eng mit dem Masernvirus des Menschen verwandt ist.

Staupe gilt als eine der gefährlichsten Infektionskrankheiten des Hundes. Vor der Einführung wirksamer Impfstoffe in den 1960er-Jahren war sie weltweit die häufigste infektiöse Todesursache bei Hunden. Obwohl die Impfung die Fallzahlen in Mitteleuropa drastisch gesenkt hat, treten immer wieder Ausbrüche auf – insbesondere in Regionen mit niedrigen Durchimpfungsraten und dort, wo ein Erregerreservoir in der Wildtierpopulation besteht. Die Erkrankung verläuft häufig schwer und endet vor allem bei Welpen und immungeschwächten Tieren nicht selten tödlich.

Ursachen & Risikofaktoren

Das Canine Distemper Virus wird hauptsächlich durch Tröpfcheninfektion übertragen: beim direkten Kontakt zwischen Tieren über Nasen- und Augensekrete, Speichel, Urin und Kot. Auch eine indirekte Übertragung über kontaminierte Gegenstände ist möglich, wenngleich das Virus in der Umwelt relativ instabil ist und durch Hitze, Austrocknung und gängige Desinfektionsmittel rasch inaktiviert wird.

Nach der Aufnahme über die Schleimhäute der oberen Atemwege vermehrt sich das Virus zunächst in den regionalen Lymphknoten und breitet sich dann über eine Virämie (Virusausbreitung im Blut) auf zahlreiche Organsysteme aus – darunter Atemwege, Magen-Darm-Trakt, Haut und das zentrale Nervensystem.

Zu den wichtigsten Risikofaktoren zählen:

  • Fehlende oder unvollständige Grundimmunisierung – der mit Abstand bedeutendste Risikofaktor
  • Junges Alter – Welpen zwischen drei und sechs Monaten sind besonders gefährdet, da der maternale Antikörperschutz nachlässt
  • Immunsuppression durch Begleiterkrankungen, Stress oder Parasitenbefall
  • Kontakt mit Wildtieren oder streunenden Hunden, die als Erregerreservoir dienen
  • Haltung in Tierheimen oder Zuchtanlagen mit hoher Tierdichte

Symptome & Erkennung

Die Staupe ist eine Multisystemerkrankung. Nach einer Inkubationszeit von etwa drei bis sieben Tagen zeigt sich zunächst ein oft unspezifisches Krankheitsbild mit Fieber, Mattigkeit und Appetitlosigkeit. Anschließend kann sich die Erkrankung in verschiedenen Verlaufsformen manifestieren, die einzeln oder kombiniert auftreten:

  • Respiratorische Form: Seröser bis eitriger Nasenausfluss, Husten, Niesen, Atemnot, Lungenentzündung (Bronchopneumonie). Bakterielle Sekundärinfektionen verschlimmern das Bild häufig.
  • Gastrointestinale Form: Erbrechen, wässriger bis blutiger Durchfall, Dehydratation und rasche Abmagerung.
  • Nervöse Form: Muskelzuckungen (Myoklonien), epileptiforme Anfälle, Koordinationsstörungen (Ataxie), Lähmungen, Verhaltensänderungen und Sehstörungen. Diese neurologischen Symptome können zeitgleich mit den übrigen Formen oder erst Wochen nach scheinbarer Genesung auftreten – ein Phänomen, das als Spätstaupe oder Old Dog Encephalitis bekannt ist.
  • Kutane Form: Verhärtung der Ballen- und Nasenhaut, die sogenannte Hard Pad Disease, sowie pustulöser Hautausschlag vor allem am Bauch.

Der charakteristische biphasische Fieberverlauf – ein erster Fieberanstieg, gefolgt von einer kurzen Normalisierung und einem zweiten, oft höheren Fieberschub – ist ein wichtiger klinischer Hinweis.

Diagnose

Die klinische Verdachtsdiagnose ergibt sich aus der Kombination typischer Symptome, dem Impfstatus und der Krankheitsgeschichte. Zur Bestätigung stehen verschiedene labordiagnostische Verfahren zur Verfügung:

  • RT-PCR (Reverse-Transkriptase-Polymerase-Kettenreaktion): Der Goldstandard der Staupendiagnostik. Virale RNA wird aus Abstrichen (Konjunktiva, Nase, Rachen), Blut, Urin oder Liquor cerebrospinalis nachgewiesen. Die Methode ist hochsensitiv und hochspezifisch.
  • Direkter Immunfluoreszenztest (IFT): Nachweis viraler Antigene in Abstrichen oder Gewebeproben, insbesondere aus Konjunktivalzellen oder Lymphozyten.
  • Serologie: Bestimmung von IgM- und IgG-Antikörpern im Blut. Die Interpretation ist bei geimpften Tieren erschwert, da impfinduzierte Antikörper von infektionsbedingten nicht zuverlässig unterschieden werden können.
  • Hämatologie und Blutchemie: Lymphopenie und Thrombozytopenie sind häufige, aber unspezifische Befunde. Sie dienen der Einschätzung des Allgemeinzustandes.

Bei neurologischer Symptomatik kann eine Liquoruntersuchung erhöhte Proteinwerte und eine Pleozytose zeigen. In der Magnetresonanztomografie (MRT) lassen sich demyelinisierende Läsionen im Gehirn darstellen.

Behandlung & Therapie

Eine spezifische antivirale Therapie gegen das Canine Distemper Virus existiert bislang nicht. Die Behandlung ist daher ausschließlich symptomatisch und unterstützend:

  • Infusionstherapie: