Tagpfauenauge
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Steckbrief
- Wissenschaftlicher Name: Aglais io (Syn.: Inachis io)
- Ordnung: Schmetterlinge (Lepidoptera)
- Familie: Edelfalter (Nymphalidae)
- Unterfamilie: Fleckenfalter (Nymphalinae)
- Gattung: Aglais
- Flügelspannweite: 50–55 mm
- Gewicht: ca. 0,2–0,4 g
- Lebenserwartung: etwa 11–12 Monate (einschließlich Überwinterung als Imago)
- Lebensraum: Waldränder, Gärten, Parks, Streuobstwiesen, Ruderalflächen
- Verbreitung: Europa und gemäßigtes Asien bis nach Japan
Aussehen & Merkmale
Das Tagpfauenauge gehört zu den auffälligsten und bekanntesten Tagfaltern Mitteleuropas. Die Flügeloberseiten zeigen eine intensive rotbraune Grundfärbung, die von einem markanten Augenfleck auf jedem der vier Flügel dominiert wird. Diese Augenflecken – namensgebend für die Art – bestehen aus konzentrischen Ringen in Blau, Gelb und Schwarz und erinnern an die Federzeichnung eines Pfaus. Die Vorderflügel tragen zusätzlich dunkle Flecken und einen hellen Vorderrand.
Die Flügelunterseiten stehen in starkem Kontrast zur Oberseite: Sie sind nahezu einheitlich dunkelbraun bis schwarz gefärbt und weisen eine feine, rindenartige Struktur auf. Bei zusammengeklappten Flügeln wirkt der Falter dadurch wie ein verwelktes Blatt oder ein Stück Baumrinde – eine wirkungsvolle Tarnung. Der Körper ist dunkelbraun behaart, die Fühler (Antennen) sind keulenförmig, wie bei allen Tagfaltern üblich. Männchen und Weibchen unterscheiden sich äußerlich kaum; Weibchen sind im Durchschnitt geringfügig größer.
Lebensraum & Verbreitung
Das Verbreitungsgebiet des Tagpfauenauges erstreckt sich über die gesamte gemäßigte Zone der Paläarktis – von Westeuropa über Mittel- und Osteuropa bis nach Zentralasien und Japan. In Skandinavien reicht das Vorkommen bis etwa zum 65. Breitengrad, auf den Britischen Inseln ist die Art ebenfalls heimisch. Im Mittelmeerraum ist sie dagegen stellenweise seltener und fehlt auf einigen Inseln.
Als Habitat bevorzugt das Tagpfauenauge halboffene bis offene Landschaften mit reichem Blütenangebot. Typische Biotope sind Waldlichtungen, Waldränder, Heckenlandschaften, naturnahe Gärten, Streuobstwiesen und Ruderalflächen. Entscheidend für das Vorkommen ist die Verfügbarkeit der Großen Brennnessel (Urtica dioica) als Raupennahrungspflanze sowie geeigneter Überwinterungsquartiere. Die Art besiedelt Höhenlagen von der Ebene bis in Gebirgsregionen um 2.500 Meter.
Ernährung
Die Imagines (erwachsene Falter) ernähren sich vom Nektar verschiedener Blütenpflanzen. Im Frühjahr werden bevorzugt Weidenkätzchen, Huflattich und Löwenzahn aufgesucht. Im Sommer und Herbst dienen Disteln, Wasserdost, Sommerflieder (Buddleja) und Kratzdisteln als wichtige Nektarquellen. Gelegentlich saugen die Falter auch an überreifem Obst, feuchter Erde oder Baumsäften, um Mineralstoffe und Zucker aufzunehmen.
Die Raupen ernähren sich hingegen fast ausschließlich von den Blättern der Großen Brennnessel. Seltener werden auch Hopfen (Humulus lupulus) oder die Kleine Brennnessel (Urtica urens) als Futterpflanzen genutzt. In den ersten Larvenstadien fressen die Raupen gesellig in dichten Gespinstnestern an den Triebspitzen der Brennnesseln.
Verhalten & Lebensweise
Das Tagpfauenauge ist ein tagaktiver Falter, dessen Aktivitätsphase stark von Temperatur und Sonneneinstrahlung abhängt. An sonnigen Tagen lässt sich das Tier häufig beim Sonnenbaden auf warmen Steinen, Wegen oder Baumstämmen beobachten, wobei es die Flügel flach ausbreitet, um den Körper aufzuheizen.
Bei Bedrohung setzt das Tagpfauenauge eine charakteristische Abwehrstrategie ein: Es klappt die Flügel ruckartig auf und gibt dabei ein zischendes Geräusch von sich, das durch das Reiben der Flügel entsteht. Die plötzlich sichtbar werdenden Augenflecken imitieren die Augen eines großen Tieres und können Fressfeinde wie Vögel kurzzeitig abschrecken. Bei geschlossenen Flügeln verlässt sich der Falter hingegen auf seine Kryptsis – die dunkle Unterseite macht ihn auf Rinde oder Laub nahezu unsichtbar.
Das Tagpfauenauge überwintert als erwachsener Falter (Imago). Ab September suchen die Tiere kühle, frostfreie und dunkle Quartiere auf – typischerweise Dachböden, Kellerräume, Baumhöhlen, Holzstapel oder Felsspalten. Dort verharren sie in einer Winterstarre (Dormanz) und können Temperaturen knapp unter dem Gefrierpunkt überstehen. An milden Wintertagen werden gelegentlich vorzeitig aktive Exemplare gesichtet, was allerdings den Energiehaushalt der Tiere stark belastet.
Fortpflanzung & Aufzucht
Nach der Überwinterung beginnt die Paarungszeit im April und Mai. Die Männchen zeigen ein ausgeprägtes Territorialverhalten und besetzen sonnige Plätze, von denen aus sie vorbeifliegende Weibchen abfangen. Eine ausgeprägte Balz im engeren Sinne findet nicht statt; die Partnerfindung erfolgt vorwiegend visuell.
Das Weibchen legt nach der Paarung bis zu 200 Eier in Gelegen von 50 bis 100 Stück an die Unterseite junger Brennnesselblätter. Die Eier sind grünlich und tonnenförmig. Nach etwa ein bis zwei Wochen schlüpfen die Raupen, die anfangs gesellig leben und ein geme