Tausendpunktkäfer
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Steckbrief
- Wissenschaftlicher Name: Mycetina cruciata (Schaller, 1783)
- Ordnung: Käfer (Coleoptera)
- Familie: Baumschwammkäfer (Endomychidae)
- Gattung: Mycetina
- Lebensraum: Laub- und Mischwälder mit hohem Totholzanteil
- Größe: 3,5–4,5 mm Körperlänge
- Gewicht: wenige Milligramm (nicht systematisch erfasst)
- Lebenserwartung: etwa 1–2 Jahre (Imaginalstadium einige Monate)
Aussehen & Merkmale
Der Tausendpunktkäfer ist ein kleiner, breit-oval gebauter Käfer mit einer auffälligen Färbung, die ihn trotz seiner geringen Körpergröße leicht kenntlich macht. Die Flügeldecken (Elytren) sind leuchtend orangerot bis ziegelrot gefärbt und tragen ein schwarzes, kreuzförmiges Zeichnungsmuster. Dieses Muster setzt sich aus einer Längs- und einer Querbinde zusammen, die sich etwa in der Mitte der Flügeldecken schneiden – ein Merkmal, das dem Tier seinen wissenschaftlichen Artnamen cruciata (lat. „gekreuzt") eingetragen hat. Der deutsche Trivialname „Tausendpunktkäfer" bezieht sich auf die fein punktierte Oberfläche der Elytren, die unter der Lupe eine dichte, gleichmäßige Punktierung erkennen lässt.
Kopf, Halsschild (Pronotum) und Beine sind schwarz. Das Pronotum ist quer-rechteckig mit leicht gerundeten Seitenrändern und weist ebenfalls eine feine Punktierung auf. Die Fühler sind elfgliedrig mit einer deutlich abgesetzten, dreigliedrigen Keule – ein typisches Merkmal der Familie Endomychidae. Die Augen sind relativ groß und seitlich am Kopf angeordnet. Die Tarsen folgen dem für Baumschwammkäfer charakteristischen Bauplan mit scheinbar dreigliedrigen Fußgliedern (kryptopentamer, da das vierte Glied stark reduziert ist).
Die Larven sind länglich, abgeflacht und weißlich bis gelblich gefärbt. Sie tragen kurze Borsten und sind an ein Leben zwischen Pilzhyphen angepasst.
Lebensraum & Verbreitung
Das Verbreitungsgebiet von Mycetina cruciata erstreckt sich über weite Teile der Paläarktis. In Europa kommt der Tausendpunktkäfer von der Iberischen Halbinsel bis nach Osteuropa vor, nördlich reicht sein Areal bis nach Südskandinavien, südlich bis in den Mittelmeerraum. Auch im Kaukasus und in Teilen Westasiens wurde die Art nachgewiesen.
Sein bevorzugtes Habitat sind feuchte Laub- und Mischwälder mit einem hohen Anteil an stehendem und liegendem Totholz. Die Art ist an das Vorkommen von Baumpilzen gebunden, insbesondere an Zunderschwamm (Fomes fomentarius), Birkenporling (Fomitopsis betulina) und andere Porlingsarten. Man findet den Käfer daher häufig in naturnahen Waldbeständen, Auwäldern und alten Parkanlagen – überall dort, wo Biotope mit ausreichendem Pilzbesatz auf Totholz existieren. In stark bewirtschafteten Forsten mit geringem Totholzanteil fehlt er hingegen weitgehend.
Ernährung
Der Tausendpunktkäfer ernährt sich mycetophag, also von Pilzen. Sowohl die adulten Käfer als auch die Larven fressen an den Fruchtkörpern und dem Myzel von holzbewohnenden Pilzen. Bevorzugt werden Porlinge (Polyporaceae) und andere Baumpilze, die auf totem oder absterbendem Laubholz wachsen. Die Käfer nehmen dabei das Pilzgewebe, insbesondere die Röhrenschicht der Porlinge, auf. Auch Schimmelpilze und andere saprophytische Pilzarten auf feuchtem Holz können als Nahrungsquelle dienen. Die enge Bindung an Pilze als Nahrungsgrundlage macht die Art zu einem Indikator für pilzreiche Totholzbestände.
Verhalten & Lebensweise
Mycetina cruciata ist überwiegend dämmerungs- und nachtaktiv. Tagsüber verbergen sich die Tiere unter der Rinde abgestorbener Bäume, in Spalten von Totholz oder direkt in den Fruchtkörpern von Porlingen. Dort sitzen sie oft in kleinen Aggregationen von mehreren Individuen, besonders während der kühleren Monate. Im Winter überwintert der Käfer als Imago, häufig in Gruppen unter lockerer Rinde oder in hohlen Baumstämmen.
Bei Störung ziehen die Tiere die Beine eng an den Körper und verharren reglos – ein typisches Totstellverhalten (Thanatose), das bei vielen kleinen Käferarten verbreitet ist. Die kontrastreiche Rot-Schwarz-Zeichnung der Flügeldecken könnte zudem als aposematische Färbung fungieren und potenzielle Fressfeinde abschrecken, wenngleich keine Giftstoffe bei dieser Art nachgewiesen sind. Möglicherweise handelt es sich um eine Mimikry, die giftige oder ungenießbare Arten nachahmt.
Fortpflanzung & Aufzucht
Die Fortpflanzung findet im Frühjahr und Frühsommer statt. Nach der Paarung legen die Weibchen ihre Eier in kleinen Gelegen direkt auf oder in die Fruchtkörper geeigneter Baumpilze ab. Die Larvenentwicklung vollzieht sich vollständig innerhalb des Pilzsubstrats, wo die Larven sich durch das Pilzgewebe fressen und mehrere Häutungsstadien durchlaufen. Die Verpuppung erfolgt ebenfalls im Pilz oder in unmittelbarer Nähe unter der Rinde. Die gesamte Entwicklung vom Ei bis zum adulten Käfer dauert je nach Temperatur und Nahrungsangebot einige Wochen bis wenige Monate. In Mitteleuropa schlüpft die neue Generation meist im Spätsommer bis Herbst und überwintert anschließend als Imago.
Bedrohung & Schutzstatus
Der Tausendpunktkäfer ist derzeit nicht in der Roten Liste der IUCN erfasst. In vielen Teilen Europas gilt die