Tintenfisch
TTierart – Wirbellose > Weichtiere – Kopffüßer
Steckbrief
- Wissenschaftlicher Name: Decabrachia (Zehnarmige Tintenfische) / Octobrachia (Achtarmige Tintenfische)
- Überordnung: Decapodiformes (Zehnarmige) und Octopodiformes (Achtarmige)
- Klasse: Cephalopoda (Kopffüßer)
- Stamm: Mollusca (Weichtiere)
- Lebensraum: Alle Weltmeere, von der Küstenzone bis zur Tiefsee
- Größe: Je nach Art von wenigen Zentimetern bis über 13 Meter (Riesenkalmar)
- Gewicht: Von wenigen Gramm bis ca. 500 kg (Kolossalkalmar)
- Lebenserwartung: Je nach Art 1–5 Jahre, selten länger
Aussehen & Merkmale
Der Begriff „Tintenfisch" wird im deutschen Sprachgebrauch als Sammelbezeichnung für verschiedene Gruppen der Kopffüßer (Cephalopoda) verwendet. Trotz des Namens handelt es sich nicht um Fische, sondern um Weichtiere – genauer gesagt um die am höchsten entwickelten Vertreter des Stammes Mollusca. Zu den Tintenfischen zählen im weiteren Sinne die Kalmare (Teuthida), die Sepien (Sepiida), die Kraken (Octopoda) und die Zwergtintenfische (Sepiolida).
Der Körperbau aller Tintenfische folgt einem gemeinsamen Grundplan: Ein muskulöser Mantel umschließt die inneren Organe, am Kopf sitzen große, leistungsfähige Linsenaugen sowie acht oder zehn Arme, die mit Saugnäpfen besetzt sind. Bei den Zehnarmigen – Kalmare und Sepien – kommen zu den acht kürzeren Armen zwei verlängerte Fangtentakel hinzu. Der Mund liegt zentral zwischen den Armansätzen und trägt einen kräftigen, papageienartigen Hornschnabel, mit dem selbst harte Schalen aufgebrochen werden können.
Ein reduziertes Innenskelett ist bei vielen Arten vorhanden: Bei Sepien bildet es den kalkigen Schulp, bei Kalmaren einen dünnen, federförmigen Gladius aus Chitin. Kraken haben dieses Stützelement nahezu vollständig verloren, was ihnen eine extreme Verformbarkeit verleiht – sie können sich durch Öffnungen zwängen, die kaum größer als ihr Augapfel sind.
Die Haut der Tintenfische enthält spezielle Pigmentzellen, sogenannte Chromatophoren, die durch Muskelkontraktion rasch expandiert oder kontrahiert werden können. Darunter liegen Iridophoren und Leucophoren, die Licht reflektieren. Diese mehrschichtige Struktur erlaubt Farbwechsel innerhalb von Sekundenbruchteilen – ein Merkmal, das sowohl der Tarnung als auch der Kommunikation dient.
Lebensraum & Verbreitung
Tintenfische besiedeln sämtliche Ozeane der Erde. Ihr Verbreitungsgebiet erstreckt sich von den tropischen Korallenriffen über die gemäßigten Küstengewässer bis in die polaren Meere. Einige Kalmararten leben pelagisch im offenen Ozean, andere bevorzugen den Meeresboden als Habitat. Sepien halten sich vorwiegend in Küstennähe über sandigem oder schlammigem Grund auf, wo sie sich häufig eingraben. Kraken bewohnen bevorzugt Felsspalten, Riffe und Höhlen im Benthal, also der Bodenzone. Bestimmte Arten wie der Riesenkalmar (Architeuthis dux) oder der Kolossalkalmar (Mesonychoteuthis hamiltoni) wurden aus Tiefen von über 1.000 Metern dokumentiert.
Das jeweilige Biotop bestimmt den Körperbau: Pelagisch lebende Kalmare besitzen einen stromlinienförmigen Mantel und seitliche Flossen, die zusammen mit dem Rückstoßantrieb durch den Trichter hohe Schwimmgeschwindigkeiten ermöglichen. Bodenlebende Kraken dagegen nutzen ihre flexiblen Arme zum Kriechen und Klettern über das Substrat.
Ernährung
Alle Tintenfische sind Raubtiere. Ihr Nahrungsspektrum umfasst Krebstiere, Fische, Muscheln, Schnecken und je nach Größe auch andere Kopffüßer. Kraken lauern ihrer Beute auf oder durchsuchen aktiv den Meeresboden nach Krabben und Garnelen. Sie nutzen ihren Hornschnabel und ein giftiges Speichelsekret, um die Beute zu lähmen und deren Panzer zu durchdringen. Kalmare jagen häufig in Gruppen und erbeuten dabei Schwarmfische wie Heringe oder Sardinen. Sepien schießen ihre beiden Fangtentakel in Bruchteilen einer Sekunde hervor, um Beute aus der Distanz zu greifen.
Verhalten & Lebensweise
Die meisten Tintenfischarten sind vorwiegend dämmerungs- oder nachtaktiv, wobei es artspezifisch erhebliche Unterschiede gibt. Kraken gelten als Einzelgänger, die ein kleines Revier rund um ihren Unterschlupf verteidigen. Kalmare hingegen leben häufig in Schwärmen und unternehmen saisonale Wanderungen entlang von Meeresströmungen.
Tintenfische verfügen über ein im Vergleich zu anderen Wirbellosen außergewöhnlich großes und komplex strukturiertes Gehirn. Kraken der Gattung Octopus zeigen in Laborexperimenten Lernfähigkeit, Werkzeuggebrauch und individuell unterschiedliche Problemlösungsstrategien. Sie öffnen Schraubverschlüsse, navigieren durch Labyrinthe und erkennen einzelne Menschen wieder.
Der namensgebende Tintenbeutel enthält ein dunkles Sekret – die sogenannte Sepia –, das bei Bedrohung durch den Trichter ausgestoßen wird. Die Tintenwolke dient als Ablenkung, während das Tier per Rückstoßantrieb flieht. Bei einigen Tiefseearten ist die Tinte biolumineszent, was potenzielle Angreifer in der Dunkelheit blendet.
Fortpflanzung & Aufzucht
Das Paarungsverhalten der Tintenfische ist je nach Gruppe unterschiedlich. Bei Sepien gehen der Kopulation aufwendige Balzrituale voraus: Die Männchen zeigen wechselnde Farbmuster und pulsierende Wellenmuster auf der Haut, um Weibchen anzulocken und Riv