Tropenwald
TBiologie & Ökologie > Lebensräume – Typen
Definition und Überblick
Als Tropenwald bezeichnet man die Gesamtheit der Waldformationen, die in der tropischen Klimazone zwischen dem nördlichen und dem südlichen Wendekreis (etwa 23,5° Nord und Süd) vorkommen. Tropenwälder bedecken rund 17 Millionen Quadratkilometer der Erdoberfläche und beherbergen schätzungsweise zwei Drittel aller landlebenden Tier- und Pflanzenarten. Sie zählen damit zu den artenreichsten und ökologisch bedeutsamsten Lebensräumen der Erde. Je nach Niederschlagsmenge, Saisonalität und Höhenlage lassen sich verschiedene Tropenwaldtypen unterscheiden – vom immergrünen tropischen Regenwald über den tropischen Trockenwald bis hin zum tropischen Nebelwald.
Typen tropischer Wälder
Die Vielfalt tropischer Waldökosysteme ist erheblich. Die wichtigsten Typen im Überblick:
- Tropischer Regenwald (immergrün): Dieser Waldtyp kommt in Gebieten mit ganzjährig hohen Niederschlägen (über 2.000 mm pro Jahr) und ohne ausgeprägte Trockenzeit vor. Klassische Verbreitungsgebiete sind das Amazonasbecken, das Kongobecken und Südostasien. Die Vegetation ist immergrün, das Kronendach dicht geschlossen, und die Artenvielfalt erreicht hier ihr Maximum.
- Tropischer Saisonwald (halbimmergrün und laubabwerfend): In Regionen mit einer oder zwei ausgeprägten Trockenzeiten werfen viele Baumarten während der regenarmen Monate ihr Laub ab. Dieser Monsunwald oder tropische Feuchtwald bildet einen Übergang zwischen Regenwald und Trockensavanne.
- Tropischer Trockenwald: Bei Jahresniederschlägen unter 1.000 mm und langen Dürreperioden entstehen lichte, laubabwerfende Trockenwälder. Sie finden sich etwa in Teilen Indiens, Madagaskars und Mittelamerikas.
- Tropischer Bergwald und Nebelwald: Ab etwa 1.000 bis 1.500 Metern Höhe geht der Tieflandregenwald in den Bergwald über. Oberhalb von 2.000 Metern dominieren häufig Nebelwälder (auch Wolkenwälder genannt), die durch ständige Wolkenbildung extrem hohe Luftfeuchtigkeit aufweisen und von Moosen, Farnen und Epiphyten geprägt sind.
- Mangrovenwald: An tropischen Küsten und in Flussmündungen bilden salztolerante Gehölze dichte Mangrovenwälder, die als Kinderstube für zahlreiche Fisch- und Krebstierarten dienen.
Struktur und Vegetation
Der tropische Regenwald als bekanntester Vertreter weist eine charakteristische vertikale Schichtung auf. Das obere Kronendach liegt in 30 bis 45 Metern Höhe, einzelne Überständer – sogenannte Emergenten – ragen bis über 60 Meter hinaus. Darunter folgen ein mittleres und ein unteres Kronendach, eine Strauchschicht sowie die Krautschicht am Waldboden. Da nur etwa ein bis zwei Prozent des Sonnenlichts den Boden erreichen, ist die Bodenvegetation vergleichsweise spärlich.
Typisch für tropische Wälder sind Epiphyten wie Orchideen, Bromelien und Farne, die auf Ästen und Stämmen anderer Bäume wachsen, ohne diese zu parasitieren. Lianen verbinden die Baumkronen miteinander und schaffen so Verbindungswege für kletternde Tierarten. Die Böden tropischer Regenwälder sind entgegen einer verbreiteten Annahme meist nährstoffarm. Der Großteil der Nährstoffe ist in der lebenden Biomasse gebunden und wird über einen schnellen Nährstoffkreislauf durch Zersetzung von Streu und Totholz ständig recycelt.
Tierwelt
Tropenwälder beherbergen eine überwältigende Vielfalt an Tierarten. Die vertikale Gliederung des Waldes schafft zahlreiche ökologische Nischen, die von unterschiedlichen Arten besetzt werden. Im Kronendach leben Primaten wie Brüllaffen, Gibbons und Orang-Utans, Greifvögel wie der Harpyie-Adler sowie unzählige Insekten- und Vogelarten. Die mittleren Baumschichten werden von Baumschlangen, Chamäleons, Fröschen und einer enormen Vielfalt an Wirbellosen bewohnt.
Am Waldboden finden sich Großsäuger wie der Flachlandgorilla, der Waldelefant, das Okapi und der Tapir. Tropische Gewässer innerhalb des Waldes bieten Lebensraum für Kaimane, Flussdelfine und Hunderte Süßwasserfischarten. Besonders die Insektenvielfalt ist enorm: Auf einem einzigen Baum im tropischen Regenwald wurden in Studien mehrere Hundert Käferarten nachgewiesen. Viele Tierarten sind hochspezialisiert und kommen endemisch nur in bestimmten Tropenwaldgebieten vor, was sie besonders anfällig für Lebensraumverlust macht.
Ökologische Bedeutung
Tropenwälder erfüllen zentrale Funktionen im globalen Ökosystem. Sie speichern große Mengen Kohlenstoff in ihrer Biomasse und im Boden – schätzungsweise 250 Milliarden Tonnen allein in der oberirdischen Vegetation. Damit wirken sie als bedeutende Kohlenstoffsenke und spielen eine Schlüsselrolle bei der Regulierung des Weltklimas. Durch Evapotranspiration beeinflussen tropische Wälder regionale und überregionale Niederschlagsmuster. Das Amazonasgebiet etwa erzeugt einen erheblichen Teil seiner eigenen Niederschläge durch die Verdunstung der Bäume.
Darüber hinaus schützen Tropenwälder vor Bodenerosion, regulieren den Wasserhaushalt ganzer Flusseinzugsgebiete und dienen als genetisches Reservoir für medizinisch und landwirtschaftlich nutzbare Organismen. Zahlreiche Arzneimittelwirkstoffe wurden aus Pflanzen und Tieren tropischer Wälder gewonnen.
Bedrohung und Schutz
Trotz ihrer Bedeutung gehören Tropenwälder zu den am stärksten bedrohten Lebensräumen weltweit. Die Hauptursachen für die Entwaldung sind die Umwandlung in landwirtschaftliche Flächen – insbesondere für Soja, Palmöl und Viehweiden –, industrieller Holzeinschlag, Bergbau und die