Tuatara
TTierart – weltweit > Reptilien & Amphibien – weltweit (weitere)
Steckbrief
- Wissenschaftlicher Name: Sphenodon punctatus
- Ordnung: Schnabelköpfe (Rhynchocephalia)
- Familie: Brückenechsen (Sphenodontidae)
- Gattung: Sphenodon
- Lebensraum: Küstennahe Inseln Neuseelands, Felsspalten, Erdbauten in Küstenwäldern
- Größe: 50–80 cm (Gesamtlänge inkl. Schwanz)
- Gewicht: 500–1.300 g, Männchen deutlich schwerer als Weibchen
- Lebenserwartung: Über 100 Jahre, gesicherte Nachweise von mindestens 60 Jahren in Gefangenschaft
Aussehen & Merkmale
Der Tuatara erinnert auf den ersten Blick an eine kräftige Eidechse, gehört jedoch einer völlig eigenständigen Reptilienordnung an. Der Körper ist gedrungen, der Kopf breit und keilförmig mit einem ausgeprägten Scheitelkamm. Über den gesamten Rücken und Nacken zieht sich ein stacheliger Hautkamm aus weichen Dornfortsätzen, der bei Männchen stärker ausgeprägt ist als bei Weibchen. Der Name „Tuatara" stammt aus der Sprache der Māori und bedeutet „Rückenstachel".
Die Haut ist mit feinen, granulären Schuppen bedeckt, die je nach Population oliv-grün, grau-braun oder fast schwarz gefärbt sein können. Helle Flecken und Sprenkel durchziehen das Schuppenkleid und sorgen für eine ausgezeichnete Tarnung auf dem Waldboden und zwischen Felsstrukturen. Das Gebiss unterscheidet sich grundlegend von dem aller anderen heute lebenden Reptilien: Die Zähne sind keine separaten Strukturen, sondern direkte Auswüchse des Kieferknochens – sie werden nicht ersetzt, wenn sie abgenutzt sind. Der Oberkiefer trägt zwei parallele Zahnreihen, zwischen die die einzelne Zahnreihe des Unterkiefers beim Kauen greift, was eine scherenähnliche Schneidewirkung erzeugt.
Ein weiteres anatomisches Merkmal ist das Parietalauge (Scheitelauge) auf der Schädeloberseite. Dieses dritte Auge besitzt eine rudimentäre Linse und Netzhaut und ist bei Jungtieren noch deutlich sichtbar, wird jedoch bei adulten Tieren von Schuppen überdeckt. Es spielt vermutlich eine Rolle bei der Regulierung des Tag-Nacht-Rhythmus und der Thermoregulation.
Lebensraum & Verbreitung
Das Verbreitungsgebiet des Tuatara beschränkt sich auf rund 35 kleine Inseln vor der Küste Neuseelands sowie ein eingezäuntes Schutzgebiet auf der Nordinsel nahe Wellington. Die natürlichen Habitate sind küstennahe Wälder und Buschlandschaften, wo die Tiere in Erdbauten und unter Felsüberhängen leben. Viele Populationen teilen sich ihre Bauten mit Sturmtauchern und anderen Seevögeln – eine Art Wohngemeinschaft, von der beide Seiten profitieren: Die Vögel graben die Höhlen, und der Tuatara nutzt die Wärme der Brutvögel sowie die von deren Kot angelockten Insekten.
Ursprünglich war die Gattung Sphenodon auf beiden Hauptinseln Neuseelands verbreitet. Mit der Besiedlung durch den Menschen und die Einführung von Ratten, Katzen, Mardern und anderen Prädatoren verschwand der Tuatara vom Festland fast vollständig. Die verbleibenden Inselpopulationen überlebten nur dort, wo keine eingeschleppten Säugetiere Fuß fassen konnten.
Ernährung
Der Tuatara ist ein opportunistischer Jäger mit einem breiten Nahrungsspektrum. Hauptbestandteil der Ernährung sind Wirbellose: Käfer, Heuschrecken, Spinnen, Schnecken und Regenwürmer. Gelegentlich werden auch kleine Eidechsen, Vogeleier und frisch geschlüpfte Küken der Seevögel erbeutet, mit denen der Tuatara seinen Bau teilt. Die Nahrungsaufnahme erfolgt durch schnelles Zuschnappen und das charakteristische Zerkleinern mithilfe des scherenartigen Kauapparates.
Der Stoffwechsel des Tuatara ist außerordentlich langsam. Er kann bei niedrigen Temperaturen aktiv bleiben und jagt bereits bei Werten um 5 °C – ein Bereich, in dem die meisten anderen Reptilien längst inaktiv wären. Entsprechend gering ist sein Nahrungsbedarf: Adulte Tiere kommen problemlos über Wochen ohne Nahrungsaufnahme aus.
Verhalten & Lebensweise
Tuataras sind überwiegend nachtaktiv, wobei Jungtiere häufiger tagsüber anzutreffen sind – vermutlich, um kannibalischen Übergriffen durch größere Artgenossen auszuweichen. Tagsüber sonnen sich die Tiere am Eingang ihrer Bauten und ziehen sich bei zu großer Hitze oder Kälte in die unterirdischen Gänge zurück.
Männchen sind territorial und verteidigen ihr Revier aggressiv gegen Rivalen. Dabei richten sie den Rückenkamm auf, reißen das Maul weit auf und geben heisere, krächzende Lautäußerungen von sich. Schwere Kämpfe mit Bissverletzungen kommen vor. Der Schwanz kann wie bei Eidechsen abgeworfen werden, regeneriert sich allerdings nur unvollständig.
Fortpflanzung & Aufzucht
Die Fortpflanzungsbiologie des Tuatara ist die langsamste aller Reptilien. Die Geschlechtsreife wird erst mit 10–20 Jahren erreicht. Weibchen paaren sich nur alle zwei bis fünf Jahre. Die Balz findet in den neuseeländischen Sommermonaten (Januar bis März) statt: Das Männchen umkreist das Weibchen mit aufgestelltem Kamm in einem langsamen, steifen Gang.
Tuataras besitzen kein Kopulationsorgan. Die Befruchtung erfolgt durch kloacalen Kontakt – das Männchen presst seine Kloake gegen die des Weibchens und überträgt so die Spermien. Das Weibchen legt etwa 8–15 weichschalige Eier in eine selbst gegrabene, sonnenbeschienene Erdmulde und überlässt sie dann sich selbst. Die Inkubationszeit ist mit 12–16 Monaten die längste aller Reptilien und hängt stark von der Bodentemperatur