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Wachtel

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Tierart – Vögel > Hühnervögel

Steckbrief

  • Wissenschaftlicher Name: Coturnix coturnix
  • Ordnung: Hühnervögel (Galliformes)
  • Familie: Fasanenartige (Phasianidae)
  • Gattung: Coturnix
  • Lebensraum: Offene Agrarlandschaften, Steppen, Wiesen und Getreidefelder
  • Größe: 16–20 cm Körperlänge
  • Gewicht: 70–155 g
  • Lebenserwartung: 3–5 Jahre in freier Wildbahn, bis 8 Jahre in Gefangenschaft

Aussehen & Merkmale

Die Wachtel ist der kleinste europäische Hühnervogel und wirkt auf den ersten Blick unscheinbar. Das Gefieder ist oberseits in verschiedenen Braun-, Beige- und Sandtönen gemustert und weist eine feine Strichelung sowie helle Schaftstreifen auf. Diese Tarnfärbung passt hervorragend zur Vegetation ihres Lebensraums und macht den Vogel am Boden nahezu unsichtbar. Die Unterseite ist heller, beim Männchen mit einem rostbraunen bis ockerfarbenen Brustbereich.

Geschlechtsunterschiede zeigen sich vor allem an der Kehle: Männchen tragen dort ein markantes dunkles Kehlband, das bogenförmig verläuft und von einem hellen Überaugenstreif begleitet wird. Weibchen und Jungvögel sind insgesamt blasser gefärbt und zeigen an der Kehle keine deutliche Zeichnung. Der Schnabel ist kurz und leicht gebogen, typisch für samenfressende Hühnervögel. Die Beine sind fleischfarben und relativ kräftig gebaut, was die bodenbewohnende Lebensweise widerspiegelt. Der Schwanz ist sehr kurz und im Feld kaum sichtbar – ein weiteres Unterscheidungsmerkmal gegenüber anderen Feldhühnern wie dem Rebhuhn.

Lebensraum & Verbreitung

Das Verbreitungsgebiet der Wachtel erstreckt sich über weite Teile Europas, Nordafrikas und Westasiens. In Mitteleuropa besiedelt sie als Sommervogel vor allem tiefgelegene Agrarlandschaften. Ihr bevorzugtes Habitat sind extensiv bewirtschaftete Getreidefelder, Klee- und Luzerneschläge, Brachen sowie offene Wiesenlandschaften mit ausreichend hoher Bodenvegetation. Trockene, warme Standorte werden gegenüber feuchten Gebieten bevorzugt.

Die Wachtel ist der einzige europäische Hühnervogel, der als Langstreckenzieher gilt. Europäische Populationen überwintern südlich der Sahara in der Sahelzone und in Ostafrika. Die Zugbewegungen finden nachts statt, wobei die Vögel dabei teilweise das Mittelmeer in einem Nonstop-Flug überqueren. In manchen Jahren kommt es zu sogenannten Invasionen, bei denen ungewöhnlich viele Wachteln in bestimmten Gebieten auftreten – vermutlich bedingt durch günstige Witterung und Nahrungsverfügbarkeit in den Brutgebieten.

Eng verwandt ist die Japanwachtel (Coturnix japonica), die in Ostasien verbreitet ist und als domestizierte Form weltweit in der Geflügelhaltung eine große Rolle spielt. Gelegentlich kommt es in Überlappungsgebieten zu Hybridisierung zwischen beiden Arten, was aus Naturschutzsicht problematisch sein kann.

Ernährung

Die Wachtel ernährt sich omnivor, wobei die Nahrungszusammensetzung jahreszeitlich variiert. Im Frühjahr und Sommer stehen Insekten und andere Wirbellose wie Käfer, Ameisen, kleine Schnecken und Spinnen im Vordergrund – sie liefern das notwendige Protein für Brut und Jungenaufzucht. Ab dem Spätsommer verschiebt sich das Nahrungsspektrum zugunsten pflanzlicher Kost: Samen von Wildkräutern, Getreidekörner, junge Triebe und Blattteile bilden dann die Hauptnahrung. Die Nahrungssuche erfolgt ausschließlich am Boden, wobei die Vögel pickend und scharrend durch die niedrige Vegetation streifen.

Verhalten & Lebensweise

Die Wachtel lebt überwiegend verborgen in dichter Bodenvegetation und wird weit häufiger gehört als gesehen. Der charakteristische Ruf des Männchens, lautmalerisch oft als „pick-werwick" oder „wet-my-lips" umschrieben, ist vor allem in den Abend- und Nachtstunden sowie in der Morgendämmerung zu hören und dient sowohl der Reviermarkierung als auch der Anlockung von Weibchen. Die Balzrufe können über mehrere hundert Meter weit tragen.

Der Vogel ist vorwiegend dämmerungs- und nachtaktiv, verbringt die Tageszeit meist reglos geduckt am Boden. Bei Störung verlässt sich die Wachtel zunächst auf ihre Tarnung und drückt sich flach auf den Untergrund. Erst bei unmittelbarer Gefahr fliegt sie mit schnellem, geradlinigem Flug niedrig über die Vegetation davon, um nach kurzer Strecke wieder einzufallen. Außerhalb der Brutzeit lebt die Wachtel einzelgängerisch. Während des Zuges können sich jedoch kleinere Trupps bilden.

Fortpflanzung & Aufzucht

Die Brutzeit in Mitteleuropa erstreckt sich von Mai bis Juli. Wachteln führen in der Regel eine successive Polygynie: Ein Männchen verpaart sich nacheinander mit mehreren Weibchen, beteiligt sich aber nicht an Brut oder Jungenaufzucht. Das Weibchen legt sein Nest in einer flachen Mulde am Boden an, die mit Grashalmen und Pflanzenteilen spärlich ausgekleidet wird. Bevorzugte Nistplätze liegen in dichter Vegetation, etwa in Getreidefeldern oder Kleeäckern.

Das Gelege umfasst in der Regel 7–14 Eier, die gelblich-braun gefärbt und dunkel gefleckt sind. Die Brutdauer beträgt 17–20 Tage. Die Küken sind Nestflüchter und verlassen das Nest unmittelbar nach dem Schlupf. Sie sind bereits mit einem dichten Dunenkleid versehen und können selbstständig Nahrung aufnehmen. Das Weibchen führt die Jungen und wärmt sie in den ersten Lebenstagen, die Jungvögel sind nach etwa 19 Tagen flugfähig und mit circa 7–8 Wochen vollständig selbstständig.

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