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Waldportier

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Steckbrief

  • Wissenschaftlicher Name: Hipparchia fagi
  • Ordnung: Schmetterlinge (Lepidoptera)
  • Familie: Edelfalter (Nymphalidae)
  • Unterfamilie: Augenfalter (Satyrinae)
  • Gattung: Hipparchia
  • Lebensraum: Lichte Wälder, Waldränder, verbuschte Trockenrasen, warme Hanglagen
  • Flügelspannweite: 54–72 mm
  • Gewicht: ca. 0,3–0,5 g
  • Lebenserwartung: etwa 10–12 Monate (gesamter Lebenszyklus); Falter leben ca. 4–6 Wochen

Aussehen & Merkmale

Der Waldportier ist einer der größten einheimischen Augenfalter und gehört damit zu den auffälligeren Vertretern der Unterfamilie Satyrinae. Die Flügeloberseite ist dunkelbraun bis schwarzbraun gefärbt und zeigt bei beiden Geschlechtern eine breite, weißlich-gelbe Binde auf den Vorderflügeln. Innerhalb dieser Binde befinden sich ein bis zwei dunkle Augenflecken mit weißem Kern, die als Abschreckungsmuster gegenüber Fressfeinden dienen. Die Hinterflügel tragen oberseits meist einen einzelnen, kleineren Augenfleck.

Die Flügelunterseite ist ein Meisterwerk der Tarnung: Sie zeigt ein fein marmoriertes Muster aus Grau-, Braun- und Weißtönen, das den ruhenden Falter auf Baumrinde oder Felsuntergrund nahezu unsichtbar macht. Der Körper ist dicht mit kurzen, bräunlichen Haaren bedeckt. Die Fühler sind keulenförmig verdickt, typisch für Tagfalter. Die Weibchen sind in der Regel etwas größer als die Männchen und besitzen eine breitere und heller ausgeprägte Flügelbinde.

Die Raupe des Waldportiers wird bis zu 30 mm lang, ist graubraun bis ockerfarben gestreift und trägt feine, kurze Härchen. Ihre unauffällige Färbung bietet guten Schutz am Boden zwischen trockenen Grashalmen. Die Puppe ist eine gedrungene Stürzpuppe von dunkelbrauner Farbe, die frei am Boden zwischen Pflanzenresten liegt.

Lebensraum & Verbreitung

Das Verbreitungsgebiet des Waldportiers erstreckt sich von Südwesteuropa über den Mittelmeerraum bis nach Kleinasien. In Mitteleuropa besiedelt die Art vor allem wärmebegünstigte Regionen. In Deutschland kommt der Waldportier nur noch an wenigen isolierten Standorten vor, etwa in Baden-Württemberg, Bayern, Thüringen und Sachsen-Anhalt. Die Populationen sind stark fragmentiert und vielerorts erloschen.

Das bevorzugte Habitat des Waldportiers sind lichte, wärmegetönte Laubwälder, insbesondere Eichen- und Buchenwälder mit lückigem Kronendach. Ebenso besiedelt er Waldränder, felsige Hanglagen, aufgelassene Steinbrüche und verbuschte Trockenrasen. Entscheidend ist das Vorhandensein von Baumstämmen als Ruheplätze, offenen Bodenstellen sowie einem Mosaik aus besonnten und schattigen Bereichen. Das Biotop muss zudem trockene, kurzrasige Flächen mit geeigneten Futtergräsern für die Raupen aufweisen.

Ernährung

Die adulten Falter saugen Nektar an verschiedenen Blütenpflanzen, wobei sie unter anderem Disteln, Flockenblumen, Dost und Thymian aufsuchen. Daneben wurde beobachtet, dass Waldportiere an überreifem Obst, Baumsäften und feuchten Bodenstellen saugen, um Mineralstoffe aufzunehmen. Diese Verhaltensweise wird als „Puddling" bezeichnet und dient der Ergänzung des Mineralstoffhaushalts.

Die Raupen ernähren sich ausschließlich von Süßgräsern (Poaceae). Zu den nachgewiesenen Futterpflanzen zählen verschiedene Schwingel-Arten (Festuca), Aufrechte Trespe (Bromus erectus) und Fieder-Zwenke (Brachypodium pinnatum). Die Raupen fressen vorwiegend in der Dämmerung und nachts, tagsüber verbergen sie sich am Boden zwischen Grashorsten.

Verhalten & Lebensweise

Der Waldportier ist ein tagaktiver Schmetterling mit einer Flugzeit von Ende Juni bis Anfang September, wobei der Höhepunkt im Juli und August liegt. Die Art bildet nur eine Generation pro Jahr (univoltin). Charakteristisch ist der gemächliche, oft gleitende Flug knapp über dem Boden oder in niedriger Höhe entlang von Waldrändern und Baumstämmen.

In Ruhephasen klappt der Waldportier seine Flügel zusammen und presst sich mit der tarnfarbenen Unterseite flach an Baumstämme, Felsen oder den Erdboden. Dabei legt er die Vorderflügel so zwischen die Hinterflügel, dass die auffälligen Augenflecken verdeckt sind – eine effektive Strategie gegen optisch jagende Fressfeinde wie Vögel. Bei Störung fliegt er abrupt auf, zeigt kurz die kontrastreiche Oberseite und lässt sich rasch wieder nieder, um erneut zu „verschwinden".

Männchen zeigen ein ausgeprägtes Territorialverhalten. Sie besetzen exponierte Ruheplätze an Baumstämmen und verteidigen diese gegenüber Artgenossen in kurzen Verfolgungsflügen.

Fortpflanzung & Aufzucht

Die Balz des Waldportiers findet im Hochsommer statt. Männchen patrouillieren dabei an geeigneten Stellen und nähern sich Weibchen im Flug. Die Paarung erfolgt nach einer kurzen Umwerbung, bei der Duftstoffe (Pheromone) aus speziellen Duftschuppen auf den Flügeln der Männchen eine Rolle spielen.

Die Weibchen legen ihre Eier einzeln an trockenen Grashalmen oder lassen sie im Flug über geeigneten Grasflächen fallen. Die Eier sind rundlich, anfangs weißlich und dunkeln später nach. Die Raupe schlüpft nach etwa zwei bis drei Wochen und überwintert im ersten oder zweiten Larvenstadium am Boden. Im Frühjahr nimmt sie die Nahrungsaufnahme wieder auf und durchläuft