Warzenente
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Steckbrief
- Herkunft: Mittel- und Südamerika (Domestikation der Moschusente, Cairina moschata)
- Rassestandard: Anerkannt durch den Bund Deutscher Rassegeflügelzüchter (BDRG) sowie den Europäischen Verband für Geflügel-, Tauben-, Vogel-, Kaninchen- und Caviazucht (EE)
- Gewicht: Erpel 4,0–5,0 kg, Enten 2,5–3,5 kg
- Körperlänge: Erpel ca. 80–90 cm, Enten ca. 60–70 cm
- Lebenserwartung: 8–12 Jahre, bei guter Haltung bis 15 Jahre
- Gefieder/Farben: Schwarz, Weiß, Blau, Braun, Schokoladenbraun, Gescheckt (Wildfarbig-Schwarz mit weißen Abzeichen), sowie diverse weitere anerkannte Farbenschläge
Herkunft & Geschichte
Die Warzenente ist die domestizierte Form der südamerikanischen Moschusente (Cairina moschata). Ihre Wildform besiedelt ein großes Verbreitungsgebiet von Mexiko bis Argentinien, wo sie in tropischen und subtropischen Feuchtgebieten, an Waldrändern und entlang von Flussläufen lebt. Bereits die indigenen Völker Mittel- und Südamerikas hielten Moschusenten als Nutztiere. Die gezielte Domestikation begann vermutlich vor über 2.000 Jahren im Gebiet des heutigen Peru und Kolumbien.
Spanische und portugiesische Seefahrer brachten die Warzenente im 16. Jahrhundert nach Europa, wo sie sich rasch als robuste Wirtschaftsente etablierte. Der Name „Warzenente" leitet sich von den auffälligen fleischigen Hautwucherungen – den sogenannten Karunkeln – ab, die vor allem bei den Erpeln rund um die Augen und den Schnabelansatz ausgeprägt sind. Im englischen Sprachraum wird sie als „Muscovy Duck" bezeichnet, ein Name, dessen Ursprung umstritten ist, aber möglicherweise auf die Muscovy Company zurückgeht, die im 16. Jahrhundert Handel mit Russland betrieb.
In Deutschland wird die Warzenente seit dem 18. Jahrhundert gezüchtet. Der Bund Deutscher Rassegeflügelzüchter (BDRG) führt sie im Rassestandard für Enten. Die Abstammung von einer anderen Wildform als die üblichen Hausenten (die von der Stockente abstammen) macht die Warzenente genetisch einzigartig unter den Hausentenrassen. Kreuzungen zwischen Warzenenten und Hausenten ergeben die sogenannten Mulardenten, die selbst unfruchtbar sind.
Aussehen & Rassemerkmale
Die Warzenente ist eine kräftige, breitbrüstige Ente mit langem Körper und waagerechter Haltung. Im Vergleich zu den von der Stockente abstammenden Hausentenrassen fällt sofort die markante Kopfzeichnung auf: rote bis dunkelrote, warzige Karunkeln, die das Gesicht und den Schnabelansatz umgeben. Beim Erpel sind diese Hautwarzen deutlich stärker ausgeprägt als bei der Ente. Der Kopf trägt eine aufrichtbare Federhaube, die besonders bei Erregung oder Balz aufgestellt wird.
Der Schnabel ist mittellang, leicht gebogen und zeigt je nach Farbenschlag rosa, schwarze oder gefleckte Pigmentierung. Die Augen sind lebhaft und von gelblicher bis bräunlicher Farbe. Die Beine stehen relativ weit auseinander und sind kräftig, die Schwimmhäute gut entwickelt. Die Krallen sind deutlich stärker und schärfer als bei anderen Hausentenrassen – ein Relikt der baumbewohnenden Lebensweise der Wildform, die auf Ästen und in Baumhöhlen nistet.
Ein ausgeprägter Geschlechtsdimorphismus ist typisch: Erpel erreichen fast das doppelte Körpergewicht der Enten. Das Gefieder ist dicht und zeigt je nach Farbenschlag einen metallischen Glanz, besonders bei den schwarzen und blauschwarzen Varianten. Anerkannte Farbenschläge im deutschen Rassestandard umfassen unter anderem Wildfarbig, Schwarz, Weiß, Blau, Braun und Gescheckt.
Charakter & Wesen
Die Warzenente unterscheidet sich im Verhalten deutlich von anderen Hausentenrassen. Sie ist ausgesprochen ruhig – statt zu quaken, gibt sie leise, zischende und schnurrende Laute von sich. Erpel kommunizieren mit einem tiefen, heiseren Fauchen. Diese Eigenschaft macht sie besonders beliebt in Wohngebieten, wo lautes Entengeschnatter unerwünscht ist.
Im Wesen zeigt sich die Warzenente neugierig, wachsam und durchaus zutraulich, wenn sie von Anfang an an den Menschen gewöhnt wird. Sie ist weniger hektisch als Stockenten-Abkömmlinge und strahlt eine gewisse Gelassenheit aus. Erpel können während der Brutzeit territorial werden und ihr Revier energisch verteidigen. Untereinander bilden Warzenenten stabile soziale Hierarchien. Die Enten sind hervorragende Bruthennen mit ausgeprägtem Nestbau- und Brutinstinkt. Eine Ente bebrütet ihre Gelege von 8 bis 16 Eiern zuverlässig über die Brutdauer von 33 bis 35 Tagen – deutlich länger als die 28 Tage der Stockenten-Nachfahren.
Bemerkenswert ist die Flugfähigkeit der Warzenente: Besonders leichtere Enten und Jungtiere können erstaunlich gut fliegen. Wer sie in offener Haltung pflegt, muss die Schwungfedern stutzen oder die Haltung entsprechend absichern.
Haltung & Pflege
Die Warzenente stellt moderate Ansprüche an ihre Haltung, benötigt aber ausreichend Platz und eine artgerechte Umgebung. Als Grundregel gilt eine Mindestfläche von 10 Quadratmetern Auslauf pro Tier. Eine Badegelegenheit ist unerlässlich – ein flacher Teich, ein Planschbecken oder ein Wassergraben reichen aus, solange das Wasser regelmäßig erneuert wird. Anders als viele Entenrassen badet die Warzenente zwar gerne, ist aber nicht so wasserabhängig wie etwa Pekingenten.
Der Stall sollte trocken, zugfrei und gut belüftet sein. Da die Warzenente ihre tropische Abstammung nicht verleugnen kann, ist sie etwas frostempfindlicher als Entenrassen