T Tierlexikon.net
← Lexikon

Watt

W

Biologie & Ökologie > Lebensräume – Typen

Definition und Überblick

Als Watt bezeichnet man den Bereich des Meeresbodens, der durch den Wechsel der Gezeiten regelmäßig trockenfällt und wieder überflutet wird. Dieser amphibische Lebensraum liegt zwischen der mittleren Hochwasser- und der mittleren Niedrigwasserlinie. Das Wort stammt vom altgermanischen „wada" (seichte Stelle) und beschreibt damit treffend den Charakter dieses Ökosystems: eine flache, dem Rhythmus von Ebbe und Flut unterworfene Küstenlandschaft. Das größte zusammenhängende Wattgebiet der Welt erstreckt sich entlang der südöstlichen Nordseeküste von den Niederlanden über Deutschland bis nach Dänemark. Dieses sogenannte Wattenmeer umfasst rund 9.000 Quadratkilometer und zählt seit 2009 zum UNESCO-Weltnaturerbe.

Entstehung und geologische Grundlagen

Wattflächen entstehen dort, wo geringe Wassertiefe, moderate Gezeitenströme und ausreichend Sedimentnachschub zusammentreffen. Nach der letzten Eiszeit, vor etwa 8.000 bis 10.000 Jahren, stieg der Meeresspiegel an und überflutete weite Küstenebenen. Die Gezeiten transportierten Sand, Schlick und Ton in die flachen Buchten und Senken, wo sich das Material ablagerte. Dieser Prozess dauert bis heute an und formt die Wattlandschaft kontinuierlich um.

Je nach vorherrschendem Sediment unterscheidet man drei Haupttypen:

  • Sandwatt – besteht überwiegend aus grobkörnigem Sand, liegt meist in Bereichen mit stärkerer Strömung und trocknet bei Ebbe vergleichsweise schnell ab.
  • Mischwatt – enthält sowohl Sand- als auch Schlickanteile und bildet den Übergangsbereich zwischen den beiden anderen Typen.
  • Schlickwatt – setzt sich aus feinen Ton- und Schluffpartikeln zusammen, speichert viel Wasser und organisches Material und findet sich vor allem in strömungsberuhigten Zonen nahe der Küste.

Daneben existieren Felswatt-Bereiche, etwa an Helgoland oder an Atlantikküsten, wo das Gestein bei Niedrigwasser freiliegt und von einer spezialisierten Aufwuchsgemeinschaft besiedelt wird.

Ökologische Bedeutung und Nahrungsnetz

Das Watt gehört zu den produktivsten Ökosystemen der Erde. Pro Quadratmeter Wattboden werden jährlich bis zu 300 Gramm organischer Kohlenstoff erzeugt – eine Leistung, die mit tropischen Regenwäldern vergleichbar ist. Grundlage dieser hohen Produktivität sind Kieselalgen (Diatomeen), die auf und zwischen den Sedimentkörnern siedeln und bei Niedrigwasser durch Photosynthese große Mengen Biomasse aufbauen. Hinzu kommen eingeschwemmtes Phytoplankton und abgestorbenes Pflanzenmaterial (Detritus) aus Salzwiesen und Seegraswiesen.

Von diesem Nahrungsangebot profitiert ein dichtes Netz aus Organismen. Im Sediment leben unzählige Wattbewohner: der Wattwurm (Arenicola marina), die Herzmuschel (Cerastoderma edule), die Sandklaffmuschel (Mya arenaria), die Wattschnecke (Peringia ulvae) und verschiedene Borstengewürmer (Polychaeten). Diese Makrozoobenthos-Arten erreichen Dichten von mehreren Tausend Individuen pro Quadratmeter. Sie filtrieren Wasser, durchwühlen das Sediment und zersetzen organisches Material – Leistungen, die für den Stoffkreislauf unverzichtbar sind.

Bei Flut ziehen Fische wie Scholle, Stint und Hering ins Watt, um dort zu fressen oder als Jungfische geschützte Aufwuchsgebiete zu nutzen. Das Watt fungiert als Kinderstube für zahlreiche Fischarten, weshalb sein Erhalt auch für die Fischerei bedeutsam ist. Garnelen der Art Crangon crangon, die bekannte Nordseegarnele, verbringen einen großen Teil ihres Lebenszyklus auf den Wattflächen.

Bedeutung für die Vogelwelt

Für Vögel stellt das Watt eine Lebensader dar. Jedes Jahr rasten zehn bis zwölf Millionen Wat- und Wasservögel im Wattenmeer, um auf dem Zug zwischen arktischen Brutgebieten und afrikanischen Winterquartieren ihre Energiereserven aufzufüllen. Ohne diese Rastplätze entlang des Ostatlantischen Zugwegs wären Arten wie Alpenstrandläufer (Calidris alpina), Knutt (Calidris canutus), Pfuhlschnepfe (Limosa lapponica) und Ringelgans (Branta bernicla) in ihrem Bestand unmittelbar gefährdet.

Die Vögel sind auf das präzise Zusammenspiel von Tideverlauf und Nahrungsangebot angewiesen. Bei Niedrigwasser suchen sie auf den freigefallenen Flächen nach Muscheln, Würmern und Krebstieren. Bei Hochwasser ziehen sie sich auf höher gelegene Ruheplätze, sogenannte Hochwasserrastplätze, zurück. Störungen an diesen Plätzen – durch Tourismus, Luftfahrt oder Küstenbebauung – können die Energiebilanz der Tiere empfindlich beeinträchtigen.

Anpassungen der Tierwelt

Das Leben im Watt verlangt extreme Anpassungsfähigkeit. Organismen müssen mit regelmäßigem Trockenfallen, Temperaturschwankungen von über 30 Grad Celsius im Jahresverlauf, wechselndem Salzgehalt und mechanischer Belastung durch Strömung und Wellenschlag zurechtkommen. Wattwürmer graben U-förmige Röhren, durch die sie ständig frisches Wasser pumpen und so auch bei Niedrigwasser ausreichend Sauerstoff erhalten. Muscheln verschließen ihre Schalen und schalten auf anaeroben Stoffwechsel um, bis das Wasser zurückkehrt. Viele Kleinkrebse und Schnecken folgen dem Wasserstand vertikal im Sediment, um Austrocknung zu vermeiden.

Bedrohungen und Schutz

Trotz seiner hohen Produktivität ist das Watt ein empfindliches System. Meeresspiegelanst