Wegerich-Scheckenfalter
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Steckbrief
- Wissenschaftlicher Name: Melitaea cinxia (Linnaeus, 1758)
- Ordnung: Schmetterlinge (Lepidoptera)
- Familie: Edelfalter (Nymphalidae)
- Unterfamilie: Scheckenfalter (Melitaeinae)
- Gattung: Melitaea
- Lebensraum: Magere Wiesen, Trockenrasen, lichte Waldsäume
- Flügelspannweite: 33–40 mm
- Gewicht: ca. 0,1–0,3 g
- Lebenserwartung: Imagines ca. 2–4 Wochen; gesamter Lebenszyklus etwa ein Jahr
Aussehen & Merkmale
Der Wegerich-Scheckenfalter gehört zu den mittelgroßen Tagfaltern Mitteleuropas. Die Flügeloberseiten zeigen ein charakteristisches Schachbrettmuster aus orangebraunen und gelblichen Feldern, die von schwarzen Adern und Linien durchzogen sind. Dieses Muster, das allen Vertretern der Gattung Melitaea eigen ist, macht eine Unterscheidung von verwandten Arten auf den ersten Blick schwierig. Entscheidend für die sichere Bestimmung ist die Flügelunterseite: Die Hinterflügel tragen dort zwei auffällige Bänder aus cremefarbenen bis blassgelben Flecken, die von orangefarbenen Binden eingefasst werden. In der äußeren Fleckenbinde befinden sich in jedem Feld kleine schwarze Punkte – ein wichtiges Unterscheidungsmerkmal gegenüber dem ähnlichen Östlichen Scheckenfalter (Melitaea arduinna) oder dem Baldrian-Scheckenfalter (Melitaea diamina).
Der Körper ist schwarz behaart mit orangebraunen Schuppen an den Seiten des Thorax. Die Fühler sind gekeult und an der Spitze orange gefärbt. Weibchen sind im Durchschnitt etwas größer als Männchen und wirken durch den kräftigeren Hinterleib gedrungener. Frisch geschlüpfte Falter zeigen die kontrastreichste Zeichnung; mit zunehmendem Alter verblassen die Farben durch Abrieb der Flügelschuppen.
Lebensraum & Verbreitung
Das Verbreitungsgebiet des Wegerich-Scheckenfalters erstreckt sich von Westeuropa über Mittel- und Osteuropa bis nach Zentralasien. In Skandinavien erreicht die Art ihre nördliche Verbreitungsgrenze; auf den Britischen Inseln ist sie auf wenige Restpopulationen beschränkt. In den Alpen kommt sie bis auf etwa 2.000 Meter Höhe vor.
Das bevorzugte Habitat sind nährstoffarme, extensiv genutzte Grünlandflächen. Dazu zählen Halbtrockenrasen, Magerwiesen, Heiden, Böschungen und lichte Waldsäume. Entscheidend für die Eignung eines Biotops ist das Vorkommen der Raupennahrungspflanzen – insbesondere des Spitzwegerichs (Plantago lanceolata) – in Kombination mit offenen, sonnigen Bodenstellen. Die Art ist auf eine bestimmte Vegetationsstruktur angewiesen: weder zu hoch und dicht bewachsen noch völlig vegetationsfrei. In Mitteleuropa sind viele ehemalige Vorkommen durch Intensivierung der Landwirtschaft, Verbuschung oder Aufforstung erloschen.
Ernährung
Die Raupen des Wegerich-Scheckenfalters ernähren sich oligophag, also von einer begrenzten Anzahl an Pflanzenarten. Die Hauptnahrungspflanze ist der Spitzwegerich (Plantago lanceolata), seltener werden auch Breitwegerich (Plantago major), Ehrenpreis-Arten (Veronica) oder Fingerkraut (Potentilla) befressen. Der deutsche Trivialname leitet sich direkt von dieser Nahrungspräferenz ab.
Die adulten Falter saugen Nektar an verschiedenen Blütenpflanzen, darunter Flockenblumen (Centaurea), Skabiosen (Scabiosa), Thymian (Thymus) und Hahnenfuß (Ranunculus). Die Falter bevorzugen niedrigwüchsige Blüten in sonniger Lage und sind ausschließlich tagaktiv.
Verhalten & Lebensweise
Der Wegerich-Scheckenfalter ist ein ausgesprochen wärmeliebender Tagfalter. Die Flugzeit erstreckt sich in Mitteleuropa von Mitte Mai bis Anfang Juli, wobei die Art univoltin ist – sie bildet also nur eine Generation pro Jahr. An warmen, windstillen Tagen sind die Falter auf ihren Flugplätzen aktiv und zeigen ein typisches Patrouillenverhalten: Männchen fliegen in geringer Höhe über die Vegetation und suchen nach paarungsbereiten Weibchen.
Die Falter sind relativ standorttreu. Markierungsexperimente haben gezeigt, dass die meisten Individuen sich nur wenige hundert Meter von ihrem Schlupfort entfernen. Diese geringe Mobilität macht die Art anfällig gegenüber der Verinselung geeigneter Lebensräume. Zwischen isolierten Populationen findet kaum Austausch statt, was langfristig zu genetischer Verarmung führen kann.
Bei kühler Witterung oder Bewölkung sitzen die Falter mit ausgebreiteten Flügeln auf dem Boden oder auf niedrigen Pflanzen und nutzen die Sonnenstrahlung zur Thermoregulation.
Fortpflanzung & Aufzucht
Nach der Paarung legt das Weibchen seine Eier in Gelegen von 50 bis 200 Stück an die Blattunterseite der Wirtspflanze. Die Eier sind zunächst hellgelb und verfärben sich vor dem Schlupf dunkel. Die Jungraupen leben gesellig in einem gemeinsamen Gespinst, das sie über ihre Nahrungspflanze spinnen. Dieses Gespinst dient als Schutz vor Witterung und Fressfeinden.
Die Raupen durchlaufen mehrere Häutungsstadien. Im Spätsommer, meist im dritten oder vierten Larvenstadium, stellen sie die Nahrungsaufnahme ein und spinnen ein dichtes Überwinterungsgespinst in der Bodenstreu. In diesem Gespinst überdauern sie die kalte Jahreszeit in einer Diapause. Im Frühjahr löst sich die Gruppe auf, und die Raupen leben fortan einzeln. Nach der letzten Häutung verpuppen sie sich an Pflanzenstängeln oder in der bodennahen Vegetation. Die Pu