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Wendehals

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Tierart – Vögel > Spechte & Co

Steckbrief

  • Wissenschaftlicher Name: Jynx torquilla
  • Ordnung: Spechtvögel (Piciformes)
  • Familie: Spechte (Picidae)
  • Unterfamilie: Wendehälse (Jynginae)
  • Gattung: Jynx
  • Größe: 16–18 cm (Körperlänge)
  • Gewicht: 25–50 g
  • Flügelspannweite: 25–27 cm
  • Lebensraum: Lichte Laub- und Mischwälder, Streuobstwiesen, Parks, Gärten
  • Lebenserwartung: ca. 5–10 Jahre

Aussehen & Merkmale

Der Wendehals ist ein kleiner, eher unscheinbar gefärbter Vogel, der auf den ersten Blick kaum als Verwandter der Buntspechte zu erkennen ist. Sein Gefieder zeigt eine komplexe Musterung aus Grau-, Braun- und Beigetönen, die an Baumrinde erinnert und eine hervorragende Tarnung bietet. Über den Rücken zieht sich ein dunkler Längsstreifen, die Unterseite ist heller mit feiner Querbänderung. Kehle und Brust tragen einen gelblichen bis ockerfarbenen Ton mit deutlicher Wellenzeichnung.

Im Gegensatz zu anderen Spechten besitzt der Wendehals keinen kräftigen Meißelschnabel, sondern einen vergleichsweise kurzen, spitzen Schnabel. Auch die typischen Stützfedern am Schwanz, die Spechte beim Klettern an Baumstämmen nutzen, sind bei ihm nur schwach ausgebildet. Die Zehen sind wie bei allen Spechtvögeln als Kletterfüße angeordnet – zwei Zehen zeigen nach vorn, zwei nach hinten (zygodaktyl). Männchen und Weibchen unterscheiden sich äußerlich kaum.

Lebensraum & Verbreitung

Das Verbreitungsgebiet des Wendehalses erstreckt sich über weite Teile der Paläarktis. Er brütet von Westeuropa und Nordwestafrika über Mittel- und Osteuropa bis nach Zentralasien, China und Japan. In Deutschland ist er ein verbreiteter, aber nicht häufiger Brutvogel, der vor allem in wärmebegünstigten Tieflagen vorkommt.

Als bevorzugtes Habitat dienen lichte Laubwälder, Waldränder, Streuobstwiesen, Weinberge, Parks und naturnahe Gärten – also halboffene Landschaften mit einem ausreichenden Angebot an alten Bäumen mit Bruthöhlen und kurzrasigen Flächen für die Nahrungssuche. Dichte, geschlossene Wälder meidet der Wendehals. In den Alpen brütet er bis in Höhen von etwa 1.500 Metern.

Als Langstreckenzieher verlässt der Wendehals seine europäischen Brutgebiete im August und September und überwintert in der Sahelzone sowie im tropischen Afrika südlich der Sahara. Die Rückkehr in die Brutgebiete erfolgt meist im April. Damit ist er einer der wenigen Spechtvögel, die als echte Zugvögel gelten.

Ernährung

Die Nahrung des Wendehalses besteht fast ausschließlich aus Ameisen und deren Entwicklungsstadien – Eiern, Larven und Puppen. Er ist damit einer der am stärksten spezialisierten Ameisenfresser unter den europäischen Vögeln. Bevorzugt werden Wiesenameisen der Gattung Lasius, die er mit seiner langen, klebrigen Zunge aus ihren Erdnestern herauslöst. Die Zunge kann bis zu zehn Zentimeter vorgestreckt werden und ist mit einem zähen Sekret überzogen, an dem die Beutetiere haften bleiben.

Die Nahrungssuche findet überwiegend am Boden statt. Der Wendehals hüpft über kurzrasige Wiesen, stochert in Ameisenbauten und leckt die Insekten mit schnellen Zungenbewegungen auf. Gelegentlich frisst er auch Käfer, Blattläuse und andere kleine Wirbellose, doch bilden Ameisen den weit überwiegenden Anteil seiner Nahrung.

Verhalten & Lebensweise

Der Wendehals ist tagaktiv und lebt außerhalb der Brutzeit einzelgängerisch. Er hält sich bevorzugt in Bodennähe oder im niedrigen Geäst auf und klettert nur selten an Baumstämmen empor. Sein Flug ist wellenförmig und erinnert an den anderer Kleinvögel.

Die Balz beginnt kurz nach der Ankunft im Brutgebiet. Das Männchen markiert sein Revier durch laute, nasale Rufreihen – ein monotones, durchdringendes „wäd-wäd-wäd-wäd", das über weite Strecken zu hören ist und an den Ruf eines Kleinfalken erinnern kann. Im Gegensatz zu anderen Spechten trommelt der Wendehals nicht.

Bei Bedrohung zeigt der Wendehals ein auffälliges Abwehrverhalten, das ihm seinen deutschen Namen eingebracht hat: Er verdreht den Kopf langsam schlangen­artig, sträubt die Scheitelfedern, spreizt den Schwanz und zischt dabei. Diese Mimikry imitiert offenbar eine Schlange und schreckt potenzielle Nesträuber ab. Der wissenschaftliche Artname torquilla (von lateinisch torquere = drehen) bezieht sich ebenfalls auf dieses Verhalten.

Fortpflanzung & Aufzucht

Der Wendehals ist ein Höhlenbrüter, der – anders als die meisten Spechte – keine eigenen Höhlen zimmert. Er nutzt vorhandene Baumhöhlen, alte Spechthöhlen oder Nistkästen. Die Konkurrenz um geeignete Bruthöhlen mit Staren, Meisen und anderen Höhlenbrütern kann erheblich sein; der Wendehals vertreibt dabei gelegentlich bereits brütende Kleinvögel und wirft deren Eier oder Junge aus der Höhle.

Das Gelege umfasst in der Regel 7–10 weiße, ungezeichnete Eier, die ab Mai über einen Zeitraum von 12–14 Tagen überwiegend vom Weibchen bebrütet werden. Die Nestlinge schlüpfen nackt und blind. Beide Altvögel füttern den Nachwuchs mit vorverdauten Ameisen und deren Puppen. Nach etwa