Wiese
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Definition und Überblick
Eine Wiese ist eine von Gräsern und krautigen Pflanzen dominierte Vegetationsfläche, die regelmäßig gemäht wird. Sie zählt zu den Offenlandlebensräumen und gehört zusammen mit der Weide zum Grünland. Im Unterschied zur Weide, die durch Beweidung mit Nutztieren erhalten wird, ist die Wiese durch die Mahd als Bewirtschaftungsform gekennzeichnet. Wiesen sind in Mitteleuropa fast ausnahmslos durch menschliche Nutzung entstanden – ohne regelmäßige Mahd würden sie über Gebüsch- und Vorwaldstadien langfristig wieder zu Wald werden. Dieser Prozess wird als Sukzession bezeichnet.
Als sogenannte Halbkulturformationen nehmen Wiesen eine Mittelstellung zwischen natürlichen Lebensräumen und intensiv genutzten Agrarflächen ein. Ihre ökologische Bedeutung ist enorm: Sie bieten Lebensraum für eine Vielzahl von Tierarten, dienen als Nahrungsquelle, Brut- und Überwinterungsplatz und tragen wesentlich zur Biodiversität in der Kulturlandschaft bei.
Wiesentypen und ihre Standortbedingungen
Je nach Bodenbeschaffenheit, Wasserhaushalt, Nährstoffgehalt und Nutzungsintensität haben sich unterschiedliche Wiesentypen herausgebildet:
- Fettwiese (Glatthaferwiese): Auf nährstoffreichen, gut versorgten Standorten wachsende, artenärmere Wiese mit hoher Biomasseproduktion. Typische Gräser sind Glatthafer, Knaulgras und Wiesenfuchsschwanz. Sie wird meist zwei- bis dreimal jährlich gemäht.
- Magerwiese: Auf nährstoffarmen, oft flachgründigen Böden angesiedelt. Magerwiesen zeichnen sich durch eine besonders hohe Artenvielfalt aus. Typisch sind Kräuter wie Margerite, Wiesensalbei und Glockenblume. Die Mahd erfolgt in der Regel ein- bis zweimal pro Jahr.
- Feuchtwiese: Auf staunassen oder grundwassernahen Standorten gelegen. Hier kommen feuchtigkeitsliebende Pflanzen wie Mädesüß, Sumpfdotterblume und verschiedene Seggenarten vor. Feuchtwiesen zählen zu den besonders bedrohten Lebensräumen.
- Bergwiese: In höheren Lagen der Mittelgebirge und Alpen vorkommend, oft durch extensive Bewirtschaftung geprägt. Typische Arten sind Bärwurz, Goldhafer und Gebirgs-Frauenmantel.
- Streuobstwiese: Eine Sonderform, bei der die Grünlandfläche mit hochstämmigen Obstbäumen kombiniert ist. Streuobstwiesen gehören zu den artenreichsten Lebensräumen Mitteleuropas.
Die Wiese als Tierlebensraum
Wiesen bieten einer außerordentlich großen Zahl von Tierarten Lebensraum. Die Artengemeinschaften sind dabei eng an den jeweiligen Wiesentyp, die Vegetationsstruktur und die Bewirtschaftungsintensität gebunden.
Insekten stellen die artenreichste Tiergruppe auf Wiesen dar. Schmetterlinge wie Schachbrettfalter, Großes Ochsenauge und verschiedene Bläulingsarten nutzen Wiesenpflanzen als Nektarquellen und Raupenfutterpflanzen. Heuschrecken – darunter Feldgrashüpfer und Gemeiner Grashüpfer – besiedeln bevorzugt die bodennahe Krautschicht. Wildbienen, Schwebfliegen und Käfer profitieren von blütenreichen Beständen. In der Bodenschicht leben zahlreiche Laufkäfer, Spinnen und Asseln.
Vögel nutzen Wiesen als Brut- und Nahrungshabitat. Bodenbrüter wie Feldlerche, Braunkehlchen, Wiesenpieper und Kiebitz sind auf offene Grünlandflächen angewiesen. Der Weißstorch sucht Feuchtwiesen gezielt nach Amphibien, Mäusen und Großinsekten ab. Greifvögel wie Mäusebussard und Turmfalke jagen über Wiesen nach Kleinsäugern.
Säugetiere sind auf Wiesen vor allem durch Kleinsäuger vertreten. Feldmaus, Erdmaus und Maulwurf leben in unterirdischen Gangsystemen. Feldhase und Reh nutzen Wiesen als Äsungsflächen. In strukturreichen Randberichen kommen Igel, Hermelin und Mauswiesel vor.
Amphibien und Reptilien finden besonders auf Feuchtwiesen geeignete Bedingungen. Grasfrosch und Erdkröte nutzen angrenzende feuchte Senken zur Fortpflanzung, während Blindschleiche und Zauneidechse in trockenen, sonnenexponierten Wiesenrändern leben.
Ökologische Funktionen
Wiesen erfüllen zahlreiche ökologische Funktionen, die über die reine Lebensraumfunktion hinausgehen. Als Blühflächen sind sie zentrale Nahrungsquellen für bestäubende Insekten und damit für die Bestäubung vieler Kultur- und Wildpflanzen von Bedeutung. Der durchwurzelte Boden einer Wiese schützt vor Erosion, speichert Wasser und filtert Niederschläge. Grünlandböden binden zudem erhebliche Mengen an Kohlenstoff und tragen so zum Klimaschutz bei.
Die Vernetzungsfunktion von Wiesen in der Landschaft ist für die Tierwelt von großer Bedeutung. Als Trittsteinbiotope und Wanderkorridore ermöglichen sie den genetischen Austausch zwischen Populationen und erleichtern die Ausbreitung von Arten.
Gefährdung und Schutz
Wiesen gehören zu den am stärksten bedrohten Lebensräumen in Mitteleuropa. Die Hauptgefährdungsursachen sind:
- Intensivierung der Nutzung: Häufige Mahd, starke Düngung und Nachsaat mit ertragsreichen Gräsern führen zu artenarmen Beständen. Auf intensiv bewirtschafteten Vielschnittwiesen haben Bodenbrüter und Insektenlarven kaum noch Überlebenschancen.
- Nutzungsaufgabe: Auf ertragsarmen oder schwer zugänglichen Standorten lohnt sich die Bewirtschaftung oft nicht mehr. Ohne Mahd verbuschen die Flächen und der typische Artenbestand geht verloren.