Wildschwein
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Steckbrief
- Wissenschaftlicher Name: Sus scrofa
- Ordnung: Paarhufer (Artiodactyla)
- Familie: Echte Schweine (Suidae)
- Gattung: Sus
- Lebensraum: Laub- und Mischwälder, Sumpfgebiete, Kulturlandschaften
- Größe: Kopf-Rumpf-Länge 120–180 cm, Schulterhöhe 55–110 cm
- Gewicht: 35–200 kg, regional bis über 300 kg (Keiler)
- Lebenserwartung: 8–12 Jahre in freier Wildbahn, in Gefangenschaft bis 20 Jahre
Aussehen & Merkmale
Das Wildschwein besitzt einen massigen, seitlich leicht abgeflachten Körper mit einem keilförmigen Kopf. Der Rüssel – ein knorpelig verstärkter Nasenspiegel – dient als hochsensibles Tast- und Riechorgan. Das Fell, in der Jägersprache als Schwarte bezeichnet, besteht aus groben, dunkelbraunen bis schwarzgrauen Borsten und einer dichten Unterwolle, die im Winter deutlich stärker ausgeprägt ist als im Sommer. Frischlinge tragen ein hellbraunes Fell mit charakteristischen, cremeweißen Längsstreifen, die als Tarnmuster im Unterholz wirken und sich im Alter von etwa vier bis fünf Monaten verlieren.
Ein auffälliges Merkmal sind die Eckzähne, die beim männlichen Tier – dem Keiler – zu kräftigen, nach oben gebogenen Hauern heranwachsen. Diese können eine Länge von über 20 cm erreichen. Die oberen Eckzähne, die sogenannten Haderer, wetzen permanent an den unteren Hauern und halten diese so messerscharf. Weibliche Tiere (Bachen) verfügen über deutlich kleinere Eckzähne. Wildschweine haben relativ kurze Beine mit jeweils vier Zehen, von denen zwei als Hauptzehen den Boden berühren, während die beiden Afterzehen nur auf weichem Untergrund Abdrücke hinterlassen.
Lebensraum & Verbreitung
Das natürliche Verbreitungsgebiet von Sus scrofa erstreckt sich über weite Teile Europas, Asiens und Nordafrikas. Es handelt sich damit um eines der am weitesten verbreiteten Landsäugetiere überhaupt. Durch menschliche Einführung hat die Art darüber hinaus Populationen in Nord- und Südamerika, Australien sowie auf zahlreichen Inseln etabliert.
Als bevorzugtes Habitat dienen feuchte Laub- und Mischwälder mit dichtem Unterholz, die sowohl Deckung als auch Nahrung bieten. Wildschweine sind jedoch ausgesprochen anpassungsfähig und besiedeln ebenso Schilfgürtel, Macchie-Gebiete, Steppen und zunehmend auch den urbanen Raum. In Mitteleuropa ist seit den 1960er-Jahren eine starke Bestandszunahme und Ausbreitung in vormals nicht besiedelte Biotope zu beobachten. Mildere Winter, der großflächige Maisanbau und das Fehlen natürlicher Prädatoren begünstigen diese Entwicklung.
Ernährung
Das Wildschwein ist ein ausgesprochener Allesfresser (Omnivore). Den Hauptanteil der Nahrung bilden pflanzliche Bestandteile: Eicheln, Bucheckern, Kastanien, Wurzeln, Knollen, Pilze, Gräser und Feldfrüchte. In Mastjahren – Jahren mit besonders hohem Eichel- oder Bucheckernaufkommen – kann sich die Reproduktionsrate der Population deutlich erhöhen.
Ergänzt wird die pflanzliche Kost durch tierische Nahrung wie Insektenlarven, Regenwürmer, Schnecken, Kleinsäuger, Gelege bodenbrütender Vögel und gelegentlich Aas. Beim sogenannten Brechen durchwühlen Wildschweine den Boden mit ihrem Rüssel systematisch nach unterirdischer Nahrung – ein Verhalten, das in landwirtschaftlichen Flächen und auf Grünland erhebliche Schäden verursachen kann, ökologisch jedoch zur Bodendurchlüftung und Samenverbreitung beiträgt.
Verhalten & Lebensweise
Wildschweine sind überwiegend dämmerungs- und nachtaktiv, wobei sich die Aktivitätsmuster je nach Jagddruck und Störungsintensität verschieben können. In störungsarmen Gebieten sind sie auch tagsüber aktiv.
Bachen leben mit ihren Frischlingen und den Jungtieren des Vorjahres – den Überläufern – in festen Familienverbänden, die als Rotte bezeichnet werden. Eine Rotte umfasst typischerweise 5–20 Tiere und wird von einer erfahrenen Leitbache angeführt. Diese reguliert unter anderem die Synchronisation der Fortpflanzungszyklen innerhalb der Gruppe. Keiler leben außerhalb der Paarungszeit einzelgängerisch und suchen die Rotten nur zur Rauschzeit auf.
Wildschweine sind ortstreu und nutzen feste Wechsel zwischen Ruheplätzen – sogenannten Kesseln – und Nahrungsflächen. Das regelmäßige Suhlen in Schlammlöchern dient der Thermoregulation, dem Parasitenschutz und der Hautpflege. Nach dem Suhlen reiben sich die Tiere an Bäumen, den sogenannten Malbäumen, um Schlamm und Parasiten abzustreifen.
Fortpflanzung & Aufzucht
Die Paarungszeit, jägerisch Rauschzeit genannt, erstreckt sich in Mitteleuropa hauptsächlich von November bis Januar. Keiler suchen in dieser Phase aktiv nach paarungsbereiten Bachen und liefern sich dabei heftige Rangkämpfe mit Rivalen, bei denen die Hauer zum Einsatz kommen. Eine dicke Bindegewebsschicht an Schultern und Flanken – der sogenannte Schild – schützt die Keiler vor schweren Verletzungen.
Nach einer Tragzeit von rund 114 Tagen (etwa drei Monate, drei Wochen und drei Tage) bringt die Bache in einem eigens angelegten Wurfkessel durchschnittlich vier bis acht Frischlinge zur Welt. Diese sind