Wirbeltiere
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Definition und Überblick
Wirbeltiere (Vertebrata) bilden einen Unterstamm innerhalb des Stammes der Chordatiere (Chordata). Ihr namensgebendes Merkmal ist die Wirbelsäule, eine gegliederte Stützstruktur aus einzelnen Wirbeln, die das Rückenmark umschließt und dem Körper mechanische Stabilität verleiht. Mit rund 70.000 beschriebenen Arten stellen sie zwar nur einen kleinen Bruchteil der gesamten Tierwelt dar, besiedeln jedoch nahezu alle Lebensräume der Erde – von der Tiefsee über tropische Regenwälder bis hin zu arktischen Eiswüsten.
Zu den Wirbeltieren zählen fünf klassische Großgruppen: Fische, Amphibien, Reptilien, Vögel und Säugetiere. Diese Einteilung hat eine lange Tradition in der Zoologie, wurde aber durch moderne phylogenetische Forschung teilweise revidiert. So gelten Vögel aus stammesgeschichtlicher Sicht als eine Untergruppe der Reptilien, und der Begriff „Fische" fasst mehrere nicht unmittelbar verwandte Linien zusammen.
Körperbau und gemeinsame Merkmale
Alle Wirbeltiere teilen einen grundlegenden Bauplan, der sie von wirbellosen Tieren unterscheidet. Zu den wesentlichen Merkmalen gehören:
- Wirbelsäule: Sie ersetzt im Laufe der Embryonalentwicklung die Chorda dorsalis (Rückensaite) ganz oder teilweise. Die einzelnen Wirbelkörper bestehen je nach Tiergruppe aus Knorpel oder Knochen.
- Schädel (Cranium): Eine feste Kapsel schützt das Gehirn. Wirbeltiere werden deshalb auch als Schädeltiere (Craniota) bezeichnet.
- Geschlossener Blutkreislauf: Ein muskulöses Herz pumpt das Blut durch ein verzweigtes Gefäßsystem. Die Anzahl der Herzkammern variiert zwischen zwei (bei Fischen) und vier (bei Vögeln und Säugetieren).
- Zentrales Nervensystem: Gehirn und Rückenmark bilden eine zentrale Steuereinheit. Im Vergleich zu Wirbellosen ist das Gehirn der Vertebraten deutlich stärker differenziert.
- Innenskelett (Endoskelett): Im Gegensatz zum Außenskelett der Gliederfüßer wächst das Innenskelett der Wirbeltiere mit dem Körper mit und erlaubt erhebliche Größenunterschiede – vom wenige Millimeter kleinen Frosch Paedophryne amauensis bis zum über 30 Meter langen Blauwal.
Systematik und Verwandtschaftsverhältnisse
Die Systematik der Wirbeltiere wurde durch molekulargenetische Analysen in den letzten Jahrzehnten erheblich verfeinert. An der Basis stehen die kieferlosen Wirbeltiere (Agnatha), zu denen heute nur noch Neunaugen und Schleimaale gehören. Alle übrigen rezenten Wirbeltiere besitzen Kiefer und werden als Kiefermäuler (Gnathostomata) zusammengefasst.
Innerhalb der Kiefermäuler unterscheidet man die Knorpelfische (Chondrichthyes) – darunter Haie, Rochen und Chimären – von den Knochenfischen (Osteichthyes). Letztere umfassen die artenreichen Strahlenflosser (Actinopterygii) sowie die Fleischflosser (Sarcopterygii), aus deren Reihen sich einst die Landwirbeltiere (Tetrapoda) entwickelten.
Die Tetrapoden gliedern sich in:
- Amphibien (Lissamphibia): Frösche, Salamander und Blindwühlen. Sie sind in der Regel an Feuchtgebiete gebunden und durchlaufen häufig eine Metamorphose von der Larve zum adulten Tier.
- Reptilien (Reptilia): Schildkröten, Echsen, Schlangen, Krokodile und Brückenechsen. In der modernen Kladistik schließt diese Gruppe auch die Vögel mit ein.
- Vögel (Aves): Mit etwa 10.000 Arten eine sehr diverse Gruppe warmblütiger, gefiederter Wirbeltiere, die stammesgeschichtlich von theropoden Dinosauriern abstammen.
- Säugetiere (Mammalia): Rund 6.400 Arten, gekennzeichnet durch Milchdrüsen, Haare oder Fell und ein hoch entwickeltes Gehirn. Zu ihnen gehören Kloakentiere, Beuteltiere und Plazentatiere.
Evolutionsgeschichte
Die Stammesgeschichte der Wirbeltiere reicht über 500 Millionen Jahre zurück. Frühe Formen wie Haikouichthys aus dem Kambrium besaßen bereits rudimentäre Wirbelstrukturen. Im Ordovizium und Silur diversifizierten sich kieferlose Fische, bevor im Devon die Kiefermäuler auftraten und sich rasch ausbreiteten. Das Devon wird daher auch als „Zeitalter der Fische" bezeichnet.
Der Übergang vom Wasser zum Land vollzog sich im Oberdevon vor etwa 370 Millionen Jahren. Übergangsfossilien wie Tiktaalik und Ichthyostega dokumentieren die schrittweise Entwicklung von Flossen zu Gliedmaßen. Im Karbon eroberten die frühen Tetrapoden zunehmend terrestrische Lebensräume, und im Mesozoikum dominierte die Gruppe der Dinosaurier die Landökosysteme über mehr als 160 Millionen Jahre. Nach dem Massenaussterben an der Kreide-Paläogen-Grenze vor 66 Millionen Jahren besetzten Säugetiere und Vögel die freigewordenen ökologischen Nischen.
Ökologische Bedeutung
Wirbeltiere nehmen in nahezu allen Ökosystemen Schlüsselpositionen ein. Große Raubtiere wie Wölfe, Haie oder Greifvögel regulieren als Top-Prädatoren die Populationen ihrer Beutetiere und beeinflussen damit die gesamte Nahrungskette. Pflanzenfressende Säugetiere und Vögel formen durch Beweidung, Samenverbreitung und Bestäubung die Vegetation ganzer Landschaften. Fische sind in aquatischen Ökosystemen zentrale Glieder des Nahrungsnetzes und tragen zum Nährstoffkreislauf bei.
Gleichzeitig gehören Wirbeltiere zu den am stärksten bedrohten Tiergruppen. Lebensraumzerstörung, Über