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Wissenschaftlicher Name

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Biologie & Ökologie > Systematik & Taxonomie

Definition und Überblick

Der wissenschaftliche Name ist die international verbindliche Bezeichnung einer biologischen Art oder einer anderen taxonomischen Einheit. Er folgt festen Regeln, die sicherstellen, dass jede Tierart weltweit eindeutig identifiziert werden kann – unabhängig von Sprache, Region oder kulturellem Hintergrund. Während ein und dasselbe Tier in verschiedenen Ländern völlig unterschiedliche Trivialnamen tragen kann, bleibt der wissenschaftliche Name überall gleich. So heißt der Wolf in Deutschland „Wolf", in England „wolf", in Frankreich „loup" und in Japan „ōkami" – sein wissenschaftlicher Name Canis lupus ist jedoch universell gültig.

Die Vergabe wissenschaftlicher Namen gehört zum Kernbereich der Taxonomie, also der Wissenschaft von der Klassifikation und Benennung der Lebewesen. Sie bildet die Grundlage für jede zoologische, ökologische und evolutionsbiologische Forschung.

Die binäre Nomenklatur nach Linné

Das heute verwendete System geht auf den schwedischen Naturforscher Carl von Linné (1707–1778) zurück, der in seinem Werk Systema Naturae die sogenannte binäre Nomenklatur (auch binominale Nomenklatur) einführte. Jede Art erhält dabei einen zweiteiligen lateinischen Namen, der aus dem Gattungsnamen und dem Artepitheton (auch Artname oder spezifisches Epitheton) besteht.

Ein Beispiel: Der Rotfuchs trägt den wissenschaftlichen Namen Vulpes vulpes. Dabei steht Vulpes für die Gattung der Echten Füchse und das zweite vulpes für die konkrete Art innerhalb dieser Gattung. Erst beide Namensbestandteile zusammen ergeben die eindeutige Artbezeichnung.

Dem Artnamen wird häufig der Name des Erstbeschreibers sowie das Jahr der Erstbeschreibung nachgestellt. Der vollständige Name des Rotfuchses lautet demnach Vulpes vulpes (Linnaeus, 1758). Die Klammern um den Autorennamen zeigen an, dass Linné die Art ursprünglich in eine andere Gattung gestellt hatte – er beschrieb sie als Canis vulpes –, sie aber später in die Gattung Vulpes umgestellt wurde.

Regeln und Konventionen

Für die Benennung von Tieren gelten die Vorschriften des Internationalen Codes der Zoologischen Nomenklatur (ICZN). Dieser Regelkodex legt unter anderem fest:

  • Der Gattungsname wird stets mit einem Großbuchstaben geschrieben, das Artepitheton mit einem Kleinbuchstaben.
  • Wissenschaftliche Namen werden im Fließtext kursiv gesetzt, um sie von umgebendem Text abzuheben.
  • Es gilt das Prioritätsprinzip: Der älteste verfügbare Name für ein Taxon hat Vorrang vor allen später vergebenen Synonymen.
  • Jeder Name muss auf einer veröffentlichten Erstbeschreibung beruhen, die ein Typusexemplar (Holotypus) festlegt.
  • Namen unterhalb der Artebene – etwa für Unterarten – werden durch ein drittes Namenselement ergänzt. So heißt der Europäische Wolf Canis lupus lupus, der Timberwolf dagegen Canis lupus occidentalis. Man spricht hier von einer trinären Nomenklatur.

Für Pflanzen, Pilze und Algen existiert ein eigenständiges Regelwerk, der International Code of Nomenclature for algae, fungi, and plants (ICN), der in Details von den zoologischen Regeln abweicht.

Herkunft und Bedeutung der Namen

Wissenschaftliche Namen sind überwiegend aus dem Lateinischen oder Griechischen abgeleitet, können aber auch aus anderen Sprachen stammen und werden dann latinisiert. Ihre Herkunft lässt sich grob in mehrere Kategorien einteilen:

  • Beschreibende Namen, die ein Merkmal der Art wiedergeben: Ursus arctos (Braunbär) – arctos stammt vom griechischen Wort für „Bär".
  • Geographische Namen, die auf das Verbreitungsgebiet hinweisen: Panthera tigris sumatrae bezieht sich auf die Insel Sumatra.
  • Ehrenbezeichnungen, die nach Personen benannt sind: Stellers Seeadler (Haliaeetus pelagicus) wurde nach dem Naturforscher Georg Wilhelm Steller benannt, wobei hier der deutsche Trivialname die Ehrung trägt. In anderen Fällen steckt die Ehrung direkt im Artepitheton, etwa bei Gazella dorcas.
  • Verhaltensbezogene Namen: Bombina bombina (Rotbauchunke) – der Name leitet sich von einem Wort für „summen" oder „dumpf tönen" ab und verweist auf die Rufe dieser Amphibienart.

Das Verständnis der Namensherkunft erleichtert oft das Einprägen und liefert gleichzeitig Informationen über Aussehen, Lebensweise oder Entdeckungsgeschichte einer Art.

Abgrenzung zu Trivialnamen und Synonymen

Im Gegensatz zum wissenschaftlichen Namen sind Trivialnamen (auch: Vulgärnamen, Volksnamen) die alltagssprachlichen Bezeichnungen für Tiere. Sie variieren nicht nur zwischen Sprachen, sondern auch innerhalb einer Sprache je nach Region. Der Feuersalamander etwa wird je nach Gegend auch als „Regenmolch" oder „Erdmolch" bezeichnet – sein wissenschaftlicher Name Salamandra salamandra ist dagegen einheitlich.

Auch innerhalb der wissenschaftlichen Nomenklatur existieren Synonyme: Wurde eine Art mehrfach unabhängig beschrieben, entstehen unterschiedliche Namen für dasselbe Tier. Das Prioritätsprinzip regelt dann, welcher Name gültig ist. Die übrigen Bezeichnungen werden als jüngere Synonyme geführt und bleiben in taxonomischen Datenbanken verzeichnet, gelten aber als ungültig.

Umgekehrt kann es vorkommen, dass ein Name, der lange als eigenständige Art galt, nach neuen morphologischen oder molekulargenetischen Untersuchungen als Synonym einer anderen Art erkannt wird