Wittling
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Steckbrief
- Wissenschaftlicher Name: Merlangius merlangus
- Ordnung: Dorschartige (Gadiformes)
- Familie: Dorsche (Gadidae)
- Gattung: Merlangius
- Lebensraum: Küstennahe Meeresgebiete des Nordostatlantiks, Nordsee, westliche Ostsee, Mittelmeer
- Größe: Durchschnittlich 30–40 cm, maximal bis 70 cm
- Gewicht: Meist 0,5–1,5 kg, selten bis 3 kg
- Lebenserwartung: Etwa 10–20 Jahre
Aussehen & Merkmale
Der Wittling besitzt einen langgestreckten, seitlich leicht abgeflachten Körper mit typischem Dorsch-Habitus. Die Grundfärbung des Rückens variiert von grünlich-braun bis bläulich-grau, die Flanken schimmern silbrig, und die Bauchseite ist weißlich. Ein auffälliges Erkennungsmerkmal ist ein dunkler Fleck an der Basis der Brustflosse, der bei fast allen Individuen vorhanden ist.
Wie alle Vertreter der Familie Gadidae trägt der Wittling drei voneinander getrennte Rückenflossen sowie zwei Afterflossen. Die Schuppen sind klein und zykloid, also glattrandig. Im Unterschied zu vielen anderen Dorschartigen fehlt dem Wittling die für die Gattung Gadus typische Kinnbartel – oder sie ist allenfalls als winziger Stummel ausgebildet. Der Unterkiefer ragt leicht über den Oberkiefer hinaus, was dem Fisch ein charakteristisches Profil verleiht. Die Seitenlinie verläuft in einem sanften Bogen über die gesamte Körperlänge und ist dunkel pigmentiert.
Lebensraum & Verbreitung
Das Verbreitungsgebiet des Wittlings erstreckt sich über den gesamten Nordostatlantik. Es reicht von der Küste Norwegens und Islands im Norden bis nach Portugal und in das westliche Mittelmeer im Süden. Besonders hohe Bestandsdichten finden sich in der Nordsee, im Ärmelkanal, in der Irischen See sowie an den Küsten der Britischen Inseln. In die westliche Ostsee dringt der Wittling gelegentlich vor, tritt dort aber nicht in großen Beständen auf.
Als Habitat bevorzugt der Wittling den Kontinentalschelf in Tiefen zwischen 30 und 100 Metern, wobei er gelegentlich auch in flacheren Küstengewässern oder in Tiefen bis zu 200 Metern angetroffen wird. Der Untergrund seines Biotops besteht häufig aus Sand, Schlamm oder Kies. Jungfische halten sich oft in flacheren Küstenzonen auf und suchen Schutz unter den Schirmen großer Quallen – ein Verhalten, das bei anderen Dorschen kaum beobachtet wird.
Ernährung
Der Wittling ist ein opportunistischer Raubfisch, dessen Nahrungsspektrum sich mit dem Wachstum verändert. Jungfische ernähren sich vorwiegend von kleinen Krebstieren wie Garnelen, Flohkrebsen (Amphipoda) und Ruderfußkrebsen (Copepoda). Mit zunehmender Körpergröße verschiebt sich die Ernährung hin zu Fischen. Ausgewachsene Wittlinge jagen bevorzugt Sprotten, Heringe, junge Sandaale und Grundeln. Auch Kannibalismus kommt vor – größere Individuen fressen durchaus kleinere Artgenossen.
Die Nahrungsaufnahme erfolgt überwiegend in den Abend- und Nachtstunden. Der Wittling jagt aktiv im freien Wasser und nutzt dabei sein gut entwickeltes Seitenlinienorgan, um Beutefische auch bei schlechten Sichtverhältnissen zu orten.
Verhalten & Lebensweise
Wittlinge leben gesellig und bilden Schwärme, die teils erhebliche Größe erreichen können. Diese Schwärme halten sich tagsüber häufig in Bodennähe auf und steigen nachts zum Jagen in höhere Wasserschichten auf. Die Art ist daher als überwiegend nachtaktiv einzustufen, was die Nahrungssuche betrifft.
Saisonale Wanderungen sind beim Wittling ausgeprägt. Im Winter ziehen die Schwärme in tiefere, wärmere Gewässer ab, während sie im Frühjahr und Sommer in flachere Küstenregionen zurückkehren. Diese Wanderbewegungen stehen in engem Zusammenhang mit den Wassertemperaturen und dem Laichgeschehen. Jungfische zeigen ein besonderes Schutzverhalten, indem sie sich unter den Tentakeln von Quallen der Art Cyanea capillata (Gelbe Haarqualle) verbergen. Offenbar sind sie gegen das Nesselgift teilweise unempfindlich und nutzen die Quallen als lebende Schutzschirme vor Fressfeinden.
Fortpflanzung & Aufzucht
Die Geschlechtsreife erreicht der Wittling im Alter von zwei bis drei Jahren bei einer Körperlänge von etwa 20–25 cm. Die Laichzeit erstreckt sich je nach Region von Januar bis Juni, wobei der Höhepunkt in der Nordsee zwischen März und April liegt.
Das Weibchen gibt portionsweise zwischen 200.000 und über eine Million pelagische Eier ins freie Wasser ab, die vom Männchen unmittelbar besamt werden. Die kugelförmigen Eier haben einen Durchmesser von etwa 1,0–1,2 mm und treiben dank eines Öltropfens nahe der Wasseroberfläche. Die Larven schlüpfen nach etwa zehn bis vierzehn Tagen, abhängig von der Wassertemperatur. Sie ernähren sich zunächst vom Dottersack und gehen anschließend zur aktiven Aufnahme von Zooplankton über. Eine elterliche Brutpflege findet nicht statt. Die frühen Lebensstadien unterliegen einer extrem hohen Mortalität durch Räuber und ungünstige Umweltbedingungen.
Bedrohung & Schutzstatus
Der Wittling ist ein wirtschaftlich bedeutender Speisefisch und wird in der kommerziellen Fischerei vor allem mit Schleppnetzen und Langleinen gefangen. In der Nordsee gehört er zu den am häufigsten angelandeten Dorschartigen. Allerdings schwanken die Bestände teils erheblich. Überfischung, insbesondere in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts, hat einzelne Populationen zeitweise stark reduziert.