Ziegenmelker
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Steckbrief
- Wissenschaftlicher Name: Caprimulgus europaeus
- Ordnung: Schwalmvögel (Caprimulgiformes)
- Familie: Nachtschwalben (Caprimulgidae)
- Gattung: Caprimulgus
- Lebensraum: Lichte Wälder, Heiden, Waldlichtungen, Trockenrasen
- Größe: 24–28 cm Körperlänge, Flügelspannweite 52–59 cm
- Gewicht: 50–100 g
- Lebenserwartung: Bis zu 12 Jahre, im Durchschnitt 4–5 Jahre
Aussehen & Merkmale
Der Ziegenmelker ist ein mittelgroßer, schlanker Vogel mit auffallend langen Flügeln und einem langen Schwanz. Sein Gefieder zeigt eine komplexe Musterung aus Grau-, Braun- und Beigetönen mit dunklen Streifen und Flecken, die eine nahezu perfekte Tarnung auf Baumrinde, Totholz oder Waldboden ermöglicht. Die Oberseite ist überwiegend graubraun marmoriert, die Unterseite etwas heller mit feiner Querbänderung.
Charakteristisch ist der breite, flache Kopf mit sehr großen, dunkel glänzenden Augen – ein typisches Merkmal nachtaktiver Vogelarten. Der Schnabel ist kurz und wirkt unscheinbar, lässt sich jedoch zu einem erstaunlich weiten Rachen öffnen. Rund um die Schnabelbasis sitzen steife Borsten (Vibrissen), die als Tastorgane beim Insektenfang dienen und den Fangapparat vergrößern.
Die Geschlechter unterscheiden sich geringfügig: Männchen tragen weiße Flecken an den äußeren Schwanzfedern und den Flügelspitzen, die im Flug sichtbar werden. Weibchen fehlen diese hellen Markierungen, ihre Zeichnung fällt insgesamt etwas stärker rostbraun aus. Die Beine sind kurz und schwach, die Füße klein – beides Anzeichen dafür, dass der Ziegenmelker kaum am Boden läuft, sondern sich fliegend oder ruhend auf Ästen fortbewegt. Dabei sitzt er nicht quer, sondern längs auf dem Ast – ein für Vögel ungewöhnliches Verhalten.
Lebensraum & Verbreitung
Das Verbreitungsgebiet des Europäischen Ziegenmelkers erstreckt sich über weite Teile Europas und des westlichen Asiens bis nach Zentralasien und Nordwestchina. In Europa reicht das Brutareal von der Iberischen Halbinsel und den Britischen Inseln nördlich bis Südschweden und Finnland, östlich bis zum Ural. In Mitteleuropa ist die Art ein verbreiteter, aber vielerorts seltener Brutvogel.
Als Habitat bevorzugt der Ziegenmelker lichte, trockene und warme Wälder, insbesondere Kiefernwälder auf Sandböden, Heideflächen, Kahlschläge und Waldränder. Entscheidend ist ein offener, vegetationsarmer Boden für die Brut sowie ausreichende Insektenvorkommen. Auch Trockenrasen, Dünengebiete und Hochmoore mit einzelnen Bäumen werden besiedelt. Geschlossene, schattige Waldbestände und intensiv genutzte Agrarlandschaften meidet er.
Der Ziegenmelker ist ein ausgesprochener Langstreckenzieher. Die europäischen Populationen überwintern in Afrika südlich der Sahara, vorwiegend in der Savannenzone von Westafrika bis Ostafrika. Der Abzug aus den Brutgebieten erfolgt zwischen August und September, die Rückkehr im April und Mai.
Ernährung
Die Nahrung besteht ausschließlich aus Insekten, die im Flug erbeutet werden. Nachtfalter bilden den Hauptanteil der Beute, ergänzt durch Käfer, Schnaken, Eintagsfliegen und andere flugfähige Insekten. Der Ziegenmelker jagt in der Dämmerung und nachts im wendigen, schmetterlingsartig wirkenden Flug, häufig in niedriger Höhe über Lichtungen, Wegen und Gewässern. Er fängt die Beute mit weit geöffnetem Rachen direkt aus der Luft. Die Borsten am Schnabelgrund vergrößern dabei die Fangfläche und leiten Insekten in den Schlund.
Gelegentlich nimmt der Ziegenmelker auch Insekten vom Boden oder von Blättern auf, doch der Luftfang überwiegt deutlich. Die Jagdaktivität steigt bei Vollmond und warmen Nächten, wenn die Insektenflugaktivität hoch ist.
Verhalten & Lebensweise
Der Ziegenmelker ist streng nachtaktiv und dämmerungsaktiv. Tagsüber ruht er reglos am Boden oder auf einem Ast, wo seine Tarnfärbung ihn praktisch unsichtbar macht. Selbst bei Annäherung auf wenige Meter vertraut er auf seine Tarnung und fliegt meist erst im letzten Moment auf – lautlos und mit weichem Flügelschlag.
Männchen besetzen während der Brutzeit Reviere, die sie intensiv mit ihrem Gesang markieren. Der Ruf ist ein lang anhaltendes, gleichmäßig schnurrendes „Errrrr", das minutenlang ohne Unterbrechung vorgetragen wird und an ein entferntes Moped erinnert. Diese Lautäußerung ist bis zu 600 Meter weit hörbar und eines der kennzeichnendsten Geräusche sommerlicher Abende in Heidelandschaften. Die Balz umfasst zudem auffällige Flugmanöver, bei denen das Männchen klatschende Geräusche mit den Flügeln erzeugt und die weißen Flügelflecken präsentiert.
Der Ziegenmelker lebt einzelgängerisch. Außerhalb der Brutzeit gibt es keine festen sozialen Strukturen, und auch auf dem Zug bewegt er sich einzeln oder in lockeren Ansammlungen.
Fortpflanzung & Aufzucht
Der Ziegenmelker baut kein Nest. Das Weibchen legt seine in der Regel zwei Eier direkt auf den nackten Boden – bevorzugt auf Laub, Sand oder Nadeln an einer leicht erhöhten, trockenen Stelle. Die Eier sind weißlich bis cremefarben mit graubraunen Flecken und ebenfalls gut getarnt.
Die Brutdauer beträgt 17–21 Tage. Beide Elternteile bebrüten