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Zunge

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Anatomie & Körperbau > Kopf & Sinnesorgane

Definition & Überblick

Die Zunge (lat. Lingua, griech. Glossa) ist ein überwiegend aus quergestreifter Muskulatur bestehendes Organ der Mundhöhle (Cavum oris). Sie gehört zu den beweglichsten Strukturen des Körpers und erfüllt bei Haus- und Wildtieren essenzielle Funktionen bei der Futteraufnahme, dem Schluckakt, der Geschmackswahrnehmung, der Körperpflege und – je nach Spezies – auch bei der Thermoregulation. Die Zunge ist mit einer spezialisierten Schleimhaut (Tunica mucosa linguae) bedeckt, die je nach Tierart charakteristische Papillen trägt. Form, Größe, Oberflächenstruktur und Beweglichkeit der Zunge variieren zwischen den Tierarten erheblich und spiegeln die jeweilige Ernährungsweise und ökologische Nische wider.

Aufbau & Struktur

Anatomisch gliedert sich die Zunge in drei Abschnitte: die Zungenspitze (Apex linguae), den Zungenkörper (Corpus linguae) und die Zungenwurzel (Radix linguae). An der Unterseite verbindet das Zungenbändchen (Frenulum linguae) die Zunge mit dem Mundhöhlenboden. Bei Wiederkäuern fällt eine dorsale Erhebung am Übergang vom Körper zur Wurzel auf, der sogenannte Zungenwulst (Torus linguae).

Die Zungenmuskulatur wird in eine Binnenmuskulatur (intrinsische Muskulatur) und eine äußere Muskulatur (extrinsische Muskulatur) unterteilt:

  • Binnenmuskulatur: Sie besteht aus longitudinalen, transversalen und vertikalen Muskelfaserzügen (M. longitudinalis superior, M. longitudinalis inferior, M. transversus linguae, M. verticalis linguae), die die Formveränderung der Zunge ermöglichen.
  • Extrinsische Muskulatur: Dazu zählen der M. genioglossus (Vorstreckung), der M. hyoglossus (Zurückziehen und Absenken), der M. styloglossus (Zurückziehen und Anheben) sowie der M. palatoglossus. Diese Muskeln verankern die Zunge am Zungenbein (Os hyoideum), am Unterkiefer und am Schädel.

Die motorische Innervation erfolgt durch den Nervus hypoglossus (XII. Hirnnerv). Die sensible und sensorische Versorgung teilen sich der Nervus lingualis (Ast des N. trigeminus, V) für die vorderen zwei Drittel, die Chorda tympani (Ast des N. facialis, VII) für die Geschmackswahrnehmung im vorderen Bereich sowie der Nervus glossopharyngeus (IX) für das hintere Drittel. Die Blutversorgung erfolgt über die Arteria lingualis aus der Arteria carotis externa.

Die Zungenoberfläche trägt verschiedene Zungenpapillen (Papillae linguales):

  • Papillae filiformes (Fadenpapillen) – mechanische Funktion, bei Katzen stark verhornt
  • Papillae fungiformes (Pilzpapillen) – tragen Geschmacksknospen
  • Papillae vallatae (Wallpapillen) – am Zungengrund gelegen, reich an Geschmacksknospen
  • Papillae foliatae (Blattpapillen) – seitlich am Zungengrund, besonders ausgeprägt beim Kaninchen

Funktion

Die Zunge ist ein multifunktionelles Organ. Ihre Hauptaufgaben umfassen:

  • Futteraufnahme (Prehension): Besonders Rinder nutzen die Zunge aktiv zum Umschlingen und Abreißen von Gras. Hunde und Katzen verwenden sie beim Trinken.
  • Futtermanipulation und Schluckakt (Deglutition): Die Zunge schiebt den Futterbissen (Bolus) gegen den harten Gaumen und befördert ihn rachenwärts.
  • Geschmackswahrnehmung (Gustation): Über die in den Papillae fungiformes, vallatae und foliatae lokalisierten Geschmacksknospen (Caliculi gustatorii) werden die Grundqualitäten süß, sauer, salzig, bitter und umami wahrgenommen.
  • Körperpflege: Katzen und Wiederkäuer nutzen die Zunge intensiv zur Fellpflege. Die verhornten Fadenpapillen der Katze wirken dabei wie eine Bürste.
  • Thermoregulation: Beim Hecheln des Hundes verdunstet Speichel von der Zungenoberfläche und trägt zur Wärmeabgabe bei.
  • Lautgebung: Bei einigen Tierarten beeinflusst die Zungenposition die Vokalisation.

Unterschiede zwischen Tierarten

Die vergleichende Anatomie der Zunge zeigt bemerkenswerte Unterschiede:

  • Rind: Sehr lange, kräftige und raue Zunge mit deutlichem Torus linguae. Die Papillae filiformes sind stark verhornt und dienen dem Abreißen von Gras. Rinder können die Zunge weit vorstrecken und als Greiforgan einsetzen.
  • Pferd: Vergleichsweise glatte, schmale Zunge. Die Lippen übernehmen die Hauptrolle bei der Futteraufnahme, die Zunge spielt eine untergeordnete Rolle bei der Prehension.
  • Katze: Die Fadenpapillen sind zu keratinisierten, nach kaudal gerichteten Dornen umgebildet, die der Fellpflege und dem Ablösen von Fleisch vom Knochen dienen.
  • Hund: Weiche, relativ breite Zunge mit guter Beweglichkeit. Die Zunge dient als wichtige Oberfläche für die Thermoregulation beim Hecheln und for