Aal
ATierart – Fische > Süßwasserfische – heimisch
Steckbrief
- Wissenschaftlicher Name: Anguilla anguilla
- Ordnung: Aalartige (Anguilliformes)
- Familie: Flussaale (Anguillidae)
- Gattung: Anguilla
- Lebensraum: Süßgewässer, Brackwasser, Küstengewässer Europas und Nordafrikas; Laichgebiet im westlichen Atlantik (Sargassosee)
- Größe: Weibchen bis 150 cm, Männchen bis 60 cm
- Gewicht: bis 6 kg (Weibchen), Männchen deutlich leichter
- Lebenserwartung: 15–30 Jahre (in Gefangenschaft über 80 Jahre dokumentiert)
Aussehen & Merkmale
Der Europäische Aal besitzt einen langgestreckten, schlangenförmigen Körper, der von einer durchgehenden Flossensaum-Struktur umgeben ist: Rücken-, Schwanz- und Afterflosse gehen nahtlos ineinander über. Bauchflossen fehlen vollständig. Die Brustflossen sind klein und rundlich. Der Kopf ist leicht abgeflacht mit einem endständigen Maul, das mit feinen, nach hinten gerichteten Zähnen besetzt ist. Die Augen sind im Süßwasserstadium verhältnismäßig klein.
Die Haut des Aals ist mit winzigen, tief eingebetteten Rundschuppen bedeckt, die unter einer dicken Schleimschicht verborgen liegen. Diese Schleimschicht schützt vor Parasiten, reduziert die Reibung beim Schwimmen und ermöglicht dem Aal eine begrenzte Hautatmung. Je nach Lebensphase verändert sich die Färbung erheblich: Junge Aale im Süßwasser (sogenannte Gelbaale) zeigen eine olivgrün bis bräunlich-gelbe Oberseite mit gelblichem Bauch. Vor der Laichwanderung färben sich die Tiere zum sogenannten Blankaal um – die Oberseite wird schwarz, die Bauchseite silbrig-weiß, und die Augen vergrößern sich deutlich.
Zwischen den beiden Geschlechtern besteht ein ausgeprägter Sexualdimorphismus hinsichtlich der Körpergröße. Weibchen erreichen Längen von über einem Meter und ein Mehrfaches des Gewichts der Männchen. Anhand äußerer Merkmale lassen sich die Geschlechter ansonsten kaum unterscheiden.
Lebensraum & Verbreitung
Das Verbreitungsgebiet des Europäischen Aals erstreckt sich über nahezu alle Süßgewässer Europas, von Skandinavien bis Nordafrika, einschließlich der Mittelmeerregion, der britischen Inseln und Islands. Er besiedelt Flüsse, Bäche, Seen, Teiche, Kanäle und Brackwasserzonen. Als Habitat bevorzugt er Gewässer mit weichem, schlammigem Grund, in dem er sich tagsüber eingraben kann. Er kommt sowohl in Tieflandflüssen als auch in Gebirgsbächen vor, sofern diese vom Meer aus erreichbar sind.
Der Aal ist ein euryhalines Tier – er toleriert ein breites Spektrum an Salzgehalten und wechselt im Laufe seines Lebens zwischen Süß-, Brack- und Salzwasser. Sein eigentliches Laichgebiet liegt in der Sargassosee im westlichen Atlantik, mehrere tausend Kilometer von den europäischen Binnengewässern entfernt. Dieses Biotop ist bis heute nicht direkt beobachtet worden; die Annahme stützt sich auf den Fang kleinster Larven in diesem Seegebiet.
Ernährung
Der Europäische Aal ist ein opportunistischer Raubfisch mit einem breiten Nahrungsspektrum. Junge Aale ernähren sich vorwiegend von Insektenlarven, Würmern, kleinen Krebstieren und Schnecken. Mit zunehmender Größe verschiebt sich das Beutespektrum hin zu Fischen, Fröschen und größeren Wirbellosen. Auch Aas wird nicht verschmäht.
Man unterscheidet innerhalb derselben Population zwei Ernährungstypen: den Spitzkopfaal mit schmalem Kopf, der sich überwiegend von Wirbellosen ernährt, und den Breitkopfaal, der stärker auf Fischbeute spezialisiert ist. Diese Unterschiede sind nicht genetisch fixiert, sondern entwickeln sich in Abhängigkeit vom verfügbaren Nahrungsangebot im jeweiligen Gewässer.
Verhalten & Lebensweise
Der Aal ist streng nachtaktiv. Tagsüber verbirgt er sich in Spalten zwischen Steinen, unter Wurzeln, in Schlamm oder in anderen Verstecken am Gewässergrund. Erst in der Dämmerung und bei Dunkelheit geht er auf Nahrungssuche. Dabei orientiert er sich vorrangig über seinen hervorragend entwickelten Geruchssinn – Aale können einzelne Duftmoleküle in extrem geringer Konzentration wahrnehmen.
Aale leben einzelgängerisch und bilden keine Schwärme oder Gruppen im eigentlichen Sinne. An besonders günstigen Stellen, etwa unter Wehren oder in nahrungsreichen Gewässerabschnitten, können sich allerdings höhere Dichten ergeben. Ein Revierverhalten im engeren Sinne ist nicht nachgewiesen.
Eine ungewöhnliche Eigenschaft des Aals ist seine Fähigkeit, kurze Strecken über feuchtes Land zurückzulegen. Durch die Hautatmung kann er außerhalb des Wassers einige Zeit überleben und so etwa Hindernisse umgehen oder isolierte Gewässer erreichen. Diese Landgänge finden bevorzugt in feuchten Nächten statt.
Fortpflanzung & Aufzucht
Die Fortpflanzungsbiologie des Europäischen Aals gehört zu den außergewöhnlichsten unter allen heimischen Fischarten. Aale sind katadrom – sie wachsen im Süßwasser auf und wandern zum Laichen ins Meer. Nach einer Aufenthaltszeit von 5 bis 30 Jahren in den Binnengewässern durchlaufen geschlechtsreife Tiere die Umwandlung zum Blankaal: Die Verdauungsorgane bilden sich zurück, die Gonaden reifen, die Augen vergrößern sich, und die Färbung wechselt zu Silber-Schwarz. Die Tiere nehmen ab diesem Zeitpunkt keine Nahrung mehr auf.
Die Laichwanderung führt die Blankaale über eine Strecke von 5.000 bis 7.000 Kilometern in die Sargassosee südöstlich der Bermud