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Bachneunauge

B

Tierart – Fische > Süßwasserfische – heimisch

Steckbrief

  • Wissenschaftlicher Name: Lampetra planeri (Bloch, 1784)
  • Ordnung: Petromyzontiformes (Neunaugen)
  • Familie: Petromyzontidae (Neunaugen)
  • Gattung: Lampetra
  • Lebensraum: Kleine, saubere Fließgewässer mit sandig-kiesigem Grund
  • Größe: 10–20 cm (adulte Tiere), Querder bis etwa 15 cm
  • Gewicht: 2–7 g
  • Lebenserwartung: 5–8 Jahre (davon 3–5 Jahre als Larve)

Aussehen & Merkmale

Das Bachneunauge gehört nicht zu den echten Fischen, sondern zur stammesgeschichtlich älteren Gruppe der Rundmäuler (Cyclostomata). Sein Körper ist aalförmig und langgestreckt, ohne Kiefer, ohne paarige Flossen und ohne Schuppen. Die Haut ist glatt und schleimig, von graubrauner bis olivgrüner Färbung auf der Oberseite, während die Bauchseite deutlich heller, oft gelblich bis weißlich gefärbt ist.

Namensgebend sind die sieben Kiemenöffnungen auf jeder Körperseite, die zusammen mit dem Auge und der Nasenöffnung den Eindruck von neun Augen erwecken. Das rundliche, scheibenförmige Saugmaul ist mit kleinen Hornzähnen besetzt, die allerdings beim Bachneunauge weniger stark ausgebildet sind als bei parasitisch lebenden Verwandten wie dem Flussneunauge (Lampetra fluviatilis) oder dem Meerneunauge (Petromyzon marinus). Die Augen adulter Tiere sind relativ groß und funktionsfähig, während die Larven – die sogenannten Querder – nur rudimentäre, unter der Haut verborgene Augen besitzen.

Statt einer knöchernen Wirbelsäule besitzt das Bachneunauge eine Chorda dorsalis, einen flexiblen Achsenstab, der zeitlebens erhalten bleibt. Das Skelett besteht vollständig aus Knorpel. Zwei getrennte Rückenflossen sitzen weit hinten am Körper und gehen bei männlichen Tieren zur Laichzeit fast ineinander über.

Lebensraum & Verbreitung

Das Verbreitungsgebiet des Bachneunauges erstreckt sich über weite Teile Europas – von Südskandinavien und den Britischen Inseln über Mitteleuropa bis in den westlichen Mittelmeerraum und den Balkan. In Deutschland kommt die Art in geeigneten Gewässern nahezu flächendeckend vor, ist allerdings regional stark zurückgegangen.

Als typischer Bewohner kleiner bis mittelgroßer Bäche und Flüsse der Forellen- und Äschenregion bevorzugt das Bachneunauge klare, sauerstoffreiche Fließgewässer. Das Habitat muss zwei wesentliche Strukturen bieten: kiesige, gut durchströmte Abschnitte für die Fortpflanzung und ruhigere Bereiche mit feinsandigem oder schlammigem Substrat, in dem die Querder eingegraben leben. Die Larven verbringen mehrere Jahre in diesen Feinsedimentbänken, wo sie sich als Filtrierer ernähren. Gewässerverbauungen, die solche Biotopstrukturen zerstören, wirken sich daher unmittelbar negativ auf die Bestände aus.

Im Gegensatz zum nah verwandten Flussneunauge ist das Bachneunauge eine stationäre Art, die ihren gesamten Lebenszyklus im Süßwasser verbringt und keine Wanderungen zum Meer unternimmt.

Ernährung

Die Ernährungsweise des Bachneunauges unterscheidet sich grundlegend zwischen Larven- und Adultstadium. Die Querder leben als Filtrierer: Eingegraben im Sediment, strudeln sie mit ihrem Mundtrichter Mikroorganismen, Kieselalgen (Diatomeen), Detritus und organische Partikel aus dem Wasser. Ihr Darm ist während dieser Phase voll funktionsfähig und durchgängig gefüllt.

Mit der Metamorphose zum erwachsenen Tier degeneriert der Darm weitgehend. Adulte Bachneunaugen nehmen keine Nahrung mehr auf. Sie leben ausschließlich von den Energiereserven, die während der mehrjährigen Larvenphase angelegt wurden. Damit unterscheidet sich das Bachneunauge deutlich von parasitischen Neunaugenarten wie dem Fluss- oder Meerneunauge, die sich im Adultstadium an andere Fische heften und deren Blut und Körperflüssigkeiten saugen.

Verhalten & Lebensweise

Querder sind überwiegend nachtaktiv und verbringen den Großteil ihres Lebens eingegraben im Feinsediment. Nur bei Störung oder zur Nahrungsaufnahme ragen sie mit dem Vorderkörper aus dem Substrat heraus. Sie leben nicht territorial und können in geeigneten Sedimentbänken in hohen Dichten vorkommen – mehrere hundert Individuen pro Quadratmeter sind dokumentiert.

Adulte Tiere sind ebenfalls vorwiegend dämmerungs- und nachtaktiv. Während der kurzen Phase zwischen Metamorphose und Laichzeit, die nur wenige Monate umfasst, halten sie sich bevorzugt unter Steinen und in Lückensystemen des Gewässergrundes verborgen. Gruppenbildung lässt sich vor allem während der Fortpflanzungszeit beobachten, wenn sich mehrere Tiere an geeigneten Laichplätzen einfinden.

Fortpflanzung & Aufzucht

Die Laichzeit fällt in Mitteleuropa auf die Monate März bis Juni, abhängig von der Wassertemperatur. Die Fortpflanzung beginnt in der Regel, wenn die Wassertemperatur etwa 10–14 °C erreicht. Adulte Männchen und Weibchen versammeln sich an flachen, kiesigen Gewässerabschnitten mit mäßiger Strömung.

Das Männchen bereitet eine flache Laichgrube vor, indem es mit seinem Saugmaul Steine versetzt und Substrat aufwühlt. Das Balzverhalten umfasst das Umschlingen des Weibchens durch das Männchen. Dabei werden Eier und Spermien gleichzeitig abgegeben. Ein Weibchen produziert je nach Körpergröße zwischen 500 und 2.000 Eier. Häufig laichen mehrere Tiere gemeinsam in einer Grube, sodass Gruppenlaichen keine Seltenheit ist.

Nach dem Laichakt sterben die adulten Tiere innerhalb weniger Tage ab – sie