Bachsaibling
BTierart – Fische > Süßwasserfische – heimisch
Steckbrief
- Wissenschaftlicher Name: Salvelinus fontinalis
- Ordnung: Lachsartige (Salmoniformes)
- Familie: Lachsfische (Salmonidae)
- Gattung: Saiblinge (Salvelinus)
- Lebensraum: Kalte, sauerstoffreiche Fließ- und Stillgewässer
- Größe: 20–50 cm, selten bis 86 cm
- Gewicht: 0,3–3 kg, Ausnahmen bis über 6 kg
- Lebenserwartung: 5–8 Jahre, in Ausnahmefällen bis 15 Jahre
Aussehen & Merkmale
Der Bachsaibling besitzt einen langgestreckten, seitlich nur leicht abgeflachten Körper mit der für Lachsfische typischen Fettflosse zwischen Rücken- und Schwanzflosse. Die Grundfärbung des Rückens reicht von olivgrün bis dunkelbraun und ist mit einem auffälligen, wurmlinienartigen Muster (Vermikulation) durchzogen, das ihn von vielen verwandten Arten unterscheidet. Die Flanken sind heller und zeigen zahlreiche kleine, rötliche und bläuliche Punkte, die häufig von einem hellen Hof umgeben sind. Die Bauchseite variiert je nach Jahreszeit und Laichstimmung von gelblich-weiß bis leuchtend orange-rot.
Ein charakteristisches Merkmal sind die weiß gesäumten Vorderkanten der Brust-, Bauch- und Afterflossen, gefolgt von einem schwarzen Streifen. Dieses Zeichnungsmuster ermöglicht eine sichere Unterscheidung gegenüber der heimischen Bachforelle (Salmo trutta fario) und dem Seesaibling (Salvelinus alpinus). Die Schuppen sind sehr klein und in die Haut eingebettet, sodass sich der Fisch glatt anfühlt. Das Maul ist endständig und verhältnismäßig groß; der Oberkiefer reicht bei adulten Tieren deutlich über den Hinterrand des Auges hinaus.
Lebensraum & Verbreitung
Das ursprüngliche Verbreitungsgebiet des Bachsaiblings liegt im östlichen Nordamerika, von Labrador und der Hudson Bay südwärts entlang der Appalachen bis nach Georgia. Im 19. Jahrhundert wurde die Art gezielt nach Europa eingeführt – zunächst nach England (1868), kurz darauf nach Deutschland und in weitere mitteleuropäische Länder. Heute ist der Bachsaibling in zahlreichen Gewässern Mitteleuropas etabliert und gilt als Neozoon.
Sein bevorzugtes Habitat sind kühle, sauerstoffreiche Bäche und Flüsse mit steinigem oder kiesigem Grund und Wassertemperaturen unter 20 °C. Das Optimum liegt zwischen 10 und 16 °C. Darüber hinaus besiedelt er Quellseen, Bergseen und Talsperren. In den Alpen und den deutschen Mittelgebirgen findet er geeignete Biotope in Höhenlagen, wo er teilweise die Bachforelle verdrängt. Gegenüber Gewässerversauerung zeigt er eine höhere Toleranz als die meisten einheimischen Salmoniden, was ihm in sauren Gewässern einen Konkurrenzvorteil verschafft.
Ernährung
Der Bachsaibling ist ein opportunistischer Raubfisch, dessen Nahrungsspektrum stark von der Gewässergröße und der Jahreszeit abhängt. Juvenile Tiere ernähren sich vorwiegend von Zooplankton, Insektenlarven – besonders Eintags-, Stein- und Köcherfliegen – sowie kleinen Krebstieren. Mit zunehmender Körpergröße verschiebt sich die Nahrungszusammensetzung hin zu größerer Beute: Adulte Bachsaiblinge fressen Bachflohkrebse (Gammarus), Würmer, Schnecken und kleine Fische. Auch an der Wasseroberfläche werden gezielt anfliegende oder treibende Insekten aufgenommen, was den Bachsaibling zu einem beliebten Zielfisch in der Fliegenfischerei macht.
In Gewässern mit hoher Populationsdichte kommt es zu intraspezifischer Konkurrenz, die das Wachstum der Einzeltiere deutlich hemmen kann. In nahrungsreichen Stillgewässern erreichen Bachsaiblinge dagegen erheblich größere Körpermaße als in nährstoffarmen Gebirgsbächen.
Verhalten & Lebensweise
Bachsaiblinge sind vorwiegend dämmerungs- und nachtaktiv, können aber in beschatteten Gewässern oder bei trübem Wetter auch tagsüber auf Nahrungssuche gehen. Sie sind standorttreu und besetzen bevorzugt Bereiche mit Strömungsschatten hinter Steinen, unter Totholz oder in Auskolkungen. Adulte Tiere zeigen ein ausgeprägtes Revierverhalten, insbesondere während der Laichzeit. Kleinere Artgenossen werden durch Drohgebärden und kurze Vorstöße aus dem Revier vertrieben.
Im Gegensatz zu manchen anderen Salmoniden bildet der Bachsaibling keine Schwärme. Jungfische halten sich zwar in losen Gruppen auf, doch mit zunehmender Größe leben die Tiere einzelgängerisch. Bei Gewässertemperaturen über 20 °C gerät der Bachsaibling in Hitzestress; Temperaturen über 25 °C sind bereits letal. In Hitzeperioden suchen die Fische kühlere Zuflüsse oder grundwassergespeiste Bereiche auf.
Fortpflanzung & Aufzucht
Die Laichzeit fällt in Mitteleuropa auf die Monate Oktober bis Dezember und liegt damit etwas früher als bei der Bachforelle. Das Laichgeschäft findet über kiesigem Grund in flachen, gut durchströmten Gewässerabschnitten statt. Das Weibchen schlägt mit kräftigen Schwanzbewegungen eine Laichgrube in den Kies, in die es zwischen 200 und 5.000 Eier ablegt. Die Eizahl hängt stark von Körpergröße und Ernährungszustand ab. Die Eier sind mit 3,5–5 mm Durchmesser vergleichsweise groß und leuchtend orange gefärbt.
Ein oder mehrere Männchen besamen die Eier unmittelbar nach der Ablage. Anschließend deckt das Weibchen die Laichgrube mit Kies zu. Die Embryonalentwicklung dauert je nach Wassertemperatur 2 bis 3 Monate. Die Larven verbleiben nach dem Schlupf noch mehrere Wochen im Kiessubstrat und zehren von ihrem Dottersack, bevor