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Bartgrundel

B

Tierart – Fische > Süßwasserfische – heimisch

Steckbrief

  • Wissenschaftlicher Name: Barbatula barbatula (Linnaeus, 1758)
  • Ordnung: Karpfenartige (Cypriniformes)
  • Familie: Bachschmerlen (Nemacheilidae)
  • Gattung: Barbatula
  • Lebensraum: Klare, sauerstoffreiche Fließgewässer und Seen mit steinigem oder kiesigem Grund
  • Größe: 8–15 cm, selten bis 18 cm
  • Gewicht: 10–30 g
  • Lebenserwartung: 5–7 Jahre, in Ausnahmefällen bis 10 Jahre

Aussehen & Merkmale

Die Bartgrundel ist ein kleiner, langgestreckter Süßwasserfisch mit einem im Querschnitt nahezu drehrunden Körper. Die Grundfärbung variiert je nach Habitat von gelbbraun über olivgrün bis graubraun, wobei die Flanken und der Rücken ein unregelmäßiges Muster aus dunkleren Flecken und Marmorierungen aufweisen. Die Bauchseite ist deutlich heller, meist weißlich bis gelblich.

Namensgebend sind die sechs kurzen Barteln am Oberkiefer – vier davon sitzen an der Oberlippe, zwei an den Mundwinkeln. Diese Tastorgane dienen der Nahrungssuche am Gewässergrund. Der Kopf ist leicht abgeflacht, das Maul unterständig, was die bodenorientierte Lebensweise widerspiegelt. Die Augen sind relativ klein und sitzen hoch am Kopf.

Die Schuppen der Bartgrundel sind sehr klein und in die Haut eingebettet, sodass der Fisch sich glatt und fast schuppenlos anfühlt. Die Rückenflosse ist kurz und steht etwa in der Körpermitte. Die Schwanzflosse ist gerade abgeschnitten oder leicht gerundet, nicht gegabelt. Eine Schwimmblase ist nur rudimentär vorhanden, was erklärt, warum sich die Bartgrundel fast ausschließlich am Gewässerboden aufhält und nicht frei im Wasser schwebt.

Lebensraum & Verbreitung

Das Verbreitungsgebiet der Bartgrundel erstreckt sich über weite Teile Europas und reicht ostwärts bis nach Sibirien und China. In Mitteleuropa ist sie in Deutschland, Österreich und der Schweiz weit verbreitet und zählt zu den heimischen Süßwasserfischen. Lediglich auf der Iberischen Halbinsel, in Süditalien, Nordskandinavien und auf den Britischen Inseln (mit Ausnahme Englands) fehlt sie.

Ihr bevorzugtes Biotop sind klare, sauerstoffreiche Bäche und kleinere Flüsse mit kiesigem, sandigem oder steinigem Substrat. Man findet sie typischerweise in der Forellen- und Äschenregion von Fließgewässern. Daneben besiedelt sie auch flache Uferbereiche von Seen, sofern die Wasserqualität stimmt. Entscheidend für das Vorkommen ist ein lockeres Lückensystem im Substrat – Kies und Steine, unter denen sich die Tiere verstecken können. Gewässerabschnitte mit hoher Feinsedimentbelastung oder Verschlammung werden gemieden.

Die Bartgrundel gilt als Indikatorart für eine gute Gewässerstruktur. Wo sie vorkommt, ist das Gewässer in der Regel morphologisch intakt und weist ein naturnahes Sohlsubstrat auf.

Ernährung

Die Bartgrundel ernährt sich als Allesfresser überwiegend von kleinen wirbellosen Tieren, die sie am Gewässergrund aufspürt. Zu den Hauptnahrungsquellen zählen Insektenlarven – insbesondere von Zuckmücken, Eintagsfliegen und Köcherfliegen –, Kleinkrebse, Würmer und Schnecken. Ergänzend werden pflanzliche Bestandteile, Algen und organische Partikel aus dem Sediment aufgenommen.

Die Nahrungssuche erfolgt vorwiegend tastend mithilfe der Barteln. Der Fisch durchstöbert dabei systematisch den Kies und Sand, wobei er Sedimentpartikel aufnimmt, die genießbaren Bestandteile herausfiltert und den Rest durch die Kiemen wieder ausstößt. Diese Ernährungsweise macht die Bartgrundel zu einem wichtigen Glied im benthischen Nahrungsnetz kleinerer Fließgewässer.

Verhalten & Lebensweise

Die Bartgrundel ist ein überwiegend nachtaktiver und dämmerungsaktiver Bodenfisch. Tagsüber verbirgt sie sich unter Steinen, Totholz oder im Lückensystem des Kieses und wird erst bei nachlassendem Licht aktiv. Bei Störungen reagiert sie mit schnellen, kurzen Fluchtschwimmbewegungen und sucht sofort wieder Deckung im Substrat.

Die Art ist nicht territorial im engeren Sinne, zeigt aber eine ausgeprägte Standorttreue. Einzelne Individuen halten sich über Wochen und Monate in einem eng begrenzten Gewässerabschnitt auf. Bartgrundeln leben nicht in Schwärmen, können aber in geeigneten Habitaten in hohen Dichten vorkommen, wobei sich mehrere Tiere denselben Unterschlupf teilen. Eine ausgeprägte soziale Struktur oder Revierverteidigung ist nicht bekannt.

Da die Schwimmblase stark reduziert ist, bewegt sich die Bartgrundel am Boden eher kriechend als schwimmend. Kurze Schwimmstöße nutzt sie lediglich für die Flucht oder den Wechsel zwischen Verstecken. In Fließgewässern hält sie sich bevorzugt in strömungsberuhigten Bereichen hinter Steinen oder in Kolken auf.

Fortpflanzung & Aufzucht

Die Laichzeit der Bartgrundel fällt in die Monate April bis Juni, wenn die Wassertemperatur etwa 10–14 °C erreicht. Eine ausgeprägte Balz findet nicht statt. Die Weibchen geben ihre klebrigen, etwa 1 mm großen Eier portionsweise über mehrere Wochen verteilt auf Kies, Steine oder Wasserpflanzen ab. Ein Weibchen kann pro Saison insgesamt 1.000 bis 10.000 Eier produzieren.

Die Eier haften am Substrat und entwickeln sich ohne elterliche Fürsorge. Die Embryonalentwicklung dauert je nach Wassertemperatur etwa zwei bis vier Wochen. Die frisch geschlüpften Larven sind nur wenige Millimeter lang und halten sich zunächst im Lückensystem des Kieses auf, wo sie vor Fressfeinden geschützt sind. Die