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Bitterling

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Tierart – Fische > Süßwasserfische – heimisch

Steckbrief

  • Wissenschaftlicher Name: Rhodeus amarus
  • Ordnung: Karpfenartige (Cypriniformes)
  • Familie: Karpfenfische (Cyprinidae)
  • Gattung: Rhodeus
  • Lebensraum: Stehende und langsam fließende Süßgewässer mit sandigem oder schlammigem Grund
  • Größe: 5–9 cm, selten bis 11 cm
  • Gewicht: 5–15 g
  • Lebenserwartung: 3–5 Jahre, in Ausnahmefällen bis 8 Jahre

Aussehen & Merkmale

Der Bitterling ist einer der kleinsten einheimischen Süßwasserfische Europas. Sein Körper ist hochrückig, seitlich stark abgeflacht und erinnert in der Silhouette an eine kleine Brasse. Die Grundfärbung variiert zwischen silbrig-grau und grünlich-blau, wobei die Flanken einen metallischen Glanz aufweisen. Ein auffälliges Merkmal ist der blaugrüne Längsstreifen, der sich von der Schwanzwurzel bis etwa zur Körpermitte erstreckt. Dieser Streifen ist bei Jungtieren besonders deutlich ausgeprägt.

Die Schuppen sind relativ groß und lassen sich leicht zählen – entlang der Seitenlinie finden sich nur 34 bis 38 Stück. Die Flossen sind weitgehend farblos bis leicht gelblich. Zur Laichzeit durchlaufen die Männchen eine auffällige Umfärbung: Kehle und Brust nehmen eine intensive Rotfärbung an, der Rücken schimmert dunkelgrün, und an der Schnauze bildet sich ein weißlicher Laichausschlag aus kleinen Hornperlen. Weibchen bleiben ganzjährig unauffälliger gefärbt, entwickeln aber während der Fortpflanzungszeit eine mehrere Zentimeter lange Legeröhre – ein einzigartiges Organ unter den mitteleuropäischen Fischarten.

Lebensraum & Verbreitung

Das natürliche Verbreitungsgebiet des Bitterlings erstreckt sich von Frankreich über Mitteleuropa bis nach Kleinasien und in das Einzugsgebiet des Kaspischen Meeres. In Deutschland kommt die Art vor allem in den Flussgebieten von Rhein, Elbe, Donau und Oder vor, wobei die Bestände regional stark schwanken. In England wurde der Bitterling im 19. Jahrhundert eingeführt und konnte sich lokal etablieren.

Als Habitat bevorzugt der Bitterling stehende bis langsam fließende Gewässer mit klarem, sauerstoffreichem Wasser. Typische Biotope sind Altarme, Weiher, Gräben, flache Seen und ruhige Buchten größerer Flüsse. Entscheidend für das Vorkommen ist nicht allein die Wasserqualität, sondern vor allem die Anwesenheit von Großmuscheln der Gattungen Unio (Flussmuscheln) und Anodonta (Teichmuscheln). Ohne diese Muscheln als Wirtstiere kann sich der Bitterling nicht fortpflanzen, weshalb sein Vorkommen unmittelbar an deren Bestände gekoppelt ist. Ein sandiger oder schlammiger Gewässergrund, in dem sich die Muscheln eingraben können, sowie eine ausgeprägte Unterwasservegetation kennzeichnen geeignete Lebensräume.

Ernährung

Der Bitterling ernährt sich überwiegend pflanzlich. Den Hauptbestandteil seiner Nahrung bilden Algenaufwuchs, Fadenalgen und feine Pflanzenteile, die er von Steinen, Wasserpflanzen und dem Gewässergrund abweidet. Ergänzend nimmt er tierische Kost auf, darunter Kleinkrebse, Insektenlarven, Würmer und Muschellarven (Glochidien). Sein kleines, leicht unterständiges Maul ist an das Abweiden feiner Nahrungspartikel angepasst. Saisonale Schwankungen im Nahrungsangebot führen dazu, dass der pflanzliche Anteil im Sommer deutlich höher ausfällt als in den kälteren Monaten, in denen verstärkt tierische Nahrung aufgenommen wird.

Verhalten & Lebensweise

Bitterlinge sind tagaktive Schwarmfische, die sich meist in kleinen Gruppen von zehn bis mehreren Dutzend Individuen aufhalten. Sie schwimmen bevorzugt in den mittleren und unteren Wasserschichten, oft in unmittelbarer Nähe von Muschelkolonien. Außerhalb der Laichzeit verhalten sich die Tiere friedlich und wenig territorial.

Während der Fortpflanzungsperiode von April bis Juni ändert sich das Verhalten der Männchen grundlegend. Sie besetzen ein kleines Revier rund um eine oder mehrere Süßwassermuscheln und verteidigen dieses aggressiv gegen Rivalen. Die Balz umfasst auffällige Imponiergebärden: Das Männchen zeigt sich in voller Prachtfärbung, spreizt die Flossen und führt vor dem Weibchen zitternde Schwimmbewegungen aus. Dabei wird das Weibchen gezielt zur Muschel geleitet.

Im Winter ziehen sich Bitterlinge in tiefere Gewässerabschnitte zurück und reduzieren ihre Aktivität deutlich. Eine echte Winterruhe findet jedoch nicht statt.

Fortpflanzung & Aufzucht

Die Fortpflanzung des Bitterlings ist untrennbar mit Großmuscheln verbunden und stellt eine der ungewöhnlichsten Brutstrategien unter den europäischen Süßwasserfischen dar. Ab April, wenn die Wassertemperaturen auf etwa 15 °C steigen, beginnt die Laichzeit.

Das Weibchen entwickelt eine bis zu 5 cm lange, schlauchförmige Legeröhre (Ovipositor), die zwischen After- und Bauchflossen aus der Körperöffnung hervortritt. Mit diesem Organ führt das Weibchen einzelne Eier durch die Atemöffnung (Sipho) in den Kiemenraum einer lebenden Muschel ein. Dort werden die Eier vom Männchen befruchtet, das seinen Samen in die Einströmöffnung der Muschel abgibt. Ein Weibchen legt pro Saison etwa 40 bis 100 Eier, verteilt auf mehrere Muscheln und über einen Zeitraum von mehreren Wochen.

Im geschützten Kiemenraum der Muschel entwickeln sich die Embryonen und Larven über einen Zeitraum von zwei bis vier Wochen. Die Muschel versorgt die Brut indirekt mit frischem, sauerstoffreichem Atemwasser. Nach dem Schlupf verlassen die etwa