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Achatschnecke

A

Tierart – Wirbellose > Weichtiere – Schnecken

Steckbrief

  • Wissenschaftlicher Name: Achatina fulica (Bowdich, 1822), heute gültig: Lissachatina fulica
  • Ordnung: Lungenschnecken (Pulmonata)
  • Familie: Achatinidae (Afrikanische Riesenschnecken)
  • Gattung: Lissachatina (früher Achatina)
  • Lebensraum: Tropische und subtropische Regionen; ursprünglich Ostafrika
  • Gehäuselänge: 10–20 cm, in Ausnahmefällen bis 30 cm
  • Gewicht: 200–500 g, einzelne Exemplare über 600 g
  • Lebenserwartung: 5–10 Jahre, in Gefangenschaft bis 12 Jahre

Aussehen & Merkmale

Die Achatschnecke gehört zu den größten Landschnecken der Welt. Ihr Gehäuse ist konisch-spindelförmig und besteht aus sieben bis neun Windungen. Die Grundfarbe variiert zwischen hellbraun, gelblich und rötlich-braun, durchzogen von unregelmäßigen dunkelbraunen bis schwarzen Längsstreifen. Diese Musterung erinnert an den Halbedelstein Achat, was der Schnecke ihren deutschen Namen gab. Die Gehäuseoberfläche ist leicht rau und matt, bei jüngeren Tieren oft glänzender.

Der weiche Körper (Fuß) ist grau bis dunkelbraun gefärbt und mit einer feuchten Schleimschicht überzogen, die der Fortbewegung und dem Schutz vor Austrocknung dient. Am Kopf befinden sich zwei Paar Tentakel: Die oberen, längeren tragen die Augen, die unteren dienen dem Tast- und Geruchssinn. Eine Radula – ein mit feinen Zähnchen besetztes Reibeorgan – ermöglicht die Zerkleinerung der Nahrung. Das Gehäuse wird von einem muskulösen Mantel gebildet, der den Eingeweidesack umschließt und kontinuierlich neues Schalenmaterial aus Calciumcarbonat absondert.

Lebensraum & Verbreitung

Das ursprüngliche Verbreitungsgebiet der Achatschnecke liegt in den Küstenregionen und Tieflandwäldern Ostafrikas, insbesondere in Kenia, Tansania und Mosambik. Durch menschliche Verschleppung – teils als Nahrungsmittel, teils als Ziertier – hat sich die Art inzwischen über weite Teile der Tropen und Subtropen ausgebreitet. Stabile Populationen existieren in Süd- und Südostasien, auf zahlreichen pazifischen Inseln, in der Karibik sowie in Teilen Südamerikas.

Als Habitat bevorzugt die Achatschnecke feuchte, warme Biotope mit Temperaturen zwischen 20 und 30 °C und hoher Luftfeuchtigkeit. Dazu zählen Waldränder, Plantagen, Gärten und landwirtschaftliche Nutzflächen. Die Art zeigt eine hohe Anpassungsfähigkeit und besiedelt auch gestörte Lebensräume wie Brachland und urbane Randzonen. In gemäßigten Klimazonen kann sie im Freien nicht dauerhaft überleben, weshalb sie in Europa ausschließlich in Terrarien gehalten wird.

Ernährung

Achatschnecken sind Pflanzenfresser mit einem ausgesprochen breiten Nahrungsspektrum. Sie fressen Blätter, Früchte, Blüten und Rinde von über 500 verschiedenen Pflanzenarten. In landwirtschaftlichen Gebieten richten sie erhebliche Schäden an Nutzpflanzen wie Salat, Kohl, Bananen, Kakao und Papaya an. Zusätzlich nehmen sie Kalk und kalkhaltiges Substrat auf, um Material für den Aufbau und die Reparatur ihres Gehäuses zu gewinnen. Gelegentlich fressen sie auch Aas, Kot anderer Tiere oder Papier, was ihre Rolle als opportunistische Allesfresser unterstreicht.

In der Terrarienhaltung werden Achatschnecken mit einem Mix aus frischem Obst, Gemüse und Salatblättern ernährt. Sepiaschalen oder gemahlene Eierschalen dienen als Calciumquelle, die für ein gesundes Gehäusewachstum unverzichtbar ist.

Verhalten & Lebensweise

Achatschnecken sind überwiegend nachtaktiv und dämmerungsaktiv. Tagsüber verbergen sie sich unter Laub, Steinen, Baumrinden oder in Erdspalten, um sich vor direkter Sonneneinstrahlung und dem damit verbundenen Wasserverlust zu schützen. Bei Einbruch der Dunkelheit werden sie aktiv und begeben sich auf Nahrungssuche. Die Fortbewegung erfolgt durch wellenförmige Muskelkontraktionen der Fußsohle auf einem selbst produzierten Schleimteppich.

In Trockenperioden oder bei ungünstigen Temperaturen können Achatschnecken in eine Trockenstarre (Ästivation) eintreten. Dabei verschließen sie die Gehäusemündung mit einem getrockneten Schleimhäutchen, dem sogenannten Epiphragma, und reduzieren ihren Stoffwechsel drastisch. Dieser Zustand kann mehrere Monate andauern, bis wieder geeignete Bedingungen herrschen.

Die Tiere leben solitär, zeigen aber keine Territorialität. An nahrungsreichen Stellen versammeln sich häufig mehrere Individuen, ohne dass es zu aggressiven Interaktionen kommt.

Fortpflanzung & Aufzucht

Achatschnecken sind Zwitter (Hermaphroditen): Jedes Tier besitzt sowohl männliche als auch weibliche Geschlechtsorgane. Zur Fortpflanzung ist dennoch in der Regel eine Paarung zwischen zwei Individuen erforderlich, bei der ein gegenseitiger oder einseitiger Spermientausch stattfindet. Die Paarung kann mehrere Stunden dauern. Nach der Befruchtung speichert die Schnecke die Spermien und kann über Monate hinweg mehrere Gelege produzieren, ohne sich erneut paaren zu müssen.

Ein einzelnes Gelege umfasst je nach Art und Alter des Tieres zwischen 100 und 400 Eier, die in selbst gegrabene Erdmulden abgelegt werden. Die Eier sind oval, gelblich-weiß, etwa 5 mm groß und haben eine feste, kalkhaltige Schale. Bei Temperaturen um 25 °C schlüpfen die Jungschnecken nach