Nacktkiemer
NTierart – Wirbellose > Weichtiere – Schnecken
Steckbrief
- Wissenschaftlicher Name: Nudibranchia
- Ordnung: Nudibranchia (Nacktkiemer)
- Überordnung: Nudipleura
- Klasse: Gastropoda (Schnecken)
- Stamm: Mollusca (Weichtiere)
- Anzahl bekannter Arten: über 3.000
- Lebensraum: Meeresböden aller Ozeane, von tropischen Korallenriffen bis zu polaren Gewässern
- Größe: 4 mm bis ca. 60 cm, je nach Art
- Gewicht: wenige Milligramm bis etwa 1,5 kg
- Lebenserwartung: wenige Wochen bis etwa 1 Jahr, artabhängig
Aussehen & Merkmale
Nacktkiemer gehören zu den farbenprächtigsten Vertretern der Weichtiere. Ihr auffälligstes Merkmal ist das vollständige Fehlen eines Gehäuses im Adultstadium – eine Eigenschaft, die sie von den meisten anderen Schnecken unterscheidet. Im Larvenstadium besitzen sie noch eine dünne Schale, die während der Metamorphose abgeworfen wird. Der weiche, längliche Körper ist dorsoventral abgeflacht und von einem muskulösen Fuß unterlagert, mit dem sich die Tiere kriechend fortbewegen.
Die Ordnung wird traditionell in zwei Hauptgruppen unterteilt: die Doridina (Sternschnecken) und die Aeolidina (Fadenschnecken). Bei den Doridina, zu denen etwa die artenreiche Gattung Chromodoris gehört, befinden sich federartige Kiemenbüschel als Rosette um die Afteröffnung am Hinterende des Rückens. Diese frei liegenden Kiemen gaben der gesamten Ordnung ihren Namen – „Nudibranchia" leitet sich vom lateinischen nudus (nackt) und dem griechischen branchia (Kieme) ab.
Die Fadenschnecken (Aeolidina) tragen statt der Kiemenrosette zahlreiche fingerförmige Rückenanhänge, die sogenannten Cerata. Diese dienen sowohl der Atmung über ihre vergrößerte Oberfläche als auch der Verteidigung. Am Kopf sitzen zwei Paar Tentakel: die oralen Tentakel nahe dem Mund, die der Tastwahrnehmung dienen, sowie die Rhinophoren, chemosensorische Organe, mit denen die Tiere gelöste Stoffe im Wasser wahrnehmen und Nahrungsquellen oder Geschlechtspartner aufspüren.
Die Farbpalette der Nacktkiemer reicht von leuchtendem Blau, Orange und Rot über Neongelb bis zu transparenten und kryptisch gefärbten Formen. Diese Färbung ist kein Zufall, sondern erfüllt je nach Art unterschiedliche Funktionen: Warnfärbung (Aposematismus), Tarnung (Krypsis) oder Mimikry.
Lebensraum & Verbreitung
Das Verbreitungsgebiet der Nacktkiemer erstreckt sich über sämtliche Weltmeere. Die größte Artendichte findet sich in tropischen und subtropischen Gewässern, besonders im Indopazifik und im sogenannten Korallendreieck zwischen den Philippinen, Indonesien und Papua-Neuguinea. Doch auch in gemäßigten und kalten Meeren, etwa der Nordsee, dem Mittelmeer und sogar unter arktischem Eis, kommen zahlreiche Arten vor.
Als Habitat bevorzugen die meisten Arten Hartsubstrate wie Korallenriffe, Felsküsten und Algenwälder. Einige Spezies leben auf Weichböden, andere in der Gezeitenzone. Die Tiere sind ausschließlich marin; Süßwasser- oder Landformen existieren nicht. Die meisten Arten sind benthisch, leben also am Meeresboden. Wenige Gattungen wie Glaucus haben eine pelagische Lebensweise entwickelt und treiben an der Wasseroberfläche, wo sie sich von Staatsquallen ernähren.
Ernährung
Nacktkiemer sind überwiegend Nahrungsspezialisten. Die meisten Arten ernähren sich von sessilen Organismen: Schwämme, Hydrozoen, Moostierchen (Bryozoa), Seeanemonen, Korallen oder Manteltiere stehen je nach Gattung auf dem Speiseplan. Einige Arten, etwa der Gattung Favorinus, fressen die Gelege anderer Nacktkiemer. Die Nahrungsaufnahme erfolgt über eine Raspelzunge (Radula), deren Zahnform artspezifisch an die jeweilige Beute angepasst ist.
Besonders die Fadenschnecken zeigen eine außergewöhnliche Fähigkeit: die Kleptocnidie. Sie fressen Nesseltiere wie Hydrozoen, ohne deren Nesselkapseln (Cnidocysten) auszulösen. Die unverdauten Nesselkapseln werden über spezielle Kanäle in die Spitzen der Cerata transportiert und dort gespeichert, wo sie der eigenen Verteidigung dienen. Einige tropische Arten betreiben zudem Kleptoplastie – sie inkorporieren funktionsfähige Chloroplasten aus ihrer Algennahrung in das eigene Gewebe und gewinnen daraus Energie durch Photosynthese.
Verhalten & Lebensweise
Nacktkiemer sind überwiegend solitär lebende Tiere, die kein Revier verteidigen. Viele Arten sind nachtaktiv und verstecken sich tagsüber in Spalten oder unter Steinen. Bei der Fortbewegung gleiten sie langsam über das Substrat; die Geschwindigkeit beträgt selten mehr als wenige Zentimeter pro Minute. Trotz ihrer geringen Mobilität können manche Arten über Meeresströmungen größere Distanzen zurücklegen.
Die Verteidigung gegen Fressfeinde erfolgt über mehrere Strategien. Neben der bereits erwähnten Warnfärbung und den eingelagerten Nesselkapseln produzieren viele Doridina chemische Abwehrstoffe. Diese werden teils aus der Nahrung – etwa aus Schwämmen – aufgenommen und in Drüsen der Rückenhaut (Manteldrüsen) konzentriert. Die sezernierten Substanzen umfassen Terpene, Alkaloide und andere sekundäre Metaboliten, die für Fische und Krebstiere ungenießbar oder toxisch sind.
Fortpflanzung & Aufzucht
Alle Nacktkiemer sind Simultanzwitter: Jedes Individuum verfügt gleichzeitig über