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Napfschnecke

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Tierart – Wirbellose > Weichtiere – Schnecken

Steckbrief

  • Wissenschaftlicher Name: Patella vulgata (Gemeine Napfschnecke); zahlreiche weitere Arten in mehreren Familien
  • Klasse: Gastropoda (Schnecken)
  • Ordnung: Patellogastropoda
  • Familie: Patellidae (Echte Napfschnecken), daneben u. a. Acmaeidae, Lottiidae, Nacellidae
  • Lebensraum: Felsige Gezeitenzonen (Eulitoral) aller Weltmeere
  • Größe: Je nach Art 1–8 cm Schalenlänge, einzelne tropische Arten bis 12 cm
  • Gewicht: Wenige Gramm bis ca. 30 g
  • Lebenserwartung: 10–20 Jahre, in Ausnahmefällen über 20 Jahre

Aussehen & Merkmale

Der Name „Napfschnecke" beschreibt bereits das auffälligste Merkmal: eine flache, kegelförmige Schale, die einem umgedrehten Napf ähnelt. Anders als bei den meisten Schnecken fehlt die typische spiralige Windung fast vollständig; sie ist nur in einem frühen Larvalstadium angelegt und geht während des Wachstums in die konische Schalenform über. Die Oberfläche der Kalkschale trägt radiale Rippen und konzentrische Wachstumslinien, deren Ausprägung je nach Art und Standort variiert. Die Farbe reicht von grau-weiß über grünlich-braun bis dunkelbraun, häufig bedeckt von einem Aufwuchs aus Algen und kleinen Seepocken.

Der Weichkörper besteht aus einem muskulösen, breiten Fuß, der nahezu die gesamte Schalenöffnung ausfüllt. Dieser Fuß dient sowohl der Fortbewegung als auch der Haftung am Untergrund. Am Kopf befinden sich zwei Tentakel mit einfachen Augen an der Basis. Im Mundbereich liegt die Radula – eine mit Zähnchen besetzte Raspelzunge, die bei Napfschnecken zu den härtesten biologischen Strukturen überhaupt zählt: Die Zähne enthalten Goethit, ein Eisenoxid-Mineral, das ihnen eine Härte verleiht, die jene von menschlichem Zahnschmelz übertrifft.

Die Kiemen sind artabhängig unterschiedlich angeordnet. Bei den Patellidae liegt ein Kranz von Kiemenblättchen rund um den Mantelrand, während andere Familien eine einzelne Kieme in der Mantelhöhle tragen.

Lebensraum & Verbreitung

Napfschnecken besiedeln felsige Küstenabschnitte weltweit, von polaren bis zu tropischen Gewässern. Ihr bevorzugtes Habitat ist das Eulitoral – die Gezeitenzone, die bei Ebbe trockenfällt und bei Flut überspült wird. Besonders hohe Populationsdichten finden sich an exponierten Brandungsfelsen, wo die Wellenbewegung eine ständige Zufuhr von Nährstoffen gewährleistet.

Die Gemeine Napfschnecke (Patella vulgata) ist an den Küsten des Nordostatlantiks verbreitet, von Norwegen über die Britischen Inseln und Frankreich bis nach Portugal. Im Mittelmeer wird sie von der Art Patella caerulea abgelöst. An der nordamerikanischen Pazifikküste dominieren Vertreter der Gattung Lottia, während in der Antarktis die Gattung Nacella vorkommt. In den Tropen sind Napfschnecken der Familie Acmaeidae und Siphonaridae verbreitet. Das Verbreitungsgebiet der Gruppe umfasst somit praktisch alle küstennahen Meeresgebiete mit festem Substrat.

Ernährung

Napfschnecken ernähren sich vorwiegend von Mikroalgen, die als dünner Biofilm die Felsoberflächen überziehen. Beim Weiden schiebt die Schnecke ihre Radula rhythmisch über den Stein und raspelt dabei den Algenbelag mitsamt einer dünnen Gesteinsschicht ab. Die Fressaktivität hinterlässt sichtbare Spuren auf dem Fels – ein Hinweis auf die enorme Härte der Radulazähne.

Die Nahrungsaufnahme findet überwiegend bei Flut oder in feuchten Nächten während der Ebbe statt. Einige Arten weiden auch größere Algenarten und Flechten der Spritzwasserzone ab. Durch ihre Abweidetätigkeit beeinflussen Napfschnecken die Zusammensetzung der Algengemeinschaften auf Felsen erheblich und gelten daher als Schlüsselarten (Keystone Species) ihres Biotops.

Verhalten & Lebensweise

Napfschnecken sind überwiegend nachtaktiv oder bei Flut aktiv. Viele Arten zeigen ein ausgeprägtes Heimfindevermögen: Nach ihren Weidegängen kehren sie zu einem festen Ruheplatz zurück – der sogenannten Stammnarbe. An dieser Stelle hat die Schnecke den Schalenrand exakt an die Felsoberfläche angepasst, sodass ein nahezu luftdichter Abschluss entsteht. Dieses Verhalten schützt vor Austrocknung während der Ebbe und erschwert es Fressfeinden, die Schnecke vom Substrat zu lösen.

Die Haftkraft des Fußes ist enorm. Sie kann das Mehrfache des eigenen Körpergewichts betragen und wird durch eine Kombination aus muskulärer Saugwirkung und einem Schleimfilm zwischen Fuß und Fels erzeugt. Zu den natürlichen Fressfeinden zählen Austernfischer, Purpurschnecken, Seesterne und Krabben. Bei Berührung oder Annäherung eines Räubers reagieren viele Napfschnecken mit einer Fluchtbewegung: Sie drücken die Schale fest auf den Untergrund und können sich sogar ruckartig fortbewegen, um Seesternarme abzuschütteln.

Fortpflanzung & Aufzucht

Die meisten Napfschneckenarten sind getrenntgeschlechtlich, einige zeigen jedoch einen protandrischen Geschlechtswechsel – sie beginnen ihr Leben als Männchen und wandeln sich mit zunehmendem Alter und Körpergröße in Weibchen um. Die Fortpflanzung erfolgt durch externe Befruchtung: Männchen und Weibchen geben Spermien und Eier ins freie Wasser ab, wo die Befruchtung stattfindet. Die Laichzeit liegt in gemäßigten Breiten meist im