Aguti
ATierart – Säugetiere > Nagetiere
Steckbrief
- Wissenschaftlicher Name: Dasyprocta (Gattung mit mehreren Arten, z. B. Dasyprocta leporina – Goldrückenagouti)
- Ordnung: Nagetiere (Rodentia)
- Familie: Agutis (Dasyproctidae)
- Gattung: Dasyprocta
- Lebensraum: Tropische und subtropische Wälder, Savannen und Mangroven Mittel- und Südamerikas
- Größe: Kopf-Rumpf-Länge 40–65 cm
- Gewicht: 1,5–4 kg, je nach Art
- Lebenserwartung: 15–20 Jahre in Gefangenschaft, in freier Wildbahn deutlich kürzer
Aussehen & Merkmale
Agutis sind mittelgroße Nagetiere mit einem schlanken, hochbeinigen Körperbau, der sie deutlich von vielen anderen Vertretern der Ordnung Rodentia unterscheidet. Die Hinterbeine sind erheblich länger als die Vorderbeine, was den Tieren eine aufrechte, fast hasenähnliche Fortbewegung ermöglicht. Die Zehen tragen hufartige Krallen – ein Merkmal, das unter Nagetieren ungewöhnlich ist und die Anpassung an schnelles Laufen auf dem Waldboden widerspiegelt.
Das Fell ist kurz, glatt und grob. Die Färbung variiert je nach Art von goldbraun über olivgrün bis dunkelbraun oder schwarz. Typisch ist ein leicht glänzender, gebänderter Effekt der einzelnen Haare (Agouti-Zeichnung), bei dem jedes Haar mehrere Farbzonen aufweist. Dieser Zeichnungstyp ist so charakteristisch, dass er in der Genetik als „Agouti-Muster" in die Fachsprache eingegangen ist und bei der Beschreibung der Fellfarbe zahlreicher anderer Säugetiere verwendet wird.
Der Kopf ist rundlich mit großen, dunklen Augen und relativ kleinen, abgerundeten Ohren. Der Schwanz ist stark reduziert und äußerlich kaum sichtbar – ein deutliches Unterscheidungsmerkmal gegenüber den nah verwandten Acouchis (Gattung Myoprocta), die einen kurzen, aber sichtbaren Schwanz besitzen.
Lebensraum & Verbreitung
Das Verbreitungsgebiet der Gattung Dasyprocta erstreckt sich von Südmexiko über Mittelamerika bis in weite Teile Südamerikas, einschließlich Brasiliens, Venezuelas, Kolumbiens, Ecuadors und der Guyanas. Einzelne Populationen existieren auch auf karibischen Inseln, wo sie teilweise vom Menschen eingeführt wurden.
Agutis besiedeln bevorzugt tropische Regenwälder, kommen aber auch in Trockenwäldern, Savannenrändern, Mangroven und von Menschen veränderten Habitaten wie Plantagen und Sekundärwäldern vor. Entscheidend für die Wahl des Biotops ist das Vorhandensein dichter Bodenvegetation, die Deckung vor Beutegreifern bietet, sowie ein ausreichendes Angebot an Früchten und Samen. Die Tiere halten sich überwiegend am Boden auf und meiden offene Flächen.
Ernährung
Die Nahrung der Agutis besteht hauptsächlich aus Früchten, Nüssen, Samen, Wurzeln und Knollen. Sie zählen zu den wenigen Tierarten, die in der Lage sind, die extrem harten Schalen der Paranuss mit ihren kräftigen Schneidezähnen zu öffnen. Diese Fähigkeit macht sie zu einem Schlüsselelement im Ökosystem des tropischen Regenwaldes: Agutis vergraben überschüssige Samen als Nahrungsvorräte im Boden. Nicht wiedergefundene Depots keimen aus und tragen so erheblich zur Verbreitung und Verjüngung zahlreicher Baumarten bei – darunter auch des Paranussbaums (Bertholletia excelsa).
In Zeiten knapper Nahrung weichen Agutis auf Pilze, Insekten und saftige Pflanzenteile aus. Ihre Ernährungsweise ist also vorwiegend herbivor mit gelegentlich omnivoren Tendenzen.
Verhalten & Lebensweise
Agutis sind überwiegend tagaktiv, können in der Nähe menschlicher Siedlungen jedoch auf dämmerungs- oder nachtaktive Lebensweise umstellen. Sie leben in der Regel als Einzelgänger oder in festen Paaren und beanspruchen ein Revier, das sie mit Urin und Sekreten aus Analdrüsen markieren. Gegenüber Artgenossen verhalten sie sich außerhalb der Paarungszeit territorial und verteidigen ihr Gebiet mit Lautäußerungen und gelegentlichen Kämpfen.
Die Tiere bewegen sich in einem charakteristischen hüpfenden Gang fort und können bei Gefahr Geschwindigkeiten von bis zu 40 km/h erreichen. Bei Bedrohung durch Raubfeinde – darunter Ozelots, Jaguare, große Greifvögel und Schlangen – verharren Agutis zunächst reglos, bevor sie in einem explosionsartigen Sprint Deckung suchen. Sie nutzen selbstgegrabene Baue, hohle Baumstämme und natürliche Höhlungen als Ruheplätze und Schutzräume.
Ein auffälliges Verhalten ist das sogenannte Scatter-Hoarding: Agutis verteilen gesammelte Nahrung auf zahlreiche kleine, vergrabene Vorratslager über das gesamte Revier. Diese Strategie schützt vor Totalverlust durch Nahrungskonkurrenten und macht die Tiere zu bedeutenden Samenverbreitern.
Fortpflanzung & Aufzucht
Die Fortpflanzung findet in tropischen Regionen ganzjährig statt, zeigt jedoch in Gebieten mit ausgeprägter Regen- und Trockenzeit saisonale Schwerpunkte. Die Paarung wird durch ein Balzverhalten eingeleitet, bei dem das Männchen das Weibchen mit Urin besprüht – ein Vorgang, der bei diesem das sogenannte „Frenzy"-Verhalten auslöst, ein aufgeregtes Umherspringen.
Nach einer Tragzeit von etwa 100 bis 120 Tagen bringt das Weibchen in einem geschützten Bau ein bis drei Jungtiere zur Welt. Die Jungen sind Nestflüchter: Sie kommen voll behaart und mit geöffneten