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Biber

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Tierart – Säugetiere > Nagetiere

Steckbrief

  • Wissenschaftlicher Name: Castor fiber (Europäischer Biber), Castor canadensis (Kanadischer Biber)
  • Ordnung: Nagetiere (Rodentia)
  • Familie: Biber (Castoridae)
  • Gattung: Castor
  • Lebensraum: Fließgewässer, Seen, Auwälder und Feuchtgebiete
  • Größe: Kopf-Rumpf-Länge 80–100 cm, Schwanzlänge (Kelle) 30–35 cm
  • Gewicht: 20–30 kg, in Ausnahmefällen bis 35 kg
  • Lebenserwartung: 10–15 Jahre in freier Wildbahn, bis 20 Jahre in Gefangenschaft

Aussehen & Merkmale

Der Biber ist das größte Nagetier Europas und nach dem südamerikanischen Capybara das zweitgrößte Nagetier der Welt. Sein gedrungener, walzenförmiger Körper ist an ein Leben im Wasser hervorragend angepasst. Das dichte Fell besteht aus zwei Schichten: einer feinen, extrem dichten Unterwolle mit bis zu 23.000 Haaren pro Quadratzentimeter und längeren, gröberen Grannenhaaren, die das Wasser abweisen. Die Fellfarbe variiert von hellbraun über dunkelbraun bis nahezu schwarz.

Das auffälligste Merkmal ist die abgeflachte, schuppenbedeckte Schwanzkelle, die als Steuerruder beim Schwimmen, als Stütze beim aufrechten Sitzen und zur Alarmkommunikation dient – durch lautes Aufschlagen auf die Wasseroberfläche warnt der Biber Artgenossen vor Gefahren. Die Hinterfüße sind mit Schwimmhäuten versehen, während die Vorderpfoten kleiner und ohne Schwimmhäute ausgebildet sind. Sie dienen als geschickte Greifwerkzeuge beim Fressen und Bauen.

Die namensgebenden Nagezähne – je zwei im Ober- und Unterkiefer – sind orange bis rotbraun gefärbt. Diese Färbung entsteht durch Eiseneinlagerungen im Zahnschmelz, die den Zahn zusätzlich härten. Die Zähne wachsen zeitlebens nach und werden durch das Nagen an Holz kontinuierlich abgeschliffen. Nase und Ohren können beim Tauchen verschlossen werden; eine durchsichtige Nickhaut schützt die Augen unter Wasser.

Lebensraum & Verbreitung

Die Gattung Castor umfasst zwei rezente Arten: den Europäischen Biber (Castor fiber) und den Kanadischen Biber (Castor canadensis). Trotz großer äußerlicher Ähnlichkeit unterscheiden sich beide Arten in ihrer Chromosomenzahl – C. fiber besitzt 48, C. canadensis 40 Chromosomen – und können sich nicht miteinander fortpflanzen.

Das Verbreitungsgebiet des Europäischen Bibers erstreckt sich von Westeuropa über Skandinavien bis nach Sibirien und in die Mongolei. In Mitteleuropa war die Art durch Bejagung im 19. Jahrhundert nahezu ausgerottet; kleine Restpopulationen überlebten unter anderem an der mittleren Elbe, in Südfrankreich und in Norwegen. Durch konsequenten Schutz und gezielte Wiederansiedlungsprojekte haben sich die Bestände in den letzten Jahrzehnten deutlich erholt. In Deutschland leben heute wieder geschätzt über 40.000 Tiere.

Der Kanadische Biber besiedelt weite Teile Nordamerikas von Alaska bis Nordmexiko. Darüber hinaus wurde er im 20. Jahrhundert in Finnland und Feuerland eingeführt, wo er als invasive Art teils erhebliche ökologische Probleme verursacht.

Als Habitat bevorzugen beide Arten langsam fließende oder stehende Gewässer mit ausreichendem Gehölzbestand am Ufer. Auwälder, Bäche, Flüsse, Seen und selbst Entwässerungsgräben werden besiedelt, sofern die Wassertiefe ausreicht oder durch Dammbau hergestellt werden kann.

Ernährung

Biber sind reine Pflanzenfresser. Ihre Nahrung variiert saisonal: Im Frühjahr und Sommer stehen Wasserpflanzen, Kräuter, Gräser, Schilf sowie Blätter und junge Triebe von Weichhölzern auf dem Speiseplan. Im Herbst und Winter verschiebt sich die Ernährung hin zu Rinde, Kambium und dünnen Zweigen von Bäumen – bevorzugt werden Weide, Pappel, Erle und Birke. Um für den Winter vorzusorgen, legen Biber unter Wasser Nahrungsflöße an: Sie stecken abgenagte Äste und Zweige in den Gewässergrund nahe dem Bau, wo sie auch unter einer geschlossenen Eisdecke erreichbar bleiben.

Verhalten & Lebensweise

Biber sind vorwiegend dämmerungs- und nachtaktiv. Sie leben in festen Familienverbänden, die in der Regel aus einem monogamen Elternpaar und dem Nachwuchs der letzten ein bis zwei Jahre bestehen – typischerweise vier bis acht Tiere. Jede Familie beansprucht ein Revier entlang eines Gewässerabschnitts, das durch das Sekret der Analdrüsen – das sogenannte Bibergeil (Castoreum) – an Duftmarken abgegrenzt wird. Die Revierlänge beträgt je nach Nahrungsangebot zwischen einem und fünf Kilometern Uferstrecke.

Ihre Bauten – sogenannte Biberburgen – errichten sie aus Ästen, Schlamm und Pflanzenteilen, wobei der Eingang stets unter der Wasseroberfläche liegt. In steilen Ufern graben Biber alternativ Erdbauten mit Unterwasserzugang. Durch den Bau von Dämmen stauen sie Gewässer auf und schaffen sich die nötige Wassertiefe zum Schutz des Baueingangs. Diese Dammbauten können beachtliche Dimensionen erreichen; einzelne Biberdämme in Kanada erstrecken sich über mehrere hundert Meter.

Als sogenannte Ökosystem-Ingenieure gestalten Biber ihren Lebensraum aktiv um. Die entstehenden Staugewässer und Feuchtflächen schaffen neue Biotope, die einer Vielzahl anderer Tier- und Pflanzenarten zugutekommen – darunter Amphibien, Libellen, Fische und wasser