Chinchilla
CTierart – Säugetiere > Nagetiere
Steckbrief
- Wissenschaftlicher Name: Chinchilla lanigera (Langschwanz-Chinchilla), Chinchilla chinchilla (Kurzschwanz-Chinchilla)
- Ordnung: Nagetiere (Rodentia)
- Unterordnung: Stachelschweinverwandte (Hystricomorpha)
- Familie: Chinchillas (Chinchillidae)
- Gattung: Chinchilla
- Lebensraum: Hochgebirgsregionen der Anden in Südamerika
- Größe: Kopf-Rumpf-Länge 22–38 cm, Schwanzlänge 10–18 cm
- Gewicht: 400–800 g
- Lebenserwartung: 10–15 Jahre in freier Wildbahn, bis zu 20 Jahre in menschlicher Obhut
Aussehen & Merkmale
Chinchillas gehören zu den Nagetieren mit dem dichtesten Fell im gesamten Tierreich. Aus einer einzigen Haarwurzel wachsen bis zu 60 feine Haare, was eine Felldichte von rund 20.000 Haaren pro Quadratzentimeter ergibt. Diese extreme Dichte dient als Isolation gegen die eisigen Temperaturen ihres Hochgebirgshabitats. Das Fell der Wildform ist blaugrau mit hellerer Unterseite; in der Zucht wurden zahlreiche Farbvarianten wie Weiß, Schwarz (Ebony), Beige und Violett hervorgebracht.
Der Körperbau ist gedrungen mit kräftigen Hinterbeinen, die deutlich länger sind als die Vorderbeine und dem Tier weite Sprünge von bis zu 1,5 Metern ermöglichen. Die großen, runden Ohren sind stark durchblutet und dienen der Thermoregulation. Die großen, dunklen Augen weisen auf die vorwiegend nachtaktive Lebensweise hin. Der buschige Schwanz wird beim Klettern und Springen als Balancierhilfe eingesetzt. Die Vibrissen (Tasthaare) sind auffallend lang und unterstützen die Orientierung in der Dunkelheit.
Lebensraum & Verbreitung
Das natürliche Verbreitungsgebiet der Chinchillas beschränkt sich auf die Andenregion Südamerikas. Chinchilla lanigera kommt heute nur noch in einem kleinen Gebiet in den Küstengebirgen Nordchiles vor, während Chinchilla chinchilla ursprünglich in höheren Lagen der Anden von Peru, Bolivien, Chile und Argentinien verbreitet war – dort jedoch als möglicherweise ausgestorben oder extrem selten gilt.
Ihr Habitat sind trockene, felsige Gebirgsregionen in Höhenlagen zwischen 3.000 und 5.000 Metern. Die Tiere besiedeln dort Geröllfelder, Felsspalten und Höhlensysteme, die ihnen Schutz vor Greifvögeln, Füchsen und anderen Prädatoren bieten. Das Biotop ist durch extreme Temperaturschwankungen, geringe Niederschläge und spärliche Vegetation gekennzeichnet – Bedingungen, an die Chinchillas hervorragend angepasst sind.
Ernährung
Chinchillas sind Herbivoren mit einer ballaststoffreichen Ernährung. In der Natur fressen sie Gräser, Kräuter, Flechten, Rinde, Samen und Kakteen – also überwiegend trockene, faserreiche Pflanzenteile, die dem kargen Nahrungsangebot ihrer Hochgebirgsheimat entsprechen. Der Verdauungstrakt ist auf diese rohfaserreiche Kost ausgelegt; ein langer Blinddarm ermöglicht die mikrobielle Aufspaltung von Zellulose.
Wie viele Nagetiere praktizieren Chinchillas Caecotrophie: Sie nehmen bestimmte weiche Kotpellets (Blinddarmkot) erneut auf, um Vitamine und Nährstoffe optimal zu verwerten. In menschlicher Haltung bilden hochwertiges Heu, getrocknete Kräuter und spezielles Chinchilla-Pelletfutter die Ernährungsgrundlage. Frischfutter sollte nur in geringen Mengen angeboten werden, da der empfindliche Magen-Darm-Trakt auf zucker- und wasserreiche Nahrung mit Verdauungsstörungen reagiert.
Verhalten & Lebensweise
Chinchillas sind dämmerungs- und nachtaktiv. In der Natur leben sie in Kolonien von mehreren Dutzend bis über hundert Tieren, die gemeinsam Felsspalten und Höhlen als Ruheplätze nutzen. Innerhalb dieser Gruppen bestehen soziale Hierarchien, wobei die Weibchen in der Regel dominant gegenüber den Männchen auftreten.
Die Kommunikation erfolgt über ein differenziertes Repertoire an Lautäußerungen: Kontaktrufe, Warnschreie, Abwehrlaute und leise Gurrlaute bei Wohlbefinden. Bei Bedrohung können Chinchillas Fellbüschel abwerfen – ein Mechanismus, der als Fur Slip bezeichnet wird und es dem Tier ermöglicht, sich aus dem Griff eines Feindes zu befreien.
Eine zentrale Verhaltensweise ist das regelmäßige Sandbad. Da das extrem dichte Fell bei Kontakt mit Wasser nur schwer trocknet und zu Pilzbefall neigen würde, reinigen Chinchillas ihr Fell durch ausgiebiges Wälzen in feinem vulkanischen Sand oder Bimsstein. Dieses Verhalten entfernt überschüssiges Hautfett und hält das Fell locker und isolierend.
Fortpflanzung & Aufzucht
Chinchillas erreichen die Geschlechtsreife mit etwa acht Monaten. Die Weibchen sind polyöstrisch und können mehrmals im Jahr empfängnisbereit sein, wobei der Östrus etwa 30 bis 50 Tage dauert. Die Tragzeit ist mit rund 111 Tagen für Nagetiere ungewöhnlich lang – eine Anpassung an das raue Hochgebirgsklima, die dafür sorgt, dass die Jungtiere als Nestflüchter mit offenen Augen, vollständigem Fell und der Fähigkeit zur eigenständigen Fortbewegung geboren werden.
Ein Wurf umfasst in der Regel ein bis drei, selten bis zu sechs Jungtiere. Das Geburtsgewicht liegt bei 30 bis 60 Gramm. Die Jungen werden etwa sechs bis acht Wochen gesäugt, nehmen aber bereits nach wenigen Tagen ergänzend feste Nahrung auf. Beide Elternteile und andere Gruppenmitglieder bet