T Tierlexikon.net
← Lexikon

Backenhörnchen

B

Tierart – Säugetiere > Nagetiere

Steckbrief

  • Wissenschaftlicher Name: Tamias (Gattung); weitere Gattungen: Eutamias, Neotamias
  • Ordnung: Nagetiere (Rodentia)
  • Familie: Hörnchen (Sciuridae)
  • Unterfamilie: Erdhörnchen (Xerinae), Tribus Marmotini
  • Lebensraum: Laub- und Nadelwälder, Waldränder, Buschland, felsige Gebiete; überwiegend Nordamerika, eine Art in Nordasien und Europa
  • Größe: Kopf-Rumpf-Länge 12–17 cm, Schwanzlänge 8–13 cm
  • Gewicht: 25–120 g je nach Art
  • Lebenserwartung: 2–5 Jahre in freier Wildbahn, bis 8–10 Jahre in Gefangenschaft

Aussehen & Merkmale

Backenhörnchen sind kleine, schlanke Nagetiere mit einem auffälligen Streifenmuster auf dem Rücken. Typisch sind fünf dunkle und vier helle Längsstreifen, die vom Nacken bis zum Schwanzansatz verlaufen. Die Grundfärbung des Fells variiert je nach Art von rötlich-braun über graubraun bis zu gelblich-braun. Die Bauchseite ist in der Regel deutlich heller, meist weiß bis cremefarben.

Das namensgebende Merkmal sind die großen, dehnbaren Backentaschen, die sich bis hinter die Ohren erstrecken. Diese innenliegenden Hauttaschen dienen dem Transport von Nahrung und können ein erhebliches Volumen aufnehmen – vollgepackt wirkt der Kopf des Tieres auf das Doppelte seiner normalen Breite angeschwollen. Die Augen sind groß und seitlich am Kopf positioniert, was den Tieren ein weites Gesichtsfeld verschafft. Die Ohren sind klein und abgerundet. Der buschige, aber vergleichsweise schlanke Schwanz dient der Balance beim Klettern und der Kommunikation mit Artgenossen.

Im Vergleich zu den eng verwandten Streifenhörnchen der Gattung Neotamias sind die Vertreter der Gattung Tamias etwas gedrungener gebaut. Von Eichhörnchen (Gattung Sciurus) unterscheiden sich Backenhörnchen durch ihre deutlich geringere Körpergröße, das Streifenmuster und die Backentaschen.

Lebensraum & Verbreitung

Das Verbreitungsgebiet der Backenhörnchen erstreckt sich über weite Teile Nordamerikas. Die meisten der rund 25 anerkannten Arten kommen in den Vereinigten Staaten und Kanada vor, von den Küstenwäldern des Pazifik über die Rocky Mountains bis zu den Laubwäldern im Osten des Kontinents. Einzige Ausnahme ist das Asiatische Streifenhörnchen (Eutamias sibiricus), dessen Habitat sich von Sibirien über die Mongolei bis nach Nordchina, Korea und Japan erstreckt. Durch Freilassung und Verwilderung ehemaliger Heimtiere haben sich zudem kleine Populationen dieser Art in einigen europäischen Ländern etabliert, darunter Belgien, die Niederlande, Frankreich, Italien und Deutschland.

Backenhörnchen besiedeln bevorzugt Waldgebiete mit dichtem Unterholz, Waldränder, Lichtungen und felsige Hänge. Entscheidend für die Wahl des Biotops ist das Vorhandensein von Deckung durch Vegetation oder Gestein sowie von geeigneten Möglichkeiten zur Anlage unterirdischer Baue. Einige Arten kommen auch in Parks und Gärten vor und haben sich an die Nähe menschlicher Siedlungen angepasst. Der Östliche Backenhörnchen (Tamias striatus) bewohnt vorwiegend Laubmischwälder im östlichen Nordamerika, während westliche Arten wie das Gelbkiefern-Streifenhörnchen (Neotamias amoenus) offenere Habitate in Bergregionen bevorzugen.

Ernährung

Backenhörnchen sind Allesfresser mit einem Schwerpunkt auf pflanzlicher Kost. Ihre Nahrung umfasst Nüsse, Samen, Eicheln, Beeren, Früchte, Pilze, Knospen und Zwiebeln. Ergänzend fressen sie Insekten, Larven, Würmer, Schnecken und gelegentlich kleine Wirbeltiere wie junge Mäuse oder Vogeleier. Die Zusammensetzung der Nahrung variiert stark mit der Jahreszeit und dem regionalen Angebot.

Mithilfe ihrer Backentaschen transportieren die Tiere große Mengen an Samen und Nüssen in ihre unterirdischen Vorratskammern. Ein einzelnes Tier kann im Herbst mehrere Kilogramm Nahrungsvorräte anlegen, die über verschiedene Kammern im Bau verteilt werden. Dieses Hortverhalten ist überlebensnotwendig, da die Tiere den Winter in einer Winterruhe verbringen, während derer sie regelmäßig aufwachen und von ihren Vorräten zehren.

Verhalten & Lebensweise

Backenhörnchen sind tagaktiv mit Aktivitätsschwerpunkten in den Morgenstunden und am späten Nachmittag. Sie leben überwiegend einzelgängerisch und verteidigen ihre Baue und unmittelbaren Nahrungsgebiete gegenüber Artgenossen. Die Reviere sind je nach Art und Nahrungsangebot zwischen 0,04 und 1,2 Hektar groß. Die Kommunikation erfolgt über ein Repertoire an Rufen – kurze, hohe Zwitscherlaute und schnelle Zirptöne dienen als Warnrufe vor Fressfeinden.

Die Tiere legen unterirdische Bausysteme an, die aus einem Hauptgang, einer Nestkammer, Vorratskammern und einer Latrine bestehen können. Der Eingang wird häufig unauffällig unter Steinen, Wurzeln oder Laub verborgen. Obwohl Backenhörnchen überwiegend am Boden leben, klettern sie geschickt und nutzen niedrige Bäume und Sträucher zur Nahrungssuche und zur Flucht vor Bodenfeinden.

Im Winter halten Backenhörnchen keine durchgehende Hibernation, sondern eine unterbrochene Winterruhe (Torpor). Die Körpertemperatur sinkt dabei deutlich ab, die Tiere wachen aber regelmäßig auf, um zu fressen und Urin abzusetzen. In milden Regionen können sie auch im Winter gelegentlich außer