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Baumschläfer

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Tierart – Säugetiere > Nagetiere

Steckbrief

  • Wissenschaftlicher Name: Dryomys nitedula
  • Ordnung: Nagetiere (Rodentia)
  • Familie: Bilche (Gliridae)
  • Gattung: Dryomys
  • Lebensraum: Laub- und Mischwälder, buschreiche Gebirgslandschaften, Obstgärten
  • Größe: Kopf-Rumpf-Länge 8–13 cm, Schwanzlänge 6–10 cm
  • Gewicht: 18–40 g (vor dem Winterschlaf bis zu 50 g)
  • Lebenserwartung: 3–5 Jahre in freier Wildbahn

Aussehen & Merkmale

Der Baumschläfer ist ein kleiner, zierlicher Vertreter der Familie der Bilche. Sein Fell ist auf der Oberseite graubraun bis olivbraun gefärbt, die Unterseite hebt sich durch einen deutlich helleren, gelblich-weißen bis cremefarbenen Ton ab. Das auffälligste Merkmal ist eine dunkle Gesichtsmaske: Ein schwarzbrauner Streifen zieht sich beidseitig vom Nasenansatz über die Augen bis hinter die Ohren und verleiht dem Tier ein unverwechselbares Erscheinungsbild.

Die Ohren sind mittelgroß, abgerundet und ragen deutlich aus dem Fell hervor. Die großen, dunklen Augen weisen auf die vorwiegend nachtaktive Lebensweise hin. Der buschige Schwanz ist annähernd so lang wie der Körper und wird beim Klettern als Balancierhilfe eingesetzt. An den Pfoten sitzen gut entwickelte Krallen, die zusammen mit speziellen Sohlenballen ein sicheres Greifen an Ästen und Rinde ermöglichen. Im Vergleich zu verwandten Arten wie dem Siebenschläfer (Glis glis) oder der Haselmaus (Muscardinus avellanarius) nimmt der Baumschläfer eine mittlere Größenstellung ein.

Lebensraum & Verbreitung

Das Verbreitungsgebiet des Baumschläfers erstreckt sich von Osteuropa über Kleinasien und den Kaukasus bis nach Zentralasien. In Europa kommt er von der Schweiz und Österreich ostwärts über den Balkan, Polen, die baltischen Staaten und die Ukraine bis nach Russland vor. Einzelne isolierte Vorkommen existieren in der Nordschweiz und in Süddeutschland, doch gelten diese als äußerst selten.

Als bevorzugtes Habitat dienen strukturreiche Laub- und Mischwälder mit dichtem Unterwuchs, insbesondere Buchen-Eichen-Wälder, Kastanienhaine und verwilderte Obstgärten. In gebirgigen Regionen besiedelt der Baumschläfer auch Biotope in Höhenlagen bis etwa 2.000 Meter, etwa subalpine Gebüschzonen und Felshänge mit Strauchbewuchs. Entscheidend für die Habitatwahl ist ein ausreichendes Angebot an Baumhöhlen, dichtem Geäst und Spalten, die als Schlaf- und Nistplätze dienen.

Ernährung

Der Baumschläfer ist ein Allesfresser mit einer deutlichen Präferenz für tierische Nahrung – ein Merkmal, das ihn von den meisten anderen Bilchen unterscheidet. Insekten, Spinnen, Schnecken und andere wirbellose Tiere machen einen erheblichen Anteil seiner Nahrung aus. Ergänzend frisst er Samen, Nüsse, Beeren, Knospen und Früchte. Gelegentlich werden auch Vogeleier und Nestlinge erbeutet.

Im Spätsommer und Herbst stellt sich die Ernährung stärker auf energiereiche pflanzliche Kost um. In dieser Phase baut der Baumschläfer gezielt Fettreserven auf, die für das Überstehen des mehrmonatigen Winterschlafs unverzichtbar sind. Die Nahrungssuche erfolgt überwiegend in Bäumen und Sträuchern, wobei der geschickte Kletterer auch dünne Zweige mühelos nutzt.

Verhalten & Lebensweise

Der Baumschläfer ist streng nachtaktiv. Tagsüber ruht er in selbst gebauten Kugelnestern aus Blättern, Moos und Gras, die er in Baumhöhlen, Astgabeln, Nistkästen oder auch in Felsspalten anlegt. Ein Tier nutzt häufig mehrere Nester innerhalb seines Streifgebiets und wechselt diese regelmäßig.

Die Tiere leben überwiegend einzelgängerisch, zeigen aber außerhalb der Fortpflanzungszeit eine gewisse Toleranz gegenüber Artgenossen. Insbesondere während des Winterschlafs wurden gelegentlich kleine Gruppen in gemeinsamen Quartieren beobachtet. Der Winterschlaf beginnt je nach Höhenlage und Region zwischen September und November und endet im April oder Mai. Während dieser Phase sinkt die Körpertemperatur auf wenige Grad über der Umgebungstemperatur, und die Stoffwechselrate wird drastisch reduziert.

Die Kommunikation erfolgt über leise Pfeif- und Zwitscherlaute sowie über Duftmarkierungen. Bei Bedrohung kann der Baumschläfer die Schwanzhaut abstreifen – ein als Autotomie bezeichneter Schutzmechanismus, der dem Tier die Flucht vor Fressfeinden wie Eulen, Mardern oder Schlangen ermöglicht. Die Schwanzhaut wächst allerdings nicht nach.

Fortpflanzung & Aufzucht

Die Paarungszeit liegt kurz nach dem Ende des Winterschlafs, meist zwischen Mai und Juni. Die Männchen suchen die Weibchen aktiv auf und nutzen dabei Duftspuren zur Orientierung. Eine ausgeprägte Balz im engeren Sinne ist nicht dokumentiert, doch kommt es zu lautstarken Interaktionen zwischen den Geschlechtern.

Nach einer Tragzeit von etwa 21 bis 30 Tagen bringt das Weibchen in der Regel drei bis fünf Jungtiere zur Welt. Die Neugeborenen sind nackt, blind und vollständig auf die Mutter angewiesen. Ihre Augen öffnen sich nach rund 16 bis 18 Tagen. Die Jungtiere werden etwa vier Wochen gesäugt und verlassen das Nest im Alter von sechs bis acht Wochen. Die Geschlechtsreife wird im ersten Lebensjahr erreicht, häufig jedoch erst nach dem ersten eigenen Winterschlaf. In der Regel gibt es pro Jahr nur einen Wurf.

Bedrohung & Schutzstatus

Die IUCN stuft den Baumschläfer global als „nicht gefährdet"