Baumstachler
BTierart – Säugetiere > Nagetiere
Steckbrief
- Wissenschaftlicher Name: Erethizon dorsatum (Nordamerikanischer Baumstachler); Familie Erethizontidae (Baumstachler oder Neuweltstachelschweine)
- Ordnung: Nagetiere (Rodentia)
- Unterordnung: Stachelschweinverwandte (Hystricomorpha)
- Familie: Baumstachler (Erethizontidae)
- Gattungen: u. a. Erethizon, Coendou, Chaetomys, Sphiggurus
- Lebensraum: Laub-, Misch- und Nadelwälder, teils auch Halbwüsten und tropische Regenwälder
- Größe: Kopf-Rumpf-Länge 30–86 cm, Schwanzlänge 20–45 cm (artabhängig)
- Gewicht: 1–18 kg (artabhängig); der Nordamerikanische Baumstachler erreicht bis zu 18 kg
- Lebenserwartung: 10–15 Jahre in freier Wildbahn, in Gefangenschaft bis über 20 Jahre
Aussehen & Merkmale
Baumstachler sind gedrungen gebaute Nagetiere mit relativ kurzen Beinen und einem breiten Kopf. Ihr auffälligstes Merkmal sind die bis zu 30.000 Stacheln, die Rücken, Flanken und Schwanz bedecken. Diese Stacheln sind umgewandelte Haare mit einer schwammartigen Innenstruktur und winzigen Widerhaken an der Spitze. Sie lassen sich nicht aktiv abschießen, lösen sich aber bei Berührung leicht aus der Haut und bohren sich durch die Widerhaken tief in das Gewebe eines Angreifers. Zwischen den Stacheln wächst ein dichtes, wolliges Unterfell, das vor Kälte schützt. Die Bauchseite ist stachellos und mit weichem Fell bedeckt.
Die Färbung variiert von dunkelbraun bis schwarz, wobei die Stachelspitzen je nach Art gelblich oder weiß sein können. Die Pfoten tragen kräftige, gebogene Krallen, die hervorragend zum Klettern geeignet sind. Südamerikanische Vertreter der Gattung Coendou besitzen zudem einen Greifschwanz, dessen Oberseite an der Spitze unbehaart ist und als zusätzliches Halteorgan beim Klettern dient. Der Nordamerikanische Baumstachler (Erethizon dorsatum) hat dagegen einen kürzeren, nicht greiffähigen Schwanz, der aber beim Klettern als Stütze fungiert.
Lebensraum & Verbreitung
Das Verbreitungsgebiet der Familie Erethizontidae erstreckt sich über weite Teile des amerikanischen Doppelkontinents. Der Nordamerikanische Baumstachler bewohnt Kanada, Alaska und die nördlichen sowie westlichen Regionen der USA. Sein Habitat umfasst boreale Nadelwälder, Mischwälder und gelegentlich auch Buschland und Halbwüsten. Die südamerikanischen Arten der Gattungen Coendou und Sphiggurus besiedeln tropische und subtropische Regenwälder, Bergwälder und Galeriewälder von Mexiko bis nach Argentinien. Der Dünnstachel-Baumstachler (Chaetomys subspinosus) ist auf die Atlantischen Küstenwälder Brasiliens beschränkt – ein Biotop, das durch Abholzung stark fragmentiert ist.
Allen Arten gemeinsam ist die enge Bindung an Bäume. Baumstachler verbringen den Großteil ihres Lebens in den Kronen und steigen nur selten auf den Boden herab, etwa um den Baum zu wechseln oder um Salzleckstellen aufzusuchen.
Ernährung
Baumstachler sind Pflanzenfresser. Ihre Nahrung setzt sich je nach Art und Jahreszeit aus Rinde, Kambium, Blättern, Knospen, Nadeln, Früchten und Samen zusammen. Der Nordamerikanische Baumstachler frisst im Winter hauptsächlich die innere Rinde von Nadelbäumen wie Fichte, Kiefer und Hemlocktanne. Im Sommer erweitert sich das Nahrungsspektrum um Blätter, Kräuter, Beeren und Wasserpflanzen. Südamerikanische Arten bevorzugen Früchte und junge Blätter tropischer Bäume.
Charakteristisch ist das ausgeprägte Bedürfnis nach Natrium. Baumstachler suchen gezielt Salzleckstellen auf und nagen an menschlichen Gegenständen, die Schweiß oder Streusalzrückstände tragen – darunter Werkzeuggriffe, Lederriemen und sogar Bremsschläuche von Fahrzeugen. Ihre ständig nachwachsenden Nagezähne, typisch für alle Vertreter der Ordnung Rodentia, ermöglichen das Bearbeiten selbst harter Holz- und Rindensubstrate.
Verhalten & Lebensweise
Baumstachler sind überwiegend nachtaktiv und einzelgängerisch. Tagsüber ruhen sie in Astgabeln, Baumhöhlen oder auf dicken Ästen. Im Winter nutzt der Nordamerikanische Baumstachler auch Felsspalten und Höhlen als Unterschlupf, hält jedoch keinen Winterschlaf. Mehrere Individuen können sich in der kalten Jahreszeit einen Unterschlupf teilen, ohne dass dabei ein soziales Gefüge im engeren Sinn entsteht.
Bei Bedrohung dreht ein Baumstachler dem Angreifer den stachelbewehrten Rücken und Schwanz zu und schlägt kräftig mit dem Schwanz. Dieses Abwehrverhalten ist sehr wirksam: Ein Schlag kann Dutzende mit Widerhaken versehene Stacheln im Gesicht oder Körper eines Feindes verankern. Zu den natürlichen Prädatoren zählen Fischer (Martes pennanti), Puma, Luchs, Virginia-Uhu und Kojote. Der Fischer hat eine spezielle Jagdtechnik entwickelt, bei der er den Baumstachler wiederholt in das stachellose Gesicht beißt, bis dieser kampfunfähig wird.
Die Reviere der Tiere sind nicht streng abgegrenzt und können sich mit denen von Artgenossen überlappen. Die Streifgebiete des Nordamerikanischen Baumstachlers umfassen je nach Nahrungsangebot zwischen 5 und 40 Hektar.