Albatros
ATierart – Vögel > Seevögel – Hochsee
Steckbrief
- Wissenschaftlicher Name: Familie Diomedeidae
- Ordnung: Röhrennasen (Procellariiformes)
- Familie: Albatrosse (Diomedeidae)
- Gattungen: Diomedea (Große Albatrosse), Thalassarche (Mollymawks), Phoebastria (Nordpazifik-Albatrosse), Phoebetria (Rußalbatrosse)
- Artenzahl: 22 anerkannte Arten
- Lebensraum: Offene Ozeane der Südhalbkugel und des Nordpazifiks
- Größe: 180–350 cm Flügelspannweite, je nach Art
- Gewicht: 3–12 kg
- Lebenserwartung: 40–70 Jahre, in Einzelfällen über 70 Jahre
Aussehen & Merkmale
Albatrosse gehören zu den größten flugfähigen Vögeln der Erde. Der Wanderalbatros (Diomedea exulans) hält mit einer Flügelspannweite von bis zu 3,50 Metern den Rekord unter allen rezenten Vogelarten. Der Körperbau ist auf ausdauernden Segelflug über dem offenen Ozean ausgelegt: Die Flügel sind extrem lang, schmal und aerodynamisch geformt. Eine spezielle Sehnensperre im Schultergelenk erlaubt es dem Vogel, die Flügel in gespreizter Position zu arretieren, ohne Muskelkraft aufzuwenden.
Das Gefieder ist je nach Art überwiegend weiß mit schwarzen Flügelspitzen und Oberflügeldecken, bei einigen Arten auch dunkelbraun bis rußschwarz. Die Rußalbatrosse der Gattung Phoebetria sind nahezu einheitlich dunkel gefärbt. Jungvögel tragen häufig ein dunkleres Gefieder und hellen erst über mehrere Mauserzyklen auf. Das dichte, wasserabweisende Federkleid schützt vor Kälte und Nässe.
Charakteristisch ist der kräftige, seitlich abgeflachte Schnabel mit hakenförmig gebogener Spitze. Auf dem Oberschnabel sitzen die für Röhrennasen typischen röhrenförmigen Nasenöffnungen, die mit einer Salzdrüse verbunden sind. Über diese Drüse scheiden Albatrosse überschüssiges Meersalz aus, das sie mit der Nahrung aufnehmen – eine physiologische Anpassung an das Leben auf hoher See. Die Füße sind mit Schwimmhäuten versehen, die Hinterzehe fehlt.
Lebensraum & Verbreitung
Das Verbreitungsgebiet der Albatrosse erstreckt sich über weite Teile der südlichen Ozeane – vom Südpolarmeer über den Südatlantik und Südpazifik bis in subtropische Gewässer. Drei Arten der Gattung Phoebastria brüten im Nordpazifik, darunter der Laysanalbatros (Phoebastria immutabilis) auf den Hawaii-Inseln. Im Nordatlantik fehlen Albatrosse als Brutvögel vollständig; gelegentliche Sichtungen von Schwarzbrauenalbatrossen (Thalassarche melanophris) an europäischen Küsten sind Ausnahmen.
Das Habitat der Albatrosse ist die offene Hochsee. Sie verbringen den Großteil ihres Lebens über dem Ozean und kommen nur zur Brut an Land. Brutkolonien befinden sich auf abgelegenen ozeanischen Inseln wie Südgeorgien, den Falklandinseln, den Kerguelen, den Crozet-Inseln und den Chatham-Inseln. Diese Inseln bieten windexponierte Hanglagen, die den Start- und Landevorgang der schweren Vögel erleichtern.
Ernährung
Albatrosse ernähren sich vorwiegend von Tintenfischen, Fischen, Krill und anderen Krebstieren. Sie nehmen ihre Beute an der Wasseroberfläche auf oder tauchen wenige Meter unter die Oberfläche. Einige Arten folgen Fischereifahrzeugen, um Fischabfälle und Beifang aufzunehmen – ein Verhalten, das ihnen häufig zum Verhängnis wird. Die Nahrungssuche findet sowohl tagsüber als auch nachts statt; viele Beutetiere wie Tintenfische steigen in der Dunkelheit in oberflächennahe Wasserschichten auf und werden dann leichter erbeutet.
Auf Nahrungsflügen legen Albatrosse routinemäßig mehrere Hundert Kilometer pro Tag zurück. Der Wanderalbatros kann innerhalb weniger Wochen den gesamten Südlichen Ozean umrunden.
Verhalten & Lebensweise
Albatrosse nutzen eine Flugtechnik, die als dynamischer Segelflug bezeichnet wird. Dabei gewinnen sie Energie aus den unterschiedlichen Windgeschwindigkeiten über der Meeresoberfläche, indem sie in einem kontinuierlichen Zyklus aus Aufsteigen in höhere, schnellere Luftschichten und Abgleiten gegen den Wind Höhe und Geschwindigkeit wechseln. Diese Technik ermöglicht es ihnen, Tausende Kilometer mit minimalem Energieaufwand zurückzulegen, ohne aktiv mit den Flügeln zu schlagen.
Außerhalb der Brutzeit leben Albatrosse einzelgängerisch auf See. Sie versammeln sich lediglich an ergiebigen Nahrungsquellen zu lockeren Gruppen ohne soziale Struktur. Ihre Bindung an den Brutpartner ist dagegen außerordentlich stark; Paare bleiben in der Regel lebenslang zusammen.
Fortpflanzung & Aufzucht
Die Balz der Albatrosse gehört zu den komplexesten Ritualen in der Vogelwelt. Junge, noch unverpaarte Vögel kehren über mehrere Jahre in die Brutkolonien zurück und durchlaufen ausgedehnte Balzzeremonien mit wechselnden Partnern, bevor sie sich endgültig binden. Das Balzrepertoire umfasst synchrone Kopfbewegungen, Schnabelklappern, Flügelstrecken und Rufe, die artspezifisch variieren.
Große Albatrosse brüten nur alle zwei Jahre. Das Weibchen legt ein einzelnes großes Ei in ein Bodennest aus Gras, Torf und Schlamm. Beide Elternteile bebrüten das Ei im Wechsel über