Riesensturmvogel
RTierart – Vögel > Seevögel – Hochsee
Steckbrief
- Wissenschaftlicher Name: Macronectes giganteus (Südlicher Riesensturmvogel) / Macronectes halli (Nördlicher Riesensturmvogel)
- Ordnung: Röhrennasen (Procellariiformes)
- Familie: Sturmvögel (Procellariidae)
- Gattung: Macronectes
- Lebensraum: Offene Ozeane der Südhalbkugel, subantarktische Inseln, Küstengewässer
- Größe: 85–100 cm Körperlänge, Flügelspannweite 150–210 cm
- Gewicht: 3–5 kg (Männchen schwerer als Weibchen)
- Lebenserwartung: Bis zu 50 Jahre in freier Wildbahn
Aussehen & Merkmale
Der Riesensturmvogel ist der größte Vertreter der Familie der Sturmvögel und erreicht fast die Ausmaße eines kleinen Albatros. Der kräftige, kompakte Körperbau unterscheidet ihn deutlich von den schlankeren Albatrossen, mit denen er seinen Lebensraum teilt. Das Gefieder des Südlichen Riesensturmvogels (Macronectes giganteus) variiert erheblich: Die meisten Individuen zeigen ein dunkelbraunes bis graubraunes Federkleid, das mit zunehmendem Alter um Kopf und Brust aufhellt. Etwa fünf bis fünfzehn Prozent der Südlichen Riesensturmvögel treten in einer rein weißen Morphe auf, die lediglich vereinzelte dunkle Federn aufweist. Der Nördliche Riesensturmvogel (Macronectes halli) ist dagegen durchgehend dunkel gefärbt und zeigt keine weiße Farbvariante.
Ein markantes Erkennungsmerkmal beider Arten ist der massige Schnabel mit den auffälligen, zu einer einzigen Röhre verschmolzenen Nasenöffnungen auf dem Schnabelrücken – ein typisches Merkmal der Ordnung der Röhrennasen. Über diese Nasenröhren scheiden die Vögel überschüssiges Salz aus, das sie mit der Nahrung aufnehmen. Der Schnabel des Südlichen Riesensturmvogels ist grünlich-gelb mit grüner Spitze, während der des Nördlichen Riesensturmvogels rötlich-braun gefärbt ist. Die Füße sind kräftig und mit Schwimmhäuten versehen.
Lebensraum & Verbreitung
Das Verbreitungsgebiet beider Riesensturmvogel-Arten erstreckt sich über die gesamte Südhalbkugel, vorwiegend zwischen dem 30. und 70. Breitengrad. Ihr Habitat umfasst die offene Hochsee des Südlichen Ozeans, des Südatlantiks, des Südpazifiks und des Indischen Ozeans. Während der Brutzeit sind sie an subantarktische Inseln gebunden, darunter Südgeorgien, die Falklandinseln, Macquarieinsel, Crozetinseln und die Kerguelen. Der Südliche Riesensturmvogel brütet zusätzlich auf dem antarktischen Kontinent selbst, während der Nördliche Riesensturmvogel auf etwas gemäßigtere subantarktische Inseln beschränkt bleibt.
Außerhalb der Brutzeit durchstreifen Riesensturmvögel weite Teile der südlichen Ozeane. Jungvögel und nichtbrütende Adulte unternehmen ausgedehnte Wanderungen und können dabei bis in subtropische Gewässer vordringen. Einzelne Nachweise gibt es sogar aus tropischen Breiten. Telemetrie-Studien zeigen, dass einzelne Individuen innerhalb weniger Wochen Tausende Kilometer zurücklegen.
Ernährung
Riesensturmvögel sind ausgesprochene Opportunisten und nutzen ein breites Nahrungsspektrum. An Land und auf dem Eis treten sie als Prädatoren und Aasfresser auf – eine Eigenschaft, die ihnen im Englischen den Beinamen „Stinker" eingebracht hat. Sie ernähren sich dort von Kadavern toter Robben und Wale, erbeuten Pinguinküken und schwächere adulte Pinguine und fressen Nachgeburten in Robbenkolonien. Die Aggressivität, mit der sie an Kadavern gegen Artgenossen und andere Aasfresser vorgehen, ist unter Seevögeln nahezu einzigartig.
Auf offener See jagen Riesensturmvögel Tintenfische, Krill, Fische und andere Wirbellose, die sie von der Wasseroberfläche aufnehmen. Gelegentlich tauchen sie dabei flach unter. Darüber hinaus folgen sie Fischereifahrzeugen, um Beifang und Fischabfälle aufzunehmen – ein Verhalten, das ihnen allerdings häufig zum Verhängnis wird.
Verhalten & Lebensweise
Riesensturmvögel sind tagaktive Vögel, die den Großteil ihres Lebens im Flug über dem offenen Meer verbringen. Wie andere Röhrennasen beherrschen sie den dynamischen Segelflug: Sie nutzen die unterschiedlichen Windgeschwindigkeiten über den Wellenkämmen, um nahezu ohne Flügelschlag weite Strecken zurückzulegen. An Land wirken sie dagegen eher unbeholfen und watscheln schwerfällig durch die Brutkolonien.
Bei Bedrohung oder Störung am Nest setzen Riesensturmvögel eine wirkungsvolle Verteidigungsstrategie ein: Sie würgen ein übelriechendes öliges Sekret aus dem Magen hervor und speien es dem Angreifer gezielt entgegen. Dieses Magenöl kann das Gefieder anderer Vögel verkleben und deren Flugfähigkeit beeinträchtigen. Auch bei innerartlichen Auseinandersetzungen an Kadavern oder in Brutkolonien wird diese Waffe eingesetzt.
Fortpflanzung & Aufzucht
Riesensturmvögel brüten in lockeren Kolonien auf flachen, windexponierten Geländeabschnitten subantarktischer Inseln. Die Balz beginnt im September bis Oktober und umfasst rituelle Schnabelduelle, Kopfnicken und laute Rufe. Paare gehen langfristige Bindungen ein, die oft über viele Brutperioden Bestand haben.
Das Weibchen legt ein einzelnes weißes Ei in ein auf dem Boden errichtetes Nest aus Gras, Moos und