Sturmtaucher
STierart – Vögel > Seevögel – Hochsee
Steckbrief
- Wissenschaftlicher Name: Puffinus (Gattung), diverse Arten; bekannteste europäische Art: Gelbschnabel-Sturmtaucher (Calonectris diomedea), Schwarzschnabel-Sturmtaucher (Puffinus puffinus)
- Ordnung: Röhrennasen (Procellariiformes)
- Familie: Sturmvögel (Procellariidae)
- Lebensraum: Offene Ozeane, Hochsee; Brutkolonien auf Inseln und Klippen
- Größe: Je nach Art 30–55 cm Körperlänge, Flügelspannweite 70–125 cm
- Gewicht: 300–800 g (artabhängig)
- Lebenserwartung: 20–30 Jahre, in Einzelfällen über 50 Jahre
Aussehen & Merkmale
Sturmtaucher sind mittelgroße Seevögel mit einem schlanken, stromlinienförmigen Körperbau, der hervorragend an ein Leben auf hoher See angepasst ist. Das Gefieder zeigt bei den meisten Arten eine charakteristische zweifarbige Zeichnung: Die Oberseite – Rücken, Flügeloberseiten und Oberkopf – ist dunkelbraun bis schwarz gefärbt, während die Unterseite überwiegend weiß erscheint. Dieser Kontrast dient der Tarnung sowohl gegenüber Fressfeinden aus der Luft als auch gegenüber Beutetieren unter Wasser.
Die Flügel sind lang und schmal, was den Sturmtauchern einen energiesparenden Gleitflug dicht über der Wasseroberfläche ermöglicht. Typisch für die Ordnung der Röhrennasen ist der Schnabel: Er trägt auf der Oberseite röhrenförmige Nasenöffnungen, die mit einer leistungsfähigen Salzdrüse verbunden sind. Über diese Drüse können die Vögel überschüssiges Salz aus dem Meerwasser ausscheiden – eine unverzichtbare Anpassung für Tiere, die fast ihr gesamtes Leben auf dem offenen Ozean verbringen. Die Beine sind relativ kurz und sitzen weit hinten am Körper, was das Schwimmen und Tauchen erleichtert, die Fortbewegung an Land jedoch unbeholfen macht.
Lebensraum & Verbreitung
Das Verbreitungsgebiet der Sturmtaucher umfasst nahezu alle Weltmeere. Verschiedene Arten besiedeln den Atlantik, den Pazifik, den Indischen Ozean und das Mittelmeer. Der Gelbschnabel-Sturmtaucher (Calonectris diomedea) brütet auf Inseln im Mittelmeer und im östlichen Atlantik, etwa auf den Kanaren, den Balearen und vor der Küste Portugals. Der Schwarzschnabel-Sturmtaucher (Puffinus puffinus), im Englischen als Manx Shearwater bekannt, hat seine Brutkolonien hauptsächlich auf Inseln vor den britischen und irischen Küsten.
Außerhalb der Brutzeit leben Sturmtaucher pelagisch, also ausschließlich auf offener See. Ihr Habitat ist die Hochsee, wo sie oft Hunderte oder Tausende Kilometer von der nächsten Küste entfernt anzutreffen sind. Viele Arten unternehmen ausgedehnte Zugbewegungen: Der Schwarzschnabel-Sturmtaucher etwa wandert nach der Brutsaison bis in die Gewässer vor Südamerika – eine Strecke von über 10.000 Kilometern pro Richtung.
Ernährung
Die Nahrung der Sturmtaucher besteht überwiegend aus kleinen Fischen wie Sardinen, Sardellen und Heringen sowie aus Tintenfischen und planktonischen Krebstieren. Die Vögel erbeuten ihre Nahrung, indem sie dicht über die Wasseroberfläche gleiten und dann im Flug oder von der Schwimmposition aus flach eintauchen. Einige Arten sind in der Lage, bis in Tiefen von mehreren Metern zu tauchen, wobei sie ihre Flügel unter Wasser als Antrieb nutzen – ein Verhalten, das ihnen den Namen „Sturmtaucher" eingebracht hat.
Sturmtaucher folgen häufig Fischschwärmen und vergesellschaften sich dabei mit anderen Seevögeln, Delfinen oder Thunfischen, die Beutefische an die Oberfläche treiben. Gelegentlich nehmen sie auch Fischereiabfälle auf und folgen Trawlern, was sie in Kontakt mit der Langleinenfischerei bringt.
Verhalten & Lebensweise
Sturmtaucher verbringen den weitaus größten Teil ihres Lebens in der Luft oder auf dem Wasser. Ihr Flugstil ist geprägt vom sogenannten dynamischen Segelflug: Die Vögel nutzen Windgradienten über der Meeresoberfläche, um mit minimalem Energieaufwand lange Strecken zurückzulegen. Dabei wechseln sich schnelle Gleitphasen knapp über den Wellenkämmen mit kurzen Aufschwüngen ab – ein Bild, das für die gesamte Familie der Sturmvögel kennzeichnend ist.
An den Brutkolonien sind Sturmtaucher ausgesprochen nachtaktiv. Sie kehren erst nach Einbruch der Dunkelheit zu ihren Bruthöhlen zurück und verlassen diese vor der Morgendämmerung. Dieses Verhalten dient dem Schutz vor Prädatoren, insbesondere Großmöwen und Raubmöwen, die tagaktive Seevögel an den Kolonien attackieren. Die nächtlichen Rufe der Sturmtaucher an den Brutplätzen – ein durchdringendes, schauerliches Kreischen – haben in vielen Küstenregionen zu Geistergeschichten und Aberglauben geführt.
Fortpflanzung & Aufzucht
Sturmtaucher sind monogam und bilden in der Regel lebenslange Paarbindungen. Die Balz findet an den Brutkolonien statt, wobei die Partner sich durch wechselseitige Rufe und gegenseitiges Putzen des Gefieders erkennen und ihre Bindung festigen. Das Nest befindet sich meist in einer selbst gegrabenen Erdhöhle oder in einer natürlichen Felsspalte. Das Weibchen legt ein einzelnes, verhältnismäßig großes Ei, das von beiden Elternteilen abwechselnd bebrütet wird. Die Brutdauer beträgt je nach Art 50 bis 55 Tage.
Das Küken schlüpft mit einem dichten Daunenkleid und wird über einen Zeitraum von etwa 60 bis