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Gryllteiste

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Tierart – Vögel > Seevögel – Hochsee

Steckbrief

  • Wissenschaftlicher Name: Cepphus grylle
  • Ordnung: Regenpfeiferartige (Charadriiformes)
  • Familie: Alkenvögel (Alcidae)
  • Gattung: Cepphus
  • Lebensraum: Felsküsten, Klippen und vorgelagerte Inseln der nördlichen Meere
  • Größe: 30–36 cm Körperlänge, Flügelspannweite 52–58 cm
  • Gewicht: 300–500 g
  • Lebenserwartung: Bis zu 20 Jahre in freier Wildbahn

Aussehen & Merkmale

Die Gryllteiste ist ein mittelgroßer Alkenvogel von gedrungener Gestalt mit kurzem Hals und relativ kleinem, spitzem Schnabel. Im Prachtkleid während der Brutzeit zeigt sich das Gefieder nahezu einheitlich schwarz mit einem auffälligen, großen weißen Flügelfeld (Spiegel) auf den Oberflügeldecken. Dieser weiße Fleck ist das markanteste Erkennungsmerkmal und im Flug wie im Sitzen gut sichtbar. Die Beine und Füße leuchten in einem intensiven Korallenrot, ebenso die Innenseite des Schnabels, die bei geöffnetem Schnabel sichtbar wird. Der Schnabel selbst ist schwarz.

Im Schlichtkleid, das die Vögel außerhalb der Brutzeit tragen, wandelt sich das Erscheinungsbild deutlich: Die Oberseite wird grau-weiß gesprenkelt, die Unterseite überwiegend weiß. Der weiße Flügelspiegel bleibt erhalten, kann aber von dunklen Federrändern durchzogen sein. Jungvögel ähneln den Adulten im Winterkleid, zeigen jedoch ein insgesamt stärker geflecktes und weniger kontrastarmes Gefieder. Die rote Fußfärbung ist bei Jungvögeln zunächst blasser und intensiviert sich mit zunehmender Reife.

Von den anderen beiden Arten der Gattung Cepphus – der Taubenteiste (Cepphus columba) im Nordpazifik und der Brillenteiste (Cepphus carbo) in ostasiatischen Gewässern – unterscheidet sich die Gryllteiste durch ihr Verbreitungsgebiet sowie durch Details in Größe und Gefiederzeichnung.

Lebensraum & Verbreitung

Das Verbreitungsgebiet der Gryllteiste erstreckt sich zirkumpolar über die Küsten des Nordatlantiks und der angrenzenden Arktis. Brutpopulationen finden sich an den Küsten Skandinaviens, Islands, Grönlands, der Britischen Inseln, Spitzbergens, Nowaja Semljas sowie im östlichen Nordamerika von Labrador bis Maine. In der Ostsee brütet die Art ebenfalls, etwa an den Küsten Schwedens, Finnlands und in geringer Zahl auch an der deutschen Ostseeküste, wo sie zu den seltensten Brutvögeln zählt.

Als Habitat bevorzugt die Gryllteiste felsige Küstenabschnitte mit Geröllhalden, Blockstränden und Steilklippen, die Spalten und Hohlräume als Nistplätze bieten. Im Unterschied zu vielen anderen Alkenvögeln wie Trottellumme (Uria aalge) oder Papageitaucher (Fratercula arctica) brütet die Gryllteiste nicht in riesigen, dicht besiedelten Vogelkolonien, sondern in eher lockeren, kleineren Gruppen oder sogar als Einzelpaare. Ihr Biotop umfasst küstennahe Gewässer; die offene Hochsee sucht sie seltener auf als andere Vertreter der Alkenvögel. Im Winter bleiben viele Vögel in der Nähe ihrer Brutgebiete, sofern die Gewässer eisfrei sind, und zeigen somit ein eher standorttreues Verhalten.

Ernährung

Die Gryllteiste ernährt sich überwiegend von kleinen Fischen und bodenlebenden marinen Wirbellosen. Zu den bevorzugten Beutefischen gehören Butterfische (Pholis gunnellus), junge Dorsche, Sandaale und Heringslarven. Daneben spielen Krebstiere wie Garnelen und Flohkrebse sowie Weichtiere, Borstenwürmer und andere Wirbellose eine Rolle im Nahrungsspektrum.

Die Nahrungssuche erfolgt tauchend. Die Gryllteiste taucht von der Wasseroberfläche aus und bewegt sich unter Wasser mit kräftigen Flügelschlägen fort – eine Fortbewegungsweise, die allen Alkenvögeln gemeinsam ist und als „Unterwasserfliegen" bezeichnet wird. Die Tauchgänge erreichen Tiefen von meist 15 bis 30 Metern, maximal bis etwa 50 Meter, und dauern in der Regel unter zwei Minuten. Die Vögel jagen bevorzugt in Küstennähe über felsigem oder steinigem Untergrund, wo sie ihre bodenbewohnende Beute aufstöbern.

Verhalten & Lebensweise

Die Gryllteiste ist tagaktiv und verbringt den Großteil des Tages mit Nahrungssuche, Gefiederpflege und Ruhen auf dem Wasser oder auf ufernahen Felsen. Außerhalb der Brutzeit lebt sie meist einzeln oder in kleinen Trupps. In der Brutsaison zeigt sie ein auffälliges Balzverhalten: Paare führen synchrone Schwimmrituale auf, bei denen sie mit offenem Schnabel die leuchtend rote Mundhöhle präsentieren und dabei hohe, trillernde Pfeiflaute von sich geben. Der Ruf – ein dünnes, hohes „siiii" oder ein trillerndes Pfeifen – ist charakteristisch und hat der Art ihren wissenschaftlichen Gattungsnamen Cepphus eingetragen, der sich auf einen antiken Seevogel bezieht.

Im Flug wirkt die Gryllteiste schnell und geradlinig mit rasch schwirrenden Flügelschlägen, wobei die weißen Flügelfelder und die roten Füße gut erkennbar sind. Auf dem Land bewegt sie sich geschickter als viele andere Alkenvögel und kann sich aufrecht gehend relativ sicher über felsiges Terrain bewegen.

Fortpflanzung & Aufzucht

Die Brutzeit beginnt je nach Breitengrad zwischen April und Juni. Die Gryllteiste brütet in Felsspalten, unter Geröll, in Mauerlöchern oder gelegentlich in verlassenen Kaninchenbauten – stets an geschützten, dunklen Stellen in Küstennähe. Ein eigentliches Nest wird nicht