Krabbentaucher
KTierart – Vögel > Seevögel – Hochsee
Steckbrief
- Wissenschaftlicher Name: Alle alle
- Ordnung: Regenpfeiferartige (Charadriiformes)
- Familie: Alkenvögel (Alcidae)
- Gattung: Alle
- Lebensraum: Arktische Küsten, offenes Nordmeer, Hochsee
- Größe: 19–21 cm Körperlänge, Flügelspannweite ca. 34–38 cm
- Gewicht: 130–200 g
- Lebenserwartung: ca. 11–16 Jahre in freier Wildbahn
Aussehen & Merkmale
Der Krabbentaucher ist der kleinste Vertreter der Familie der Alkenvögel in der Atlantikregion und erreicht etwa die Größe eines Stares. Der gedrungene Körperbau mit kurzem Hals, rundem Kopf und dem auffallend kurzen, kräftigen Schnabel verleiht ihm eine kompakte Silhouette. Das Gefieder zeigt im Prachtkleid eine scharfe Zweifarbigkeit: Kopf, Nacken, Brust und die gesamte Oberseite sind tiefschwarz gefärbt, während die Unterseite ab dem Bauch reinweiß erscheint. Im Schlichtkleid hellt sich die Kehle auf und wird weiß, wobei ein dunkler Halbkragen bestehen bleibt. Über dem Auge verläuft ein feiner, heller Bogen.
Die kurzen Flügel sind für den schnellen, surrenden Flug dicht über der Wasseroberfläche ausgelegt. Unter Wasser nutzt der Krabbentaucher seine Flügel als Antrieb – er „fliegt" regelrecht durch das Wasser, ähnlich wie andere Alkenvögel. Die Beine sind weit hinten am Körper angesetzt, was das Tauchen begünstigt, an Land jedoch einen aufrechten, watschelnden Gang erzwingt. Die Füße sind mit Schwimmhäuten versehen und dunkelgrau bis schwarz gefärbt.
Lebensraum & Verbreitung
Das Verbreitungsgebiet des Krabbentauchers erstreckt sich über die hocharktischen Regionen des Nordatlantiks. Die größten Brutkolonien befinden sich auf Spitzbergen (Svalbard), in Nordwestgrönland, auf Island sowie auf Franz-Josef-Land und Nowaja Semlja. Grönland beherbergt mit geschätzten 30 bis 80 Millionen Brutpaaren die weltweit bedeutendsten Populationen, insbesondere in der Region um Thule und die Carey-Inseln.
Als Habitat zur Brutzeit dienen felsige Steilküsten und Geröllhalden in unmittelbarer Meeresnähe. Die Vögel bevorzugen Blockschuttfelder an Berghängen, in deren Spalten und Hohlräumen sie ihre Nester anlegen. Außerhalb der Brutzeit lebt der Krabbentaucher pelagisch, also auf offener See, und hält sich bevorzugt an kalten Meeresströmungen und Packeisrändern auf. Die Überwinterungsgebiete liegen im Nordatlantik, von der Labradorsee über die Gewässer südlich von Island bis zur Nordsee. Gelegentlich werden Einzelvögel auch an mitteleuropäischen Küsten und sogar im Binnenland nachgewiesen – meist nach schweren Winterstürmen, die die Tiere verdriften.
Ernährung
Der deutsche Name „Krabbentaucher" weist bereits auf die Nahrungsgrundlage hin, ist aber leicht irreführend. Die Hauptnahrung besteht nicht aus Krabben im engeren Sinne, sondern aus kleinen planktonischen Krebstieren, vor allem aus Ruderfußkrebsen (Copepoda) der Gattung Calanus, insbesondere Calanus hyperboreus und Calanus glacialis. Diese fettreichen Organismen werden bei Tauchgängen in Tiefen von bis zu 35 Metern erbeutet. Ergänzend stehen kleine Fische, Flügelschnecken (Pteropoda) und andere Zooplanktonarten auf dem Speiseplan.
Zur Fütterung der Küken sammeln die Altvögel die winzigen Krebstiere in einem dehnbaren Kehlsack, der bis zu 600 Einzelorganismen fassen kann. Mit diesem gefüllten Kehlsack fliegen sie vom Meer zurück zur Kolonie – eine Eigenschaft, die den Krabbentaucher von den meisten anderen Alkenvögeln unterscheidet, die Fische einzeln im Schnabel transportieren.
Verhalten & Lebensweise
Krabbentaucher sind ausgesprochen gesellige Vögel. Sie brüten in riesigen Kolonien, die mehrere Hunderttausend bis Millionen Paare umfassen können. Die Kolonien zählen zu den größten Vogelansammlungen der Arktis. An den Brutplätzen herrscht ein ständiges Kommen und Gehen; die Vögel kommunizieren mit hohen, trillernden Rufen, die in großen Kolonien zu einem durchdringenden Klangteppich verschmelzen.
Die Aktivität an der Kolonie ist teilweise an die Lichtverhältnisse der arktischen Polartage angepasst. Die Vögel sind überwiegend tagaktiv, zeigen aber in der Phase des permanenten Tageslichts im Hochsommer kaum einen ausgeprägten Tag-Nacht-Rhythmus. Außerhalb der Brutzeit verbringen Krabbentaucher ihr Leben fast ausschließlich auf dem offenen Meer und kommen nicht an Land.
Im Flug wirken die Tiere mit ihren schnellen, vibrierenden Flügelschlägen beinahe insektenhaft. Die Fluggeschwindigkeit beträgt etwa 55–65 km/h. Auf dem Wasser schwimmen sie tief liegend und tauchen bei Störung blitzartig ab.
Fortpflanzung & Aufzucht
Die Brutzeit beginnt im Mai und erstreckt sich bis August. Die Balz findet sowohl auf dem Wasser als auch an den Brutfelsen statt und umfasst gegenseitiges Schnabelreiben, Verbeugungen und Duettgesänge. Krabbentaucher führen eine monogame Saisonehe, wobei viele Paare sich in aufeinanderfolgenden Jahren erneut zusammenfinden.
Das Nest besteht aus einer einfachen Mulde in einer Felsspalte oder unter einem Geröllblock. Das Weibchen legt ein einzelnes, bläulich-weißes Ei, das von beiden Elternteilen über einen Zeitraum von etwa 28 bis 31 Tagen bebrütet wird. Das Küken schlüpft mit einem dichten, dunkelgrauen Dunenkleid und wird von beiden Altvögeln mit dem Inhalt der Kehlsäcke gef